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Kultur

Intendantin fürchtet islamistische Angriffe

Sie habe sich für Leib und Leben ihrer Mitarbeiter entschieden, so die Begründung der Intendantin der Deutschen Oper in Berlin. Sie hatte die "Idomeneo"-Oper aus Angst vor islamischen Angriffen abgesetzt.

Mozarts Idomeneo als Stein des Anstoßes

Mozarts "Idomeneo" als Stein des Anstoßes

Die Intendantin der Deutschen Oper in Berlin, Kirsten Harms, hat ihre Entscheidung, die Mozart-Oper "Idomeneo" aus Angst vor islamistischer Anfeindung vorerst aus dem Spielplan zu nehmen, verteidigt. Sie sei von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im August über einen anonymen Hinweis informiert worden. Daraus habe sich ein Sicherheitsrisiko von unkalkulierbarem Ausgang im Falle der Aufführung ergeben. Deshalb habe sie sich als allein für den Spielplan Verantwortliche für Leib und Leben ihrer Mitarbeiter entschieden, sagte Harms am Dienstag (26.9.) auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Regisseur Hans Neuenfels versteht die Aufregung nicht

Regisseur Hans Neuenfels versteht die Aufregung nicht

Die Deutsche Oper in Berlin hatte die für November geplante Wiederaufnahme der seit fast drei Jahren laufenden Oper "Idomeneo" von Wolfgang Amadeus Mozart am Montag aus dem Spielplan genommen.

Unpolitisches politisiert

"Idomeneo, Re di Creta", zu deutsch "Idomeneo, König von Kreta", ist die erste der sieben letzten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Werk hat einen antiken Stoff zum Inhalt: König Idomeneo wird nach seiner Heimkehr vom trojanischen Krieg gezwungen, seinen Sohn zu opfern, "Happy End" inklusive, weil im Barock und zu Mozarts Zeit praktisch ein Muss für das Musiktheater. Politik oder gar Ansichten über Religionen spielten in Opern der Mozart-Zeit, also bis etwa 1800, eine eher untergeordnete Rolle.

Die Inszenierung von Regisseur Hans Neuenfels an der Berliner Oper hingegen zeichnet ein sehr drastisches Bild der großen Weltreligionen - darunter auch des Islam: In der Schlussszene zeigt Neuenfels abgeschlagene Köpfe von Neptun, Jesus, Mohammed und Buddha. Diese waren als "unkalkulierbares Sicherheitsrisiko" einschätzt worden.

Keine konkreten Drohungen

Idomeneo: Ähnliche Folgen wie beim Karikaturenstreit?

Idomeneo: Ähnliche Folgen wie beim Karikaturenstreit?

Nach Angaben des Landeskriminalamtes gab es keine konkreten Drohungen. Dennoch zeigte der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch Verständnis für die Entscheidung der Intendantin und verwies auf die Erfahrungen mit dem Karikaturenstreit.

Der Regisseur Hans Neuenfels bezeichnete die Entscheidung der Intendantin als "vorauseilenden Gehorsam und Hysterie". Es habe bislang weder konkrete Terrordrohungen noch Kritik von Seiten islamischer Organisationen an der Inszenierung gegeben, sagte er am Montagabend im Radiosender NDR Kultur. Er betonte, mit seiner Arbeit nicht den Islam, sondern Idomeneos individuelle Sicht auf "jede Form von Religionsstiftung und -stifter" kritisieren zu wollen.

Harte Kritik

Auch im politischen Berlin hat die Entscheidung für Empörung gesorgt. "Das ist inakzeptabel", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und nannte die Entscheidung "verrückt". Vor einem "Kniefall vor Terroristen" warnte Wolfgang Börnsen, Kulturexperte der Unionsfraktion im Bundestag und Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte: "Wenn die Sorge vor möglichen Protesten schon zur Selbstzensur führt, dann gerät die demokratische Kultur der freien Rede in Gefahr."

Angst vor islamistischen Übergriffen: Intendantin Kirsten Harms

Angst vor islamistischen Übergriffen: Intendantin Kirsten Harms

Der Vorsitzende des Islamrats in Deutschland, Ali Kizilkaya, begrüßte dagegen die Absetzung, weil die Inszenierung die Gefühle der Muslime verletze. Nichtsdestotrotz sei es schrecklich, dass man Angst haben müsse, sagte er in einem Interview.

Ein neuer Karikaturenstreit?

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, erklärte dagegen, er könne zwar nachvollziehen, dass ein abgeschlagener Kopf des Propheten die Gefühle frommer Muslime verletzen könnte. "Ich empfehle aber allen Muslimen, bestimmte Sachen zu akzeptieren", sagte er. Es handele sich um Kunst und nicht um die Stellungnahme eines Politikers: "Kunst muss frei sein."

Allerdings halte er es für denkbar, dass der aktuelle Fall ähnliche internationale Auswirkungen wie der Streit um die Karikaturen haben könnte. "Wenn die Oper gezeigt worden wäre, hätte das durchaus passieren können. Aber man darf diesem Druck nicht nachgeben", forderte er. (ina)

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