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Afrika

Internationale Militär-Übung: Gemeinsam gegen Terror in Westafrika

In Westafrika steigt die Angst vor Terror. Soldaten aus Afrika, Amerika und Europa trainieren gemeinsam, um Anschläge zu verhindern und im Ernstfall schnell und gut zusammenzuarbeiten. Das scheint dringend nötig.

Soldaten der malischen Armee bei einer Übung im Jahr 2014 (Foto: Peter Steffen/dpa)

Malische Soldaten bei einer Übung (Archivbild)

"Flintlock" - so heißt die Übung von afrikanischen, europäischen und nordamerikanischen Antiterroreinheiten. Seit zehn Jahren findet das Manöver jährlich statt. In diesem Jahr üben die Truppen vom 8. bis 29. Februar im Senegal und in Mauretanien, wie sie die Zivilbevölkerung am besten schützen können - mit deutscher Beteiligung.

Neben Deutschen sind Soldaten aus Algerien, Burkina Faso, Tschad, Mali, Mauretanien, Marokko, Niger, Nigeria, Senegal, Südafrika und Tunesien dabei. Von europäischer Seite machen Italien, Frankreich, die Niederlande, Spanien und Großbritannien mit. Auch Kanada ist bei "Flintlock" dabei - und die USA. Das für Afrika zuständige Kommando des US-Militärs, USAfricom, operiert seit 2008 von Stuttgart aus und leitet das internationale Manöver. 1700 Soldaten werden laut USAfricom insgesamt teilnehmen.

Gerade in Westafrika werde eine internationale Antiterror-Koalition immer wichtiger, betont Major Nathan Broshear von USAfricom im Hintergrundgespräch mit der DW. Der Terror in Afrika spitze sich dramatisch zu, vor allem seitens der islamistischen Boko-Haram-Miliz, aber auch seitens weiterer Terrorgruppen, die sich im Sahelgebiet festgesetzt haben, allen voran Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI).

Zusammenarbeit gegen den Terror funktioniert noch nicht

Es vergeht kaum eine Woche ohne einen Anschlag mit Todesopfern in der Region. Neben dem Norden Nigerias sind immer öfter auch die Nachbarländer Tschad, Niger und Kamerun betroffen. Auch die Hauptstädte von Mali und Burkina Faso hat der Terror erreicht: Die Geiselnahme im Radisson Blu Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako forderte vergangenen November mindestens 20 Tote. In Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou starben bei einem Anschlag auf das Splendid Hotel Anfang des Jahres 30 Menschen. Die Verantwortung für beide Anschläge übernahmen AQIM und die Terrorgruppe Al-Mourabitoun.

Soldaten aus Nigeria trainierenbei einer Flintlock-Übung im Jahr 2014 im Niger (Foto: Reuters)

Soldaten aus Nigeria bei einer "Flintlock"-Übung im Jahr 2014 im Niger

Der tschadische Brigadegeneral Zakaria Ngobongue hat im vergangenen Jahr an der Flintlock-Übung teilgenommen. Im Gespräch mit der DW sagt er, die dreiwöchigen Übungen seien nützlich. Die Terrorgruppen operierten über Grenzen hinweg und seien gut vernetzt. "Es kann nicht sein, dass die Sicherheitsbehörden in den verschiedenen Ländern der Region unkoordiniert agieren. Von einer echten internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror kann in Westafrika und im Sahelgebiet leider noch nicht die Rede sein."

Beobachter sehen die größte Gefahr darin, dass der Terror auf Länder überschwappt, die bisher noch nicht im Fokus der Terrororganisationen waren. So erging es kürzlich Burkina Faso. Der Senegal, wo Teile der diesjährigen "Flintlock"-Übung stattfinden, könnte bald folgen. Er sei eines der gefährdetsten Länder, sagt ein Dozent der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, der anonym bleiben will.

Greift der Terror auf den Senegal über?

Tatsächlich schätzen die Senegalesen die Sicherheitslage in ihrem Land sehr kritisch ein. Der Pressesprecher des Innenministeriums, Henry Cissé, sagt: "Es gibt eine Bedrohungslage, die alle Länder der Region und auch den Senegal betrifft. Wir können davor die Augen nicht verschließen." Die Gefahr von Anschlägen sei sehr groß und die Sicherheitskräfte versuchten mit den wenigen verfügbaren Mitteln darauf zu reagieren.

Polizeikontrollen in Senegals Hauptstadt Dakar im Januar 2016 (Foto: AFP/Getty Images)

Polizeikontrollen in Senegals Hauptstadt Dakar im Januar 2016

Deshalb begrüßt Cissé das "Flintlock"-Manöver. Die internationale Hilfe sei sehr willkommen - und ausbaufähig: "Bisher gab es nur ein paar Seminare zum Thema Terrorismusprävention mit Sicherheitsexperten aus verschiedenen Ländern der Region. Aber die Zusammenarbeit geht längst nicht weit genug", so Cissé. Gerade der Anschlag in Burkina Faso hat die senegalesischen Sicherheitsbehörden alarmiert: "Unsere Polizei hat die Sicherheitsmaßnahmen auf allen Ebenen verschärft", so Cissé.

Im Zuge einer großangelegten Polizeiaktion haben die senegalesischen Sicherheitskräfte kürzlich mehr als 500 Terrorverdächtige festgenommen. Die senegalesische Armee verstärkte ihre Präsenz an den Grenzen, vor allem zu Mali und Mauretanien. Angesichts konkreter Hinweise auf terroristische Aktivitäten im Senegal sprach sich Präsident Macky Sall sogar für die Wiedereinführung von Grenzkontrollen aus. Bisher konnten Bürger der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft in der Regel ohne Passkontrollen von einem Land ins andere reisen.

Hotels in Dakar sollen sich vor Anschlägen schützen

Der Senegal galt bislang als Insel des Friedens und der Stabilität in Westafrika sowie als Heimat einer relativ starken Wirtschaft und eines gemäßigten Islam. Aber das Land grenzt an Mali, Haupteinflussgebiet der AQIM-Terroristen. Als Standort mehrerer internationaler Organisationen, unter anderem der UNO, gilt Senegals Hauptstadt Dakar bei Sicherheitsexperten als besonders gefährdet. Die größten Hotels des Landes, vor allem diejenigen, in denen Ausländer unterkommen, wurden inzwischen angewiesen, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Senegalesischen Medien berichten von konkreten Hinweisen der Geheimdienste auf Anschlagspläne gegen die Botschaften Frankreichs und der Vereinigten Staaten. Die wurden allerdings offiziell zurückgewiesen.

Die wachsende Terrorgefahr in Westafrika eindämmen - dazu will auch Deutschland beitragen: vor allem durch Ausbildung und besseren Informationsaustausch, wie im Rahmen des "Flintlock"-Manövers. Was genau die Bundeswehr dabei tut und in welchem Umfang sie sich an "Flintlock" beteiligt, dazu wollte sich das Bundesverteidigungsministerium nicht äußern.

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