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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Terroranschläge in Großbritannien / Olympische Winterspiele 2014 in Sotschi

Nach den versuchten Terroranschlägen in London und Glasgow lobt die internationale Presse das Krisenmanagement des neuen britischen Premiers Gordon Brown. Daneben findet die Entscheidung, die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Schwarzmeer-Kurort Sotschi auszutragen, das Interesse der Kommentatoren.

Zunächst der Blick nach Großbritannien. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT schreibt:

'Die Anschläge kommen einige Tage nachdem Gordon Brown in Downing Street 10 eingezogen ist und sind ein erster Test für Browns Führungsqualitäten. Das vorläufige Ergebnis dieses Tests ist nicht schlecht. Was dem neuen Premier an rednerischem Glanz und Blairscher Attitüde fehlt, macht er durch ruhige Solidität wett.'

Die spanische Tageszeitung ABC äußert sich ähnlich:

'Die geplanten Massaker hingen eindeutig mit der Amtsübernahme des neuen Premierministers Brown zusammen. Ein wenig Vorstellungskraft reicht aus, um den Schluss abzuleiten, dass die Täter London zwingen wollten, die Pläne zur britischen Truppenpräsenz im Irak und anderen Ländern zu ändern. Die entschiedene und rigorose Antwort Browns ist die beste Reaktion.'

Auch die dänische Tageszeitung INFORMATION lobt Brown:

'Die Frage stellt sich, ob man über den Dilettantismus der gescheiterten Massenmörder froh sein soll. Oder ob er nicht ein Indiz dafür ist, dass sich der Drang zur Ausübung von Terrorismus auf Personenkreise ausgebreitet hat, die im Töten nicht geschult sind und zu keinem Netzwerk gehören. Sie sind deshalb auch schwerer aufzuspüren. Die Reaktion des neuen britischen Premiers läßt hoffen, dass er verstanden hat, wie man auch auf amateurmäßige Terroristen reagieren muss.'

Der britische INDEPENDENT würdigt ebenfalls das Vorgehen Browns:

'Es ist erfreulich, dass Brown so geistesgegenwärtig war und betonte, die Antwort auf den Terror müsse ein Kampf um die Herzen und Köpfe der Muslime sein. Denn in der Vergangenheit haben Premierminister sich nach einem Terroralarm ausschließlich auf die Sicherheitsmaßnahmen gestürzt. Brown muss sich von der einfältigen Analyse seines Vorgängers Blair lösen, sonst riskiert er, die selben Fehler zu machen.'

Abschließend zu diesem Thema, der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz mit der folgenden Einschätzung:

'Brown müht sich redlich, die Moral unter seinen Mitbürgern zu stärken. Die Menschen zu gemeinsamer Wachsamkeit, zu couragierter Verteidigung ihrer Freiheit aufzurufen, ist ein verlässlicher britischer Instinkt. Was bleibt den Briten auch anderes übrig, als ihr tägliches Leben möglichst gelassen weiterzuleben ? Leichtfertig wäre es indes, das neue Unheil ganz auf alte kulturelle und religiöse Gegensätze zu reduzieren, und bloß den Geist phlegmatischen Widerstands zu beschwören...'


Themenwechsel und zur Entscheidung, die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi auszutragen. Die Kommentatoren der internationalen Presse beurteilen dieses Votum mit Skepsis.

Die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG aus der Schweiz urteilt:

'Der große Unterschied zur Bewerbung aus dem asiatischen Raum lag darin, das Sotschi alle für Olympischen Spiele erforderlichen Bauten aus dem Boden stampfen muss, das diese gegenwärtig nur auf dem Reissbrett existieren. Dies ist unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten, die Russland hat, ein Risiko, auch aus ökologischen Gründen'

Noch kritischer äußert sich LE FIGARO aus Frankreich:

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees für Sotschi 'gibt Anlass zu manchen Befürchtungen: Für die Umwelt, die Menschenrechte und schließlich für die Sicherheit: Abchasien, eine von Moskau unterstützte separatistische Region Georgiens, liegt kaum zehn Kilometer vom olympischen Austragungsort entfernt. Tschetschenien ist 400 Kilometer entfernt, und das kaukasische Pulverfass Inguschetien ist noch näher.'

Auch die PRESSE aus Österreich kann sich mit der Entscheidung für Sotschi nicht ganz anfreunden:

'Das Internationale Olympische Komitee folgte nicht der Tradition, der Erfahrung oder der Besonnenheit des alten Europa. Und es verwundert nicht, dass die IOC-Mitglieder dem Lockruf des Geldes nicht widerstehen konnten. Die Winterreise geht in Richtung neuer Märkte. Die Winterspiele 2014 sind an den Meistbietenden versteigert worden.'

Die Zeitung AS aus Spanien übt ebenfalls Kritik und kommentiert bissig:

'Das werden Winterspiele am Strand. Die Wahl Sotschis bedeutet einen Wandel bezüglich des bisherigen Modells der Austragungsorte. Künftig ist es nicht mehr nötig, den Schnee nebendran zu haben. Für die nächsten Winterspiele können sich wegen der Nähe der Sierra Nevada getrost Málaga oder Almería bewerben. Oder Barcelona, das dank der nahen Pyrenäen zur ersten Stadt werden könnte, die sowohl Sommer- als auch Winterspiele austrägt.'

Abschließend die italienische Zeitung LA STAMPA, die die Entscheidung des IOC vor allem als Erfolg für den russischen Präsidenten Putin wertet:

'Sotschi wird zu einer Geldmaschine sowie zu einer riesigen Propagandamaschine. In seinem vermutlich letzten Amtsjahr im Kreml hat Staatspräsident Putin einen großen politischen Erfolg errungen und damit den Russen endlich auch ein Motiv gegeben, ihren nationalen Stolz zu zeigen. Und möglicherweise heißt der Präsident, der 2014 die Spiele eröffnen wird, ja ebenfalls Putin. Denn auf die Frage, ob er im Jahr 2012 wenn das Verbot einer dritten Amtszeit als Präsident nicht mehr gilt noch einmal kandidieren wolle, hat Putin nicht mit 'niet' geantwortet, sondern mit einem 'Das werden wir sehen, jetzt ist es noch zu früh'.'