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Interjektionen

"Häh, was sind denn Interjektionen?" Kaum jemand kennt ihren Namen, aber alle benutzen sie – und das tagtäglich. Hineingeworfen in die Sprache sorgen sie für sehr viel Gefühl: Kurz, knapp und ausdrucksstark. "Aha."‎

Es gibt keinen Tag ohne sie. Mit "sie" meine ich Interjektionen – kaum jemandem ist bewusst, dass wir sie täglich gebrauchen. So richtig typisch sind sie im Gespräch mit familiärem Ton. Denn da geht es nicht um korrekten Ausdruck und Grammatik, sondern oft nur um Gefühle, und die spielen bei den Interjektionen eine große Rolle.

Halblang hingeworfen

Sie: Ach, du meine Güte!

Er: Genau. "Ach" ist eine Interjektion und genauso "du meine Güte", ein Einwurf, also kein inhaltlicher Begriff mit klarer Bedeutung in einem kompletten Satzgefüge, sondern … so wie einfach nur dahingeworfen.

Sie: Hingeworfen? Hey, jetzt mach aber ma' halblang!

Er: Sehr schön, da haben wir beides auf einmal: "hey" als Ausruf mit appellativem, also aufforderndem Charakter und "mach mal halblang" als umgangssprachliche Redewendung. Macht zusammen: Hallo, hör mir mal zu und übertreibe nicht so.

Sie: HÄH?

Er: Auch eine sehr gängige Interjektion. Mit "häh" fragt man auf recht schlichte Weise nach und drückt gleichzeitig Kritik aus: "Häh, wie heißt das, kannst du dich nicht klarer ausdrücken?", "Häh, wie kommt das, dass du nur halb so viel arbeitest wie ich, aber mehr verdienst?", "Häh, diese Rechnung ist vollkommener Unsinn, das kann nicht stimmen, mach sie noch mal neu!" Also alles in allem: eine kurze, aber ausdrucksstarke Silbe.

Mit Gefühl

Sie: Aha!

Er: Hier sind es dann zwei Silben: "A-ha", ein Ausruf, der zeigt, dass man etwas verstanden hat. Die genaue Bedeutung hängt allerdings– wie meistens bei Interjektionen – von der Betonung ab: "Aha, danke für den Hinweis, jetzt habe ich die Gebrauchsanweisung richtig verstanden!" oder triumphierend "Aha, Herr Angeklagter, Sie geben also zu, in jener Nacht am Tatort gewesen zu sein?"

Sie: Is' ja krass!

Er: Jetzt bewegen wir uns in einem Grenzbereich. "Krass" gilt eigentlich als Ausdruck der Jugendsprache, ein Ausdruck, der Anerkennung, Bewunderung und Erstaunen ausdrücken kann. Er ist im Grunde aber auch nichts anderes als eine Interjektion.

Sie: Interjektion klingt irgendwie nach Krankenhaus.

Er: Nein, nein, das wäre eine "Injektion". Also wenn man Ihnen jetzt zum Beispiel eine Spritze gäbe. Und dann könnten Sie mit einer Interjektion reagieren und "autsch", "auah" oder "au" sagen.

Übrigens gibt es für jedes Gefühl etwas: "heißa, hurra, jucheh" für die Freude, "bah, igitt, pfui" für den Ekel und eben "autsch, auah und au" für den Schmerz.

Korrekt klingt nicht

Sie: Donnerwetter! Was es nich' alles gibt.

Er: Das mit dem "Donnerwetter" stände dann für die Verwunderung, allerdings fast immer ohne Blitz. Früher sagte man auch noch "Donnerlittchen", das wirkt heute aber etwas altertümlich.

Sie: Boah, he, hast du sonst noch was auf Lager?

Er: Durchaus. "Boah" ist sozusagen der Prototyp einer Interjektion, der Überraschung und gleichzeitig eine gewisse Bewunderung ausdrückt. Mit "he", "hallo" oder "hör mal" haben wir dann wieder die direkte Ansprache mit aufforderndem Ton. "Etwas auf Lager haben" ist allerdings wieder eine klassische Redewendung und keine Interjektion. Würde man das Ganze nun in Hochsprache übersetzen, hieße "Boah, he, hast du sonst noch was auf Lager?" ungefähr "Das ist ja beeindruckend, nun würde es mich aber sehr interessieren, was Sie sonst noch wissen?". Das klingt natürlich etwas geziert und würde durch das allzu Korrekte den Sinn des Satzes auch entstellen.

Laut Malen

Sie: Aha, und was haste jetzt also noch auf Lager?

Er: Zum Beispiel die Lautmalereien: Da machte es "plumps" und das Kind war in den Bach gefallen, "klatsch" und das ganze Mittagessen landete auf dem Boden oder "peng", da war der Luftballon geplatzt. "Hatschi" gehört übrigens auch dazu.

Sie: Gesundheit!

Er: Danke! Die Lautmalereien haben sogar zu eigenen Substantiven geführt: Mit einem großen "Holterdipolter" ist Franz die Treppe hinuntergefallen. Aber zum Glück kam schon wenige Minuten später der Notfallwagen mit lautem "Tatütata" angebraust.

Sie: Und ich mach jetzt ma', husch-husch, dass ich davonkomme, Alter. Sonst macht nämlich mein Freund ein riesiges Trara, wenn ich zu spät zu unserer Verabredung komme. Wir wollen nämlich ins Kino und danach ganz lecker Essen gehen. Hmm, da freue ich mich jetzt schon drauf.

Er: Dabei wollte ich Ihnen doch noch von der Comic-Sprache erzählen. Die lebt nämlich von den Interjektionen: "Gähn", "seufz", "hechel", "lechz". Und das Chatten im Internet auch: "Lächel", "freu". Also eigentlich gibt es sie überall …!

Sie: Die Interjektionen. Ich weiß. Also, tschüs dann, machen Sie's gut.

Er: Stimmt, das hatte ich noch vergessen. Grußwörter zählen ja auch dazu: "tschau", "servus" und eben auch "tschüs".

Sie: Sag ich doch!

Er: Ach ja.

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