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Deutschlehrer-Info

Integrationskurs für Flüchtlinge – aber nicht für alle

Zahlreiche Asylsuchende dürfen keine Integrationskurse besuchen. Andere werden ab 2017 von den Jobcentern zur Teilnahme an einem Kurs verpflichtet. Wenn sie keinen Platz bekommen, kann das negative Folgen haben.

Seit über einem Jahr ist Ahmad Rahmani (Name geändert) in Deutschland. Mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn ist er aus Afghanistan geflohen. „Ich habe noch keinen Deutschkurs", sagt er. Weil sein Asylverfahren noch läuft, darf er die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flucht (BAMF) nicht besuchen. Mittlerweile spreche sein Sohn, der in die Schule geht, besser Deutsch als er, erzählt Rahmani. Zurzeit besucht er in Hamburg zweimal in der Woche einen ehrenamtlich geleiteten Deutschkurs, der allen Flüchtlingen offensteht.

Integrationskurse dürfen Menschen besuchen, die dauerhaft in Deutschland leben – als anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis zum Beispiel. Eine Ausnahme sind Asylsuchende aus Herkunftsländern mit so genannter „guter Bleibeperspektive": Seit Oktober 2015 dürfen sie an einem Integrationskurs teilnehmen, auch wenn ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Diese Regelung betrifft die Länder Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Somalia.

Keinen Zugang zu Integrationskursen haben zum Beispiel Menschen aus Afghanistan oder Nigeria, deren Asylantrag noch läuft. Der Grund dafür ist die Anerkennungsquote. Im Fall von Afghanistan liegt sie zum Beispiel bei knapp unter 50 Prozent. Im Vergleich dazu ist die Anerkennungsquote von Flüchtlingen aus dem Iran etwas höher als 50 Prozent. Pro Asyl kritisiert diese Kategorisierung von Flüchtlingen: Die langen Wartezeiten seien „integrationshemmend".

Asylsuchende mit „guter Bleibeperspektive" werden ab Januar 2017 sogar zur Teilnahme am Integrationskurs verpflichtet, wenn sie unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen und das zuständige Jobcenter oder die Ausländerbehörde sie zur Teilnahme auffordert. Andernfalls drohen ihnen Leistungskürzungen. Um einen Kurs zu finden, haben sie nur noch einen und nicht wie bisher zwei Monate Zeit. Aber das ist zurzeit nicht einfach. Zwar hat sich die Angebotskapazität wegen der stark gestiegenen Teilnehmerzahlen seit 2015 erhöht. Im September 2016 gab es 70 Prozent mehr Kurse als im Vorjahr. Trotzdem müssen viele Menschen immer noch auf einen Platz warten.

Um eine bessere Verteilung der Plätze zu ermöglichen, sind die Träger der Kurse nun verpflichtet ihre Kurstermine und Platzkapazitäten in das System Kursnet der Bundesagentur für Arbeit einzugeben. Und sie sollen innerhalb von sechs Wochen und nicht wie bisher binnen drei Monaten nach Anmeldung eines Teilnehmers dessen Kursbeginn sicherstellen. Doch all das hilft Flüchtlingen wie Ahmad Rahmani nicht. Er muss sich weiter gedulden. Für ihn gilt: erst Asylverfahren beenden, dann Kursbeginn.


sts/ip (mit epd)

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