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Wissen & Umwelt

Intelligente Sensoren

In der Medizintechnik gibt es derzeit einen klaren Trend: Kleine Sensoren, die Daten über den Zustand des Patienten sammeln und im Notfall Alarm schlagen. Auch auf der weltgrößten Medizinmesse MEDICA war das ein Thema.

Ein Sensor misst Herschlag und Herzfrequenz (Foto: Rene Tillmann)

Intelligente Sensoren werden am Körper des Patienten oder in der Wohnung von alten oder kranken Menschen angebracht und übermitteln im Notfall Daten über den Gesundheitszustand an einen Rettungsdienst oder den behandelnden Arzt. Wie so etwas funktionieren könnte, stellte die Firma movisens GmbH vergangene Woche in Düsseldorf vor: Ein Sensor, der an der Brust getragen wird, misst, wie schnell das Herz schlägt, wie variabel die Herzrate ist und wie stark sich der Träger bewegt.

Smartphone fragt nach dem Befinden

Ambulanter EKG-Sensor von movisens und Smartphone (Foto: Messe Düsseldorf)

Smartphone und EKG-Sensor: per Funk verbunden

Über die Funktechnologie BlueTooth werden die Daten an ein Smartphone weitergeleitet. Wenn die Werte verdächtig sind, meldet sich das Handy beim Patienten und fragt was los ist, erklärt Geschäftsführer Jörg Ottenbacher: "Zum Beispiel, wie gestresst sind Sie? Welche Aufgabe müssen Sie gerade erledigen? Haben Sie viele Termine? Das Handy fragt genau dann, wenn die physiologischen Werte darauf hinweisen, dass es wichtig wäre, solche Fragen zu stellen."

Die gemessenen Werte und Antworten könnten vom Arzt live beobachtet werden. Der bräuchte dann keine Papierfragebögen mehr durchzugehen und wäre viel schneller in der Lage, zu reagieren. Im Moment richtet sich das System aber noch nicht an Ärzte, sondern an Forscher, zum Beispiel an Psychologen, Sport- oder Ernährungswissenschaftler. Doch auch bei der Beobachtung von älteren und kreislaufschwachen Menschen helfen solche Allround–Sensoren.

Sensor-Fußboden registriert Stürze

DW-Reporter Jan Bruck im Gespräch mit Jörg Ottenbacher von der movisens GmbH (Foto: DW)

DW-Reporter Jan Bruck (rechts) und Sensorentwickler Jörg Ottenbacher

Dabei müssen sie nicht unbedingt am Körper angebracht, sondern können auch in den Fußboden eingesetzt werden. "Ein wichtiges Einsatzszenario dieses 'Sense Floors' ist der Sturz eines Patienten in der Wohnung", sagt Roland Görlitz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). "Viele ältere Menschen haben einen Notrufsensor, tragen ihn aber nicht immer bei sich. Die Sensor-Matte kann Stürze erkennen und automatisch einen Notruf auslösen, ohne dass der Bewohner das machen muss."

Am KIT beschäftigt man sich nicht nur mit intelligenten Fußböden, sondern auch mit Jacken, die merken, wann dem Träger zu heiß ist. Polizisten und Sicherheitskräfte müssen beispielsweise oft bei hohen Temperaturen dicke Schutzkleidung tragen, in extremen Fällen kommt es zum Hitzschlag. Um das zu verhindern, hat Professor Wilhelm Stork eine Klimajacke entwickelt, die aus einem Sensor, einem Batteriepack und einem Ventilator besteht. "Der Ventilator saugt aus dem Inneren der Jacke Luft an und leitet gleichzeitig frische Luft quer über die Körperoberfläche. Dort nimmt sie Feuchtigkeit auf und befördert sie nach außen."

Klimaanlage zum Anziehen

Klimajacke mit Ventilatoren des Karlsruher Instituts für Technologie (Foto: DW)

Klimajacke mit eingebautem Sensor

Einen Liter Wasser schwitzt ein Mensch pro Tag aus, um seine Körperwärme zu regulieren. Damit die Feuchtigkeit auch tatsächlich verdunstet, sind rund 40.000 Liter Luft nötig. Je wärmer es ist, desto höher der Bedarf. Die Klimajacke beschleunigt die Luftbewegung und verbessert dadurch den Kühlungsprozess. Ende nächsten Jahres soll sie auf den Markt kommen. Ihr Energieverbrauch beträgt ungefähr 0,1 Prozent einer normalen Klimaanlage. So sorgt sie nicht nur für einen kühlen Kopf, sondern spart auch noch Strom.

Autor: Jan Bruck
Redaktion: Judith Hartl

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