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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

BGH kippt Urteile im Mannesmann-Prozess

Der größte deutsche Wirtschaftsstrafprozess um die Millionen- Zahlungen an Mannesmann-Manager wird neu aufgerollt. Auch bei der internationalen Presse stieß die Entscheidung des Bundesgerichtshofs auf größtes Interesse, Deutsche Bank-Chef Ackermann und andere Beschuldigte noch einmal wegen Untreue auf die Anklagebank zu schicken.

So war in der NEW YORK TIMES zu lesen:

"Fünf Jahre nachdem Mannesmann von Vodafone geschluckt wurde, ist die Mannesmann-Affäre zu einem Symbol für den deutschen Widerwillen gegen Habgier im Wirtschaftsleben geworden. Der Fall verfolgte Ackermanns dreieinhalb Jahre als Vorstandssprecher der Bank, Deutschlands bedeutender, und erschwerte seine Bemühungen, ihr einen britisch-amerikanischen Führungsstil zu vermitteln. (...) Rechtsexperten erklärten, Ackermann gehe in den neuen Prozess mit einer deutlich schwächeren Position."

Das Pariser Wirtschaftsblatt LA TRIBUNE kommentierte:

"Manager und hohe Gewerkschaftsfunktionäre kungeln wie Marktschreier miteinander, um den meisten Profit aus ihrer privilegierten Lage zu ziehen. Auch darum geht es bei der Entscheidung der deutschen Justiz, im Mannesmann-Prozess ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die Praxis des 'golden handshake' ist zwar sehr fragwürdig, sie ist aber kein Monopol der deutschen Wirtschaftskreise. (...) Die Entscheidung der deutschen Justiz wird auf der rechten Rheinseite wegweisend sein. Es bleibt zu hoffen, dass sie darüber hinaus eine mäßigende Wirkung auf die Zusicherung von Millionenprämien für Unternehmens- führer auslöst."

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG glaubt gefährliche Trends in Deutschland ausgemacht zu haben und schreibt unter dem Titel "Der Staat in der Firma":

"Der deutsche Bundesgerichtshof hat mit seinem Entscheid, die Freisprüche im Mannesmann-Prozess aufzuheben und das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuverweisen, die Verstaatlichung und Verunsicherung der Wirtschaft in Deutschland weiter vorangetrieben. Das Verfahren soll neu verhandelt und entschieden werden. So offen, wie dieser Satz tönt, sind die Entwicklungsmöglichkeiten aber wohl kaum. Das Urteil deutet auf eine schleichende Ausweitung des Staatseinflusses hin. (...) Im heutigen Deutschland sind es eher Staat und Justiz, die das Unternehmensinteresse definieren."

Der TAGES-ANZEIGER, ebenfalls aus der Schweiz, wirft ein besonderes Schlaglicht auf die Perspektiven ihres Landesmanns Ackermann:

"Was für ein bitterer, ja tragischer Jahresausklang für Josef Ackermann. Die Deutsche Bank unter seiner Führung steht vor dem besten Konzernabschluss aller Zeiten. (...) Des Schweizers Tage an der Spitze von Deutschlands größter Bank sind aber gezählt. Sein strikt renditeorientiertes Denken und Handeln, das auf die Belange und Ansprüche des Heimatmarktes kaum Rücksicht nimmt, hat ihn für die deutsche Öffentlichkeit auch ohne 'Mannesmann' schon zu einer Reizfigur sondergleichen gemacht."
  • Datum 24.12.2005
  • Autorin/Autor Siegfried Scheithauer
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7hX6
  • Datum 24.12.2005
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