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Asien

Integriert? Chinesische Studenten in Australien

Jeder fünfte Student in Australien kommt aus dem Ausland - die meisten aus China. Doch sie sind erschreckend wenig integriert.

Drei chinesische STudenten sitzen am Tisch(Foto: Elke Rottenkolber)

Chinesische Studenten - viele machen ihr gesamtes Studium in Australien und lernen dabei kaum Australier kennen.

Jackie Lin sitzt zusammen mit einem Freund am Ende eines langen Tisches im Computerraum der Universität Adelaide. Es ist Prüfungszeit. Der Raum ist voll, überall sitzen asiatische Studenten in kleinen Grüppchen und diskutieren mit gedämpften Stimmen. Die meisten von ihnen kommen wie Jackie aus China. Jackie studiert Medienkommunikation.

Ziel: sich von der Masse abheben

Chinese steht vor Globus und zeigt auf CHina (Foto: Elke Rottenkolber)

Jackie Lin erhofft sich von einem australischen Uni-Abschluss einen Karrierevorteil in seiner Heimat

Von seinem Studium in Australien erhofft er sich bessere Berufschancen in seinem Heimatland, denn die Konkurrenz der Kommilitonen in China ist groß. "Zu viele junge Leute absolvieren heute ein Studium in China", erzählt Jackie. Für bessere Karrierechancen nehmen die chinesischen Studenten so einiges in Kauf, denn das Studium in Australien ist für Chinesen wie Jackie nicht gerade einfach. "Jeder Student hat seine eigene Geschichte. Der eine hat finanzielle Probleme, der andere soziale. Es sind viele chinesische Studenten hier und sie sind alle gestresst. Die meisten aus finanziellen Gründen, glaube ich."

Stressfaktor Studiengebühren

Ein Bachelor-Studium in Australien kostet rund 20.000 australische Dollar pro Jahr - also rund 12.000 Euro. Im Vergleich zu den USA und Großbritannien ist das noch günstig. Neben der Finanzierung des Studiums bereitet den chinesischen Studenten auch die Integration Schwierigkeiten. Ein Blick in den Computerraum spricht Bände. An kaum einem der Tische scheinen sich die Nationalitäten zu vermischen. Das läge vor allem an der Einstellung der Australier, so Mobo Gao, Professor für China-Studien an der Universität Adelaide. Englische Muttersprachler würden es häufig als selbstverständlich betrachten, dass alle Welt ihre Sprache spreche. Die Australier würden sich eben keine große Mühe mit den internationalen Studenten geben, vor allem nicht mit den asiatischen Studenten.

Alarmierende Grüppchenbildung auf beiden Seiten

Gruppe chinesischer Studenten an einem Schreibtisch (Foto: Elke Rottenkolber)

Meist bleiben sie unter sich -"international students" aus China

Aber auch die chinesischen Studenten müssten ihr Verhalten ändern, meint Mobo Gao. Vor allem sollten sie versuchen nicht in Gruppen zu bleiben und mit australischen Studenten zusammen zu wohnen. Auch der Erziehungswissenschaftler Gavin Sanderson von der südaustralischen Universität findet den Zustand alarmierend. Viele internationalen Studenten würden drei bis vier Jahre in Australien leben und dabei kaum Kontakt zu Australiern haben. Hauptgrund hierfür, so Sanderson, sei die Sprachbarriere. Die könnten aber wiederum nur durch mehr Integration behoben werden.

Mehr Engagement von Seiten der Universitäten

"Die Unis müssten aktiver werden im Umgang mit den chinesischen Studenten", fordert Professor Mobo Gao. Viele Chinesen seien bei ihrer Ankunft in Australien überfordert. Sie seien es nicht gewohnt sich selbstständig um eine Wohnung oder einen Job zu kümmern. Deshalb müssten die Universitäten sie mehr unterstützen und ihnen gerade zu Beginn ihrer Studienzeit praktische Hilfe für den Alltag geben. Falls es nicht gelingen sollte, die chinesischen Studenten besser in die Gesellschaft zu integrieren, könne es zu ernsten Konflikten kommen, so Mobo Gao. Er erinnert an die "White Australia policy" im 20. Jahrhundert, die nur weiße Einwanderer willkommen hieß und vor allem die Einwanderung von Asiaten einschränkte. Der Geist dieser "weissen Politik" könnte seiner Meinung nach jeder Zeit wieder aufflammen.

Autorin: Elke Rottenkolber

Redaktion: Miriam Klaussner