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Kultur

Interieur-Design mit Bommeln

Vom Winteraccessoire zum Kunstobjekt - die Berliner Designerin Myra Klose fertigt Möbel, Teppiche und Tiere aus wolligen Bommeln. Das extravagante Wohndesign hat aber auch seinen Preis.

Er hat ein so dichtes, weiches Fell, dass man sich am liebsten direkt an ihn schmiegen würde: der Schneeleopard. In der freien Wildbahn sollte man mit diesen Raubkatzen besser nicht kuscheln. Mit dem Schneeleopard von Myra Klose ist das Schmusen aber ungefährlich, denn er besteht nicht aus Fleisch, Blut und Haaren, sondern - aus Bommeln! Normalerweise wippen Bommeln eher auf Wintermützen, bei Designerin Klose haben sie das ganze Jahr Konjunktur. Sie macht daraus flauschig weiche Stühle, Teppiche und eben Tiere. Neben dem Schneeleoparden hat sie auch einen Bären und einen pinkfarbenen Pudel angefertigt. Ihr aktuelles Langzeitprojekt: ein Tiger.

Eigentlich hat die 44-Jährige Modedesign in Trier und Madrid studiert und jahrelang in der Modeszene gearbeitet. Aber irgendwann wollte sie ihrer zweiten Leidenschaft nachgehen: dem Interior Design. "Es gab damals schon eine Fusion von Möbeln und Mode, eingestrickte Stühle zum Beispiel", erzählt sie. "Aber über das Bommeldesign bin ich eher nebenbei gestolpert. Ich habe Bommeln gemacht und zusammengestellt und kam dann auf die Idee, daraus mein erstes Stück zu machen." Das war 2010. Ein Jahr später präsentierte sie die ersten Modelle auf der Designmesse Qubique: Poufs, das erste Tierfell, ein paar Teppiche.

High Heels verboten!

Bommeldesign Label MYK Myra Klose, (Foto: DW/Susanne Dickel)

Designerin Myra Klose aus Berlin

Die Teppich-Objekte nennt Klose lieber Inseln. Damit will sie klar machen: "Man kann sich schon daran kuscheln, aber es sind keine einfachen Vorleger. Da darf man nicht mit High Heels oder Stiefeln drüber trampeln." Und auch die Stühle und Hocker sind eher Kunstobjekte als Nutzgegenstände. Deshalb steht in den Pflegeanweisungen: Katzen und High Heels verboten. Sonst sind die akkurat getrimmten Bälle schnell zerzaust.

Alle Stücke sind handgearbeitete Unikate: Jede Bommel wird aus feinster Merino-Wolle gewickelt und einzeln an die Unterlage geknüpft. Allein in dem Schneeleopard stecken über 500 Pompons, in einem Stuhl etwa halb so viel. Inzwischen beschäftigt die junge Designerin in ihrem Kreuzberger Atelier ein kleines Team. Hauptsächlich türkische Frauen, was nicht beabsichtigt war. Aber die handwerklich versierten Türkinnen kommen mit dieser Arbeit besser zurecht als viele Deutsche. "Die bekommen die Handarbeit in die Wiege gelegt, sie sind unglaublich geschickt", schwärmt Klose. Die Arbeit ist komplizierter, als es im ersten Augenblick erscheint: Nur zwei ihrer Mitarbeiterinnen schaffen es, die Wolle so aufzuwickeln, dass am Ende Blumen auf den Pompons aufblühen.

Ihre Kunden: international

Ein pinkfarbener Pudel aus Bommeln und Leder von MYK (Foto: MYK)

Einer ist echt, einer aus Bommeln

Die flauschigen Bälle mit einer festen Unterlage zu verbinden, war auch nicht ganz einfach. Die Technik dazu hält die Berliner Designerin geheim. Bis jetzt ist sie mit ihrem Label MYK die einzige, die Gegenstände aus Bommeln herstellen kann. Ein Hersteller aus China hat schon versucht, sie zu kopieren, gelungen ist es ihm nicht. Die meisten ihrer Kunden kommen aus dem Ausland. Aus Hong-Kong oder London, vor allem aber aus den USA. "Die haben nicht nur das Geld dafür, sondern auch die Bereitschaft, es für Inneneinrichtung auszugeben. Deutsche geben ihr Geld lieber für Autos aus", stellt Klose fest. Tatsächlich reagieren manche geschockt auf ihre Preise: Schon ein Pouf kostet fast 4.000 Euro. Ihr teuerstes Stück, das Bärenfell, kostet sogar fast vier Mal so viel: 14.000 Euro.

Inspiration für ihre Objekte findet Klose überall. Die Idee zu dem Pudel kam ihr bei einer Modenschau: "Da lief das Model zusammen mit einem pinkfarbenen Pudel über den Laufsteg." Den hat sie dann mit Bommeln nachgemacht. Ihre Lieblingstiere kann sie aber nicht in Pompon-Design übersetzen: Hirschkäfer. "Ich liebe Insekten. Ich liebe ihre Feinheit. Und Hirschkäfer fand ich schon als Kind faszinierend, weil die ein Geweih haben." Für ihre Arbeit aber eignen sich Tiere mit Fell besser. Immerhin kann sie damit sogar noch etwas Gutes für die Tiere tun: Wer einen Schneeleoparden aus Pompons hat, legt sich kein echtes Fell vor den Kamin.

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