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Kultur

Integrationshürde Hautfarbe

Afrikanische Migranten haben in Deutschland oft mit Vorurteilen, Ablehnung und Misstrauen zu kämpfen. Als Schwarze bleiben sie oft Fremde in der neuen Heimat.

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Immer ein bisschen anders?

Mit den Worten "afrikanische Migranten" assoziieren auch die Deutschen überfüllte Boote, die versuchen, Europas Küsten zu erreichen. Von den Afrikanern, die es bis nach Deutschland schaffen, ist weit weniger bekannt. Um das zu ändern, haben drei Hamburger Wissenschaftler den Alltag afrikanischer Migranten erforscht und ihre Erkenntnisse in "Wurzeln in zwei Welten, Westafrikanische Migranten und Migrantinnen in Hamburg" veröffentlicht. Ihre zentrale Frage lautete, inwieweit sich westafrikanische Migranten in einer deutschen Großstadt wie Hamburg etablieren können. Wie funktioniert Integration in einem Klima, das nicht nur durch kaltes Wetter, sondern auch durch weit verbreitete gesellschaftliche Kälte im Umgang mit afrikanischen Migranten geprägt ist?

Unwissenheit mit schlimmen Konsequenzen

Die meisten Deutschen wissen wenig über Afrika, seine Geschichte und seine Kultur. Das Bild des Kontinents bleibt geprägt von Armut und Katastrophen, kritisiert Joseph McIntyre, Dozent für Afrikanistik am Hamburger Asien und Afrika Institut. Die Geschichte Afrikas beschränke sich aus Sicht der meisten Deutschen immer noch auf Kolonialismus und Sklaverei.

Beschlagnahmte Drogen

Schwarze stehen in Deutschland oft unter Generalverdacht, wenn es um Drogenhandel geht

Diese Unwissenheit hat direkte Konsequenzen: So stehen, wenn es um Drogenhandel geht, bei der Hamburger Polizei alle Schwarzen unter Generalverdacht. Tatsächlich sind aber nur fünf Prozent von ihnen im Drogengeschäft. Auch bei der Arbeitssuche haben Afrikaner schlechte Karten. Selbst mit guter Ausbildung sind sie meist gezwungen, schlechter bezahlte Jobs als Küchengehilfe oder Reinigungskraft anzunehmen. Doch sie sind froh über jede feste Arbeit, denn nur so können sie ein wenig Geld zurückzulegen, um es in die Heimat zu schicken. Schließlich mussten die meisten weniger aus politischen als aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlassen, hat McIntyre herausgefunden. "Man muss da ein bisschen differenziert gucken (…), wenn man Armut sagt, ist das nicht falsch, doch Perspektivlosigkeit spielt eine große Rolle", schränkt McIntyre die Gründe der Einwanderung ein wenig ein. Ziel ist es daher nicht nur, der Familie das Überleben zu sichern, sondern auch sich selbst eine Perspektive im Heimatland zu schaffen. Nur wer sich zuhause eine Existenz aufgebaut hat, denkt an Rückkehr.

Ablehnung und Isolation statt Integration

Viele bleiben aber auch in Deutschland und versuchen, sich dort zu integrieren. Dass sie dabei meist Fremde bleiben, liegt offenbar vor allem an der Hautfarbe: Sie können noch so gut deutsch sprechen, sie bleiben doch immer Schwarze. Diese Erfahrung beschreibt auch Ahmed Samake aus Nigeria. Obwohl er seit vier Jahren in Hamburg studiert, kann er noch nicht von Integration sprechen: "Ich habe keine deutschen Freunde mit denen ich mich als Deutscher unterhalten kann." In der Regel säße er nur zuhause vor dem Fernseher oder träfe sich mit anderen Ausländern. Einzig in der Familie seiner deutschen Frau fühlt er sich akzeptiert. Doch sonst erleichtert die Ehe mit einer Deutschen die Integration nicht unbedingt. Den deutsch-afrikanischen Ehe-Paaren schlägt oft Misstrauen entgegen und sie müssen sich immer wieder von den Behörden den Vorwurf der Scheinehe anhören.

Auf die ständige Ablehnung reagiert Ahmed Samake enttäuscht und verbittert und sucht Zuflucht in der Gemeinschaft anderer Migranten. Nicht nur die geteilte Erfahrung von Ablehnung und Isolation verbindet ihn mit Migranten verschiedenster Herkunft, sondern auch die gemeinsame Religion. Egal ob Afrikaner oder Araber, beim Freitagsgebet in der Moschee sind sie alle gleich. Auch wenn die Moschee oft nur ein kleiner Kellerraum ist: Sie erscheint wie ein Stück Heimat in einem Land, das ihnen fremd geblieben ist.

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