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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Geplante Terroranschläge / Libanon-Konflikt

Britische Sicherheitskräfte haben in dieser Woche durch einen massiven Anti-Terroreinsatz Anschläge auf Passagierflugzeuge verhindert. Der Fahndungserfolg und die einmal mehr deutlich gewordene Bedrohung durch Terroristen standen im Mittelpunkt vieler Kommentare ausländischer Zeitungen. Ein weiteres Thema sind die Hintergründe und Konsequenzen der anhaltenden Kämpfe im Libanon.

Das LUXEMBURGER WORT schreibt zu den geplanten Anschlägen auf Passagierflugzeuge:

"Das ist die eigentlich schlechte Nachricht des gestrigen Fahndungserfolges: Willige Selbstmordattentäter findet man mitten unter uns. Pauschal- Rezepte gegen die Terror-Krake gibt es nicht. Allerdings könnte eine geschlossene aktive Friedenspolitik der westlichen Welt im Nahen Osten zumindest dazu beitragen, dieser für den Weltfrieden so entscheidenden Region eine faire Entwicklungsperspektive zu geben."

Die in Warschau erscheinende Zeitung RZECZPOSPOLITA betont, dass nur mit mehr Einigkeit der internationalen Gemeinschaft der Terror verhindert werden könne:

"Seit Jahren wird wiederholt, dass der internationale Terrorismus nur durch gemeinsame Anstrengungen zu überwinden ist. Und dennoch überwiegen in der Praxis die Interessenunterschiede. Es gibt keine Verständigung über den Irak, Iran oder Palästina. Zudem kommt die immer größere Ratlosigkeit der internationalen Gemeinschaft ... Das Drama im Libanon ist das beste Beispiel. So lange das so ist, sind alle zu einem Leben in ständiger Furcht vor dem globalen Terror verurteilt."

Die in Paris erscheinende LIBÉRATION analysiert die Struktur der Terrorgruppen:

"Die schiitische Version inspiriert die Märtyrer-Kandidaten im Libanon. Die sunnitische Version baut unter dem Namen El-Kaida Netzwerke aus. Diese beiden islamistischen Bewegungen sind gleichzeitig miteinander verfeindet und artverwandt. Vielleicht wollte die Londoner-Gruppe die Auswirkungen des Libanon-Konflikts verstärken, oder dem zunehmenden Prestige der schiitischen Konkurrenz schaden. Doch das ist unwichtig. - Die aggressive Politik Bushs macht das Problem komplizierter, schafft es jedoch nicht. Eine Regelung der Nahost-Frage ist mehr als wünschenswert, doch dürfte sie nicht alle Spannungen beiseite räumen, die dieser Terrorismus auslöst. Ein Grund mehr, zu lernen mit ihm zu leben."

Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA aus Rom schließlich sieht die Welt von einer neuen Generation Terroristen bedroht, die nicht ins die üblichen Schema passen:

"Es war in der Tat sehr viel einfacher und bequemer, gegen so genannte Schurken-Staaten zu kämpfen. Aber das, was uns heute Angst macht, sind die Einzel-Schurken, die Individuum-Schurken, diejenigen, die nicht notwendiger Weise reich oder abenteuerlich sind wie Osama bin Laden und weder professioneller Guerillakämpfer sind oder Weltenbummler wie dieser. Heute handelt es sich dagegen um eine Art Heimwerker-Terrorist, der ebenso in einem Tal in Pakistan lebt wie in einer Vorstadt von London."

Ein weiteres Thema zahlreicher ausländischer Zeitungskommentare sin die anhaltenden Kämpfe im Libanon und deren Hintergründe und Konsequenzen:

Die in Rom erscheinende Zeit LA REPUBLICCA widmet sich der Rolle der USA im Nahost-Konflikt:

"1973, als die Truppen von Ariel Scharon den Suez- Kanal überquerten und die Armee von Sadat am Rande der Niederlage stand, haben Nixon und Kissinger dem israelischen Vormarsch Einhalt geboten. Fünf Jahre später unterzeichneten Israel und Ägypten in Camp David jenen Vertrag, der viele Jahre lang einen realen Frieden zwischen dem Staat Israel und der wichtigsten arabischen Nation garantiert hat. Diese Art von Frieden ist Amerika heute nicht mehr in der Lage herbeizuführen, weil das Land auf seine Rolle als ehrlicher Vermittler und mächtiger Friedensstifter zwischen den Kriegsparteien verzichtet hat, um das Ziel eines mit Gewalt auferlegten 'Machtwechsels' zu verfolgen."

Nach Ansicht des in London erscheinenden GUARDIAN zielen Israels Angriffe im Libanon auch auf den Iran:

"Was die israelische Armee in den Südlibanon brachte, war nicht bloß die Gefangennahme ihrer Soldaten und die Bedrohung durch Raketen der Hisbollah. ... Es war wohl die Möglichkeit, dem Iran einen schweren Schlag durch die Vernichtung seiner Stellvertretertruppe im Libanon zu verpassen. Derselbe Impuls dürfte die USA, gefolgt von Großbritannien, dazu getrieben haben, diplomatische Aktivitäten zu untergraben, die zu einem frühzeitigen Ende der Kämpfe hätten führen können."

Das HANDELSBLAD aus Den Haag nimmt Stellung zur Nachfolge der bisher im Libanon stationierten UN-Truppe UNIFIL:

"Am 31. August läuft das UNIFIL-Mandat offiziell ab. Es wird eine neue Friedensmacht kommen, aber die darf kein westlicher Club werden. Auch die arabischen Länder werden diese Last schultern müssen. Das Wichtigste ist, dass eine Friedensmacht nur arbeiten kann mit einem wirksamen Mandat und einer entsprechender Bewaffnung und Sicherung. Und dann bleibt noch die Frage: Wer will sich hier die Finger verbrennen?"

Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER aus Stockholm schließlich betont die Verantwortung Europas für jene Menschen, die vor dem Krieg im Libanon fliehen:

"Mit oder ohne diplomatischen Einsatz zur Beendigung des Krieges im Libanon wird Europa sich der direkten Folgen annehmen müssen. Höchstwahrscheinlich werden viele in europäische Länder reisen, weil Zypern zu klein ist... Dass Menschen auf der Flucht vor Krieg Anspruch auf Schutz haben, ist eine Selbstverständlichkeit. Deshalb muss es beunruhigen, wenn Behörden schon nach Paragrafen suchen, mit denen man die Flüchtlinge stoppen kann."

  • Datum 12.08.2006
  • Autorin/Autor Günther Birkenstock
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8wN6
  • Datum 12.08.2006
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