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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche im Überblick

Pleite der Kirch-Media-Gruppe Wladimir Putin und Jiang Zemin in Deutschland

Drei Ereignisse in Deutschland haben die Kommentatoren der ausländischen Tagespresse in dieser Woche besonders beschäftigt: Die Deutschland-Besuche des russischen und des chinesische Präsidenten sowie die Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch.

Mit den Ursachen der Pleite und mit der Rolle der Banken setzte sich die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG auseinander:

"Zum einen hat (Kirch) das Potenzial des Pay-TV in Deutschland massiv überschätzt. Premiere World hat die angestrebte Zahl Abonnenten nie erreichen können und hat in letzter Zeit praktisch bei 2,5 Mio. Kunden stagniert. Gleichzeitig sind offenbar die ausgestrahlten Inhalte zu teuer eingekauft worden. Übernommen hat sich Kirch zum andern aber zweifellos auch durch den Kauf teurer Sportrechte. Unzweifelhaft haben diese Engagements aber dazu beigetragen, den finanziellen Bogen zu überspannen, und ebenso unzweifelhaft haben dabei einige Banken aus heutiger Sicht in fahrlässiger Weise finanzielle Hilfestellung geleistet. Mit vorsichtigem Geschäftsgebaren hatte das wenig zu tun, vielmehr glich das Vorgehen Kirchs und einiger Banken einem Pokerspiel mit hohem Einsatz - zu hohem Einsatz, wie sich nun herausgestellt hat."

Für die unabhängige französische Tageszeitung LE MONDE ist die Kirch-Pleite eine Folge der überteuerten Fußball-Übertragungsrechte und kein Einzelfall in Europa:

"Die inflationären Übertragungsrechte im Fußball stehen direkt im Zusammenhang mit der Pleite von KirchMedia. Die Kirch-Gesellschaft ist nur knapp zwei Wochen nach dem Vergleichsantrag des britischen Digitalfernsehsenders ITV Digital zusammengebrochen, der sich mit den mehrere hundert Millionen Euro teuren Senderechten der britischen Fußball-Liga übernommen hat. (...) In Italien und Spanien
drohen die digitalen Sendeplattformen daran ebenfalls zu ersticken. Der Fußball könnte das erste Opfer der in Gang gekommenen Umstrukturierung in der Fernsehlandschaft sein."

Das auflagenstärkste österreichische Boulevardblatt KRONENZEITUNG sah aber noch einen anderen Grund für die Pleite:

"Es steckt etwas Triebhaftes in dieser unersättlichen Gier, den Markt nicht nur zu erobern, sondern ihn auch als Alleinherrscher zu regieren. Dabei geht oft selbst großen Unternehmerpersönlichkeiten die Fähigkeit verloren, ihre Grenzen zu erkennen - bis zum Augenblick, da offenbar wird, wie viel nur schöner Schein und was alles auf Luft gebaut war."

Für die in London erscheinende FINANCIAL TIMES ist die Krise des Kirch-Konzerns die "Stunde der Wahrheit für Deutschland":

"Die deutschen Politiker sind jetzt herausgefordert, Mut zu beweisen und die Wahrheit hinter dieser geheimniskrämerischen Gesellschaft zu Tage zu fördern - und nicht zu versuchen, wieder irgendeinen Deal zusammenzuschustern. (...) Das wäre dann der traditionelle deutsche Weg - eben jener Weg, der Kirch dorthin gebracht hat, wo er nun ist, und der in Brüssel für Stirnrunzeln sorgen müsste. Kirchs Bankrott ist mehr als nur ein gescheitertes Medienimperium: Es ist ein Test dafür, wie ernsthaft sich Deutschland den Problemen seines rissigen Wirtschaftsmodells stellt."

Das österreichische Massenblatt KURIER widmete sich den Besuchen des russischen und des chinesischen Präsidenten in Berlin:

"Russlands Präsident Wladimir Putin zweieinhalb und Chinas Präsident Jiang Zemin fünf Tage zur selben Zeit im Lande - da muss Großes im Gange sein, oder? Mitnichten. Hier wird die Normalität zwischen guten Partnern abgefeiert, in atemberaubender Harmonie."

Die russische Presse ging auf die Einigung im Streit um die
sowjetischen Altschulden bei der ehemaligen DDR ein. Dazu war in der Zeitung KOMMERSANT aus Moskau zu lesen:

"Wladimir Putin hat nicht schlecht umgerechnet. Er wandelte 6,35 Milliarden (Transfer-)Rubel in 500 Millionen Euro. (...) Mit versteinerter Miene verkündete Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der abschließenden Pressekonferenz die endgültige Summe, die Russland an Deutschland zurückzahlen werde. Das kam einer Sensation gleich. Es ist klar, dass dieses Ergebnis in Deutschland mit wenig
Begeisterung aufgenommen wird, wo doch im Herbst ein neues Parlament gewählt wird. Und nun hat einer der Parteichefs, Gerhard Schröder, vor allen Augen so viel Staatsgeld einfach zum Fenster rausgeworfen."

Die ebenfalls in Moskau erscheinende ISWESTIJA stellte fest:

"Die praktischen Deutschen haben sich nach langem Nachdenken gesagt:
Lieber 500 Millionen in der Hand haben als weiter langwierige Verhandlungen ohne Aussicht auf baldige Zahlungen führen. Somit schlug in Weimar die letzte Stunde des Transferrubels, einer sonderbaren Währung, die nur in russisch-deutschen Verhandlungen existierte. Das Ergebnis allerdings dürfte der deutschen Opposition nicht gefallen, die Summe ist zu niedrig. Entsprechende Kritik an (Bundeskanzler Gerhard) Schröder vor den Bundestagswahlen ist also berechtigt."

Dagegen meinte der Kommentator der Regierungszeitung ROSSIJSKAJA GASETA, in Wahrheit habe Deutschland Schulden bei Russland:

"Es ist doch kein Geheimnis, dass die Sowjetunion der DDR, wie auch anderen Ländern im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, versteckte Subventionen zukommen ließ. Das funktionierte damals so: Die UdSSR lieferte ihre Rohstoffe, darunter Erdöl, für künstlich niedrige Preise. Für die importierte Industrieproduktion zahlte Moskau dagegen deutlich überhöhte Preise. So hat die DDR auf der Grundlage
von viel zu billigem russischen Erdöl insgesamt vier Milliarden Transferrubel eingespart und an den Warenexporten in die Sowjetunion zehn bis zwölf Milliarden verdient. In Wahrheit hat also Ostdeutschland Schulden bei uns."

In der chinesischen Presse schlug sich der Deutschland-Besuch von Präsident Jiang Zemin bislang nur spärlich nieder. Die in Shanghai erscheinende Zeitung JIEFANG RIBAO gab lediglich Jiangs Äußerungen bei dessen Gespräch mit Bundespräsident Johannes Rau im Konjunktiv wieder:

"Seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen vor 30 Jahren habe China den Beziehungen zu Deutschland stets große Aufmerksamkeit gewidmet. Die beiden Völker hätten das gegenseitige Verständnis und ihre Freundschaft vertieft; beide Seite hätten ihre Zusammenarbeit ausgebaut und seien verlässliche Partner für einander geworden. China habe stets die deutsche Wiedervereinigung unterstützt; und umgekehrt habe Deutschland immer die Ein-China-Politik unterstützt.
Das gegenseitige Vertrauen zwischen Deutschland und China sei stets die feste Basis für die Stärkung und Ausweitung der bilateralen Freundschaft und Zusammenarbeit gewesen."

Die englischsprachige Tageszeitung CHINA DAILY aus Peking hob die Äußerungen Jiangs zur Taiwan-Frage hervor:

"... Präsident Jiang Zemin wiederholte (...), dass Taiwan ein
untrennbarer Teil Chinas sei. Er zeigte sich zuversichtlich, dass China das Ziel der Wiedervereinigung erreichen werde. Diese Äußerungen machte Jiang während seines Besuches des Schlosses Cecilienhof (in Potsdam), wo zwischen dem 17. Juli und 2. August 1945 die Verhandlungen zwischen der Sowjetunion, den USA und Großbritannien stattfanden. (...) Bei einem Mittagessen mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Stolpe betonte Jiang die Bedeutung der Potsdamer Konferenz für China."

  • Datum 14.04.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/25R9
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