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Europa

Internationale Presse zu Tony Blairs Wahlsieg

Premierminister Tony Blair hat die Parlamentswahl und damit eine dritte Amtszeit gewonnen. Allerdings wird das Regieren für Blair wohl erheblich schwerer, so das einhellige Medien-Echo.

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Die Pariser "Libération" äußert sich skeptisch zur dritten Amtszeit des britischen Premierministers:

"Blair wurde ohne Enthusiasmus wieder gewählt - er wird nun ein Premierminister auf Abruf bleiben und dabei vor allem, wie ein amerikanisches Show-Sternchen, dem neuen Labour-Star Gordon Brown den Saal anheizen. Mit dem Krieg im Irak hat er auf tragische Weise sein Paradies der Popularität verloren. Dabei waren die Jahre Blair die liberalsten in der Geschichte der britischen Gesellschaft."

Zum Sieg von Premierminister Blair schreibt die römische Zeitung "La Repubblica":

"Der politische Preis, den Tony Blair für seinen unbeliebten Krieg im Irak und die damit verbundenen Lügen - um diesen zu rechtfertigen - zahlt, erscheint nach den ersten Prognosen sehr hoch. Höher als erwartet. (...) Ein Verlust, der (...) ihm zwar in der nächsten Zukunft nicht verbieten wird zu regieren, aber der seine Position als Premierminister zerbrechlich macht. So zerbrechlich, dass dies die Möglichkeit, bis zum Ende der dritten Legislatur zu kommen, einschränken könnte."

Zu Blairs Wahlsieg schreibt der in Zürich erscheinende "Tages-Anzeiger":

"Ganz unbeschadet hat der zum dritten Mal gewählte Premierminister diesen letzten Urnengang allerdings nicht überstanden. Sein Wähleranteil ist laut ersten Hochrechnungen um einiges gefallen, seine Fraktionsstärke sogar drastisch geschrumpft. Ein gewisser Abnutzungseffekt, vor allem aber weit verbreiteter Unmut mit seiner Irak-Politik, hat offenkundig zu dem bescheideneren Ergebnis geführt. Mag sein, dass diese Einbußen nun Blairs eigenen Abgang beschleunigen werden. Fürs Erste aber hat Tony Blair, zusammen mit Schatzkanzler Gordon Brown, der Labour Party eine neue Amtszeit in Downing Street besorgt. (...) Statt für die Wende haben die Briten für weiteren Wandel gestimmt."

Die Online-Ausgabe des "Handelsblatt" schreibt:

"Das Ergebnis überrascht niemanden, allenfalls der knappe Vorsprung von Tony Blair gegenüber der Konkurrenz. Der britische Premierminister schafft zum dritten Mal nacheinander den Wahlsieg. (...) Allzu viel Freud dürfte beim Regierungschef nicht aufkommen. Der Verlust von dutzenden Sitzen zeigt: Sein Sieg war weniger ein Zeichen seiner Stärke, sondern der Schwäche der Konkurrenz."

Der Online-Ableger der "Financial Times Deutschland" kommentierte Blairs Wahlsieg folgendermaßen:

"Blair weiß, dass er sich den Sieg nicht, wie bei den letzten beiden Wahlen, persönlich auf die Fahne schreiben kann. Labour hat diesmal nicht wegen, sondern trotz Blair gewonnen. (...) Die einst großen Konservativen boten keine ernst zu nehmende Alternative. Die Liberaldemokraten wurden erneut durch das fragwürdige britische Mehrheitssystem benachteiligt. Aber der Verlust von rund 100 Abgeordneten wird die Politik in Blairs dritter Amtszeit dramatisch verändern."

Zum Ausgang der britischen Parlamentswahlen

schreibt die madrilenische Tageszeitung "El Mundo":

"Tony Blair wird in die Geschichte eingehen als erster Labour-Führer, der drei Mal in Folge die Wahlen gewonnen hat. Er nähert sich damit dem Rekord von Margaret Thatcher, die vier Mal gewann. Blair überzeugt nicht, aber er gewinnt. Er wurde im Wahlkampf von links und rechts angegriffen, die einen und die anderen haben ihm vorgeworfen, sein Land mittels der Täuschungen seiner Berater und des Geheimdienstes in den Irak-Krieg geführt zu haben. Die aggressive Kampagne der Rechten gegen Blair ist gescheitert, weil es sehr schwer war, die Wähler davon zu überzeugen, dass er für einen Krieg bestraft

werden musste, den der konservative Herausforderer Michael Howard als Erster unterstützt hat."

Die konservative Zeitung "The Daily Telegraph" aus London sagt zu diesem Thema:

"Es scheint sicher, dass sich Tony Blair früher in den Ruhestand verabschieden wird, als man gestern noch für möglich gehalten haben mag - und wesentlich früher, als er selbst geglaubt hat. Blair mag zum dritten Mal triumphieren, aber er hat die Zeitbombe, die neben ihm in Downing Street Nummer 11 tickt, nicht entschärfen können. Im Wahlkampf ist (Finanzminister) Gordon Brown mustergültig loyal gewesen, aber er hat in der Vergangenheit schon öfters durchblicken lassen, wie ungeduldig er ist. Man wird sich schwerlich darauf verlassen können, dass er noch viel länger auf das Erbe wartet, das er beansprucht."

Zum britischen Wahlergebnis schreibt die Londoner linksliberale Zeitung "The Guardian":

"Viele haben mit ihrem Stimmzettel klargemacht, dass sie Blairs Weigerung, in der Irakfrage auf die Nation zu hören, als Scheidungsgrund betrachten. Damit haben sie ihre Hauptziele wohl erreicht: Sie haben eine Gewissensentscheidung getroffen, sie haben die Labour-Mehrheit auf Normalmaß zurechtgestutzt, und sie haben -

aller Wahrscheinlichkeit nach - Blairs Abschied aus der Downing Street beschleunigt."

Die konservative schwedische Tageszeitung

"Svenska Dagbladet" aus Stockholm meint zu den

Unterhauswahlen in Großbritannien:

"Nur durch das Festhalten am Erbe von Margaret Thatcher hatte der britische Premierminister Tony Blair die Möglichkeit zu seiner historischen Leistung als erster Labour-Chef mit drei Wahlsiegen in Folge. (...) Aber Labour ging kräftig zurück, und Blair bekommt damit keine wirklich tatkräftige Regierung. Die Stimmengewinne für

die Liberalen geben Auskunft über die Ursachen: Gegner des Irakkrieges haben New Labour verlassen. (...) Mit dem kräftigen Schrumpfen seiner Partei könnte es für Blair schwer werden, sein Reformwerk zu vollenden, ehe er die Politik vor dem Abschluss der Legislaturperiode verlässt. Das unterstreicht den Bedarf einem Machtwechsel bei den kommenden Wahlen. Jetzt fallen nicht nur Erfolge auf, sondern auch die Ermüdung."

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