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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Terror in Algerien / Atomstreit mit Iran

Während Terror und Gewalt im Irak schon fast alltäglich geworden sind, haben die jüngsten Bombenanschläge in Algerien zu einem breiten Medienecho geführt - auch in den Kommentaren der Auslandspresse:

'Der Irak rückt näher an Europa', schreibt DIE PRESSE aus Österreich.

"Der Selbstmordanschlag auf den Amtssitz des Regierungschefs in Algier erinnerte fatal an Bilder aus Bagdad und anderen irakischen Städten, die allabendlich über die Fernsehschirme flimmern. Wenn das, was sich da in Nordafrika zusammengebraut hat, explodieren sollte, dann wird Europa mehr zu spüren bekommen als nur die Druckwelle."

In großer Sorge ist auch die Straßburger Zeitung DERNIERES NOUVELLES D'ALSACE:

"Die Anschläge von Algier erinnern urplötzlich daran, dass der islamistische Terrorismus vor den Toren Europas steht. Aber das Problem reicht noch viel weiter. Eine mehr oder weniger radikale Islamisierung, dem Hexenkessel des Nahen Ostens entwichen, greift auf die gesamte muslimische Welt über. Für den internationalen Dschihad ist Nordafrika das ideale Sprungbrett nach Europa. Das Mittelmeer ist schnell überquert."

Nach Ansicht der dänischen Zeitung BERLINGSKE TIDENDE steht der Westen vor einem Dilemma:

"Wie vermeiden wir, dass die betroffenen Länder bei ihren Versuchen zur Eindämmung von islamistischen Selbstmordanschlägen immer autoritärer oder sogar diktatorisch werden? Der Westen muss hier versuchen, Kontakt zu den Bevölkerungsgruppen und politischen Parteien zu finden, die dieses Dilemma lösen oder zumindest abschwächen können. Gemeint sind gemäßigte Muslime, die in Frieden miteinander und mit ihren Nachbarn leben wollen."

Das LUXEMBURGER WORT betont:

"Es stimmt, dass die Anschläge von Algier nichts mit dem Islam zu tun haben. Aber es stimmt eben auch, dass der El-Kaida-Ableger des Maghreb wieder die islamischen Gebiete des Mittelalters zurückerobern will. Von Jerusalem bis Südspanien. Letztlich bleibt Europa nur eine Doppelstrategie: Zum einem muss mit allen Mitteln des Rechtsstaates der Terrorschutz optimiert werden. Ebenso wichtig aber ist das resolute Weitertreiben eines Kulturendialogs des Westens mit der islamischen Welt."

Die SALZBURGER NACHRICHTEN warnen jedenfalls vor Panik:

"Europäische Regierungen von Madrid über Paris bis Berlin tun gut daran, zwar wachsam zu sein, nach Verdächtigen zu fahnden und die Grenzen verstärkt zu überwachen. Doch es wäre fatal, wollte man jetzt in Panik verfallen und hinter jedem Busch einen Attentäter vermuten, Bürgerrechte weiter einschränken und womöglich jedes Passbild eines EU-Bürgers behandeln, als wäre es ein potenzielles Fahndungsfoto. Mit solchem Verhalten dokumentierten die Europäer, mehr Furcht als notwendig. Und dann hätten die Drahtzieher und Planer des Terrors bereits den ersten Sieg davongetragen."

Themenwechsel. Der iranische Präsident Ahmadinedschad gibt dem Atomstreit immer wieder neue Nahrung - zuletzt mit der Behauptung, sein Land könne angereichertes Uran nun in industriellem Maßstab herstellen.

Die französische Zeitung OUEST-FRANCE glaubt:

"Der atomare Ehrgeiz des Irans ist intakter denn je, ob mit dem Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an der Spitze oder nicht. Der iranische Drang zur Bombe hat sich um keinen Millimeter abgeschwächt, auch bei den ganz Gemäßigten nicht. Diesmal ist die westliche Diplomatie gescheitert. Und das Dilemma besteht weiter. Was ist jetzt das schlimmste Katastrophen-Szenario: Ein atomar ausgerüsteter Iran oder ein neuer Krieg im Mittleren Osten, diesmal mit dem Iran?"

Die Zeitung DER BUND aus der Schweiz analysiert den Atomkonflikt so:

"Die Iraner gehen bewusst das Risiko ein, dass sich die Fronten verhärten. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass die Führung, wie so oft in der Vergangenheit, im letzten Moment einen Schritt rückwärts machen und einlenken wird. Denn an einer Katastrophe, welche eine Eskalation und ein Krieg nicht nur für Iran bedeuten würden, ist auch Teheran nicht interessiert."

Genau daran hat die russische Zeitung PRAWDA ihre Zweifel:

"Der Iran schreckt vor der Gefahr eines Krieges nicht zurück. Und die USA haben weder im Nahen Osten noch in Europa oder Asien eine einheitliche Front gegen Teheran zusammenschweißen können. Die Perspektive, das iranische Öl zu verlieren, jagt den meisten Ländern offenbar größeren Schrecken ein als die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm. Dies wird die internationale Atomenergiebehörde dazu zwingen, das iranische Atomprogramm objektiv und zurückhaltend zu beurteilen".

THE GUARDIAN aus London ist der Überzeugung, dass die Staatengemeinschaft den Iran ohnehin nicht vom Bau einer Atombombe abhalten kann:

"Selbst wenn Ahmadinedschad übertrieben hat, gibt es wenig Zweifel, dass der Iran eines Tages Atommacht ist, wie Indien und Pakistan. Das Versagen der gegenwärtigen Sanktionsstrategie stellt den Westen vor eine nicht beneidenswerte Wahl: Entweder er lässt zu, dass Ahmadinedschad Nuklearmaterial bekommt, das für eine Bombe nutzbar ist, oder er greift Anlagen zur Anreicherung von Uran wie die in Natans an. "

Abschließend noch ein Blick in die niederländische Zeitung TROUW, die für weitere Sanktionen gegen den Iran plädiert:

"Es ist bestimmt nicht unmöglich, den Iran letztlich wieder an den Verhandlungstisch zu führen, so wie finanzielle Sanktionen schließlich auch Nordkorea wieder zum Sprechen gebracht haben. Europa, die USA und die Nachbarländer müssen über den Iran sicher besorgt sein und engstens zusammenarbeiten, um das Land zu zwingen, sich an internationale Absprachen zu halten. Aber sie müssen vor allem einen kühlen Kopf bewahren."

  • Datum 14.04.2007
  • Autorin/Autor Christian Walz
  • Schlagwörter presseschau
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  • Permalink http://p.dw.com/p/AFS3
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