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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Hinrichtung Saddam Husseins / Krieg in Somalia

Saddam Hussein ist tot. Am frühen Samstagmorgen wurde der frühere irakische Diktator in Bagdad wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehängt. Die internationale Presse kommentiert die Hinrichtung überwiegend mit Kritik. Ein weiteres Thema dieser Presseschau ist der Krieg in Somalia.

LA REPUBBLICA aus Italien schreibt zur Hinrichtung Saddams:

"Es hätte mehr Mut gefordert, sein Leben zu bewahren, als es auszulöschen, aber die Banalität der Rache war stärker als die Intelligenz der Politik. Das voraussehbare Todesurteil war schon vor drei Jahren unterzeichnet worden, als George Bush sagte, nur 'die Todesstrafe' wäre die richtige für diesen 'furchtbaren Tyrannen'. Es ist ein gleichzeitig globaler und privater Krieg, der zwischen Vereinigten Staaten und Irak ausgetragen wird. Am Ende hat der texanische Clan der Bushs die Rechnung mit dem sunnitischen Clan der Takriti beglichen. Und der Sohn kann dem Vater endlich den Kopf des Feindes präsentieren."

Im britischen DAILY TELEGRAPH heißt es:

"Die Vernichtung Saddams mag den Blutdurst von Irakern befriedigen, aber sie wird nichts an der Entschlossenheit der sunnitischen und schiitischen Muslimgruppen ändern, ihre politischen Ziele mit den Mitteln der Gewalt zu erreichen anstatt in einem verfassungsmäßigen, demokratischen Rahmen, für dessen Errichtung die Koalition so hart gearbeitet hat. Das beste, was man sich vom Tod Saddams erhoffen kann, ist, dass er der irakischen Regierung das bislang fehlende Selbstvertrauen gibt, den Aufstand zu bekämpfen und niederzuschlagen."

Der schweizer TAGES-ANZEIGER meint:

"Eine Hinrichtung ist ein Mord, ein staatlich legitimierter zwar, aber eben doch ein Mord. Wer sich den Werten der Aufklärung verpflichtet fühlt,lehnt die Todesstrafe deshalb ab. Zum einen kann ein vollstrecktes Urteil nicht mehr rückgängig gemacht werden, selbst wenn später die Unschuld des Verurteilten festgestellt wird. Zum andern steht es dem Menschen nicht zu, über Leben und Tod zu entscheiden. Artikel 3 der Uno-Erklärung der Menschenrechte hält fest, dass 'jeder das Recht auf Leben' habe. Dieses Recht steht selbst einem so brutalen Schlächter wie Saddam Hussein zu."

Und LE JOURNAL DE LA HAUTE-MARNE kommentiert:

"Der ehemalige irakische Diktator Saddam Hussein hat sich auf seine Weise bereits an dem Amerika des George W. Bush gerächt. Er hat das Land dazu gebracht, an sich selbst zu zweifeln und seine Armee auf einen Kriegsschauplatz zu schicken, wo sie zunächst einmal gezwungen ist, sich zu verteidigen. Die kürzliche schallende Ohrfeige bei den Halbzeitwahlen kündigt in jedem Fall eine wenig glorreiche Rückkehr der 'boys' aus dem Irak an."

Themenwechsel: Seit der vergangenen Woche herrscht in Somalia wieder Krieg. Unterstützt von äthiopischen Truppen rückten die Anhänger der bislang beinahe machtlosen Übergangsregierung in die Hauptstadt ein. Ihre Gegner, die islamistischen Milizen, haben sich zurückgezogen, wollen aber weiterkämpfen. Die Kommentare der internationalen Presse widmen sich ausführlich der Eskalation am Horn von Afrika.

Der KURIER aus Österreich kritisiert internationale Gleichgültigkeit im Vorfeld der Kämpfe:

"Es ist erbärmlich: Dieser neue Krieg in einer der ärmsten Gegenden dieser Welt, war selbst bei oberflächlichster Betrachtung absolut absehbar. Jeder wusste das, und keiner tat etwas zur Verhinderung des scheinbar Unvermeidbaren. Und jetzt, da die Region lichterloh in Flammen steht, geht das unwürdige Taktieren weiter. Dabei ist dieser Konflikt zwischen Äthiopien und somalischen Milizen einer der gefährlichsten der jüngeren Vergangenheit. Er birgt das Potenzial zu einem gigantischen Flächenbrand."

Der britische INDEPENDENT betont hingegen geopolitisches Machtkalkül hinter dem Konflikt:

"Die lenkende Hand der USA, die ein fundamentalistisch-islamisches Regime in Somalia fürchten, ist hinter Äthiopiens Aktion erkennbar. Anstelle eines internen Konflikts, der auf das Gebiet Somalias beschränkt geblieben wäre, müssen wir uns nun mit der Möglichkeit eines neuen Krieges in einer weiteren strategisch wichtigen Region befassen. Es ist ein Krieg, in dem die Nachbarstaaten, die arabische Welt und die USA Interessen verfolgen. Das macht eine rasche Lösung durch die Vereinten Nationen unwahrscheinlich."

Aus Sicht von LA REPUBLICA aus Italien ist ein international angeheizter Bürgerkrieg gerade in Somalia besonders tragisch:

"Auf dem Papier haben die Somalier alle Voraussetzungen, um ein geeintes und starkes Volk zu sein: Sie haben eine gemeinsame ethnische Identität; eine Sprache; eine einzige Religion, den Islam. Verglichen mit anderen afrikanischen Staaten schien Somalia geschützt vor dem Grauen der Stammesfehden und der internen Kriege. Seit 15 ist Somalia trotzdem ein in Blut getränktes Niemandsland, herrscht das Gesetz des Stärkeren."

Die russische Zeitung KOMMERSANT sieht Bemühungen um einen Frieden für Somalia als kaum lösbares Problem:

"Es gibt Gesellschaften, deren innere Ordnung auf einem komplizierten Interessenausgleich zwischen den Clans und Stämmen beruht. Jede äußere Einmischung führt dort unweigerlich zum Chaos. Der Einmarsch nach Afghanistan hat dem Land keine Stabilität gebracht. Und das gleiche wird passieren, wenn Somalia von Äthiopien besetzt wird. Schuld daran sind nicht Fehler oder böse Absicht - das ist einfach das Gesetz von Stammesgesellschaften."