1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Integrationsbereitschaft sinkt

Anfeindungen, Pöbeleien, verbale Attacken: Nach den Terroranschlägen in New York fühlen sich Türken in Deutschland diskriminiert. Nach einer Studie schlägt sich die schlechte Stimmung auf die Integration nieder.

default

Türken in Deutschland: Immer noch Fremde?

Nach der Studie des Zentrums für Türkeistudien über die "Lage der türkischen Migranten in Nordrhein-Westfalen" hat sich das Zusammenleben zwischen Türken und Deutschen verschlechtert. "Sehr viele Migranten mit muslimischem Hintergrund werden von Deutschen als Extremisten bezeichnet und werden angepöbelt oder auch verbal angegriffen", erklärt Faruk Sen, Direktor des Zentrums für Türkeistudien in Essen. Jeder zwölfte der 1000 Befragten berichtet von Anfeindungen durch Deutsche. Hochgerechnet auf die zur Zeit 2,4 Millionen in Deutschland lebenden Türken sind das 29.000 Fälle.

Seit 1999 untersucht das Zentrum für Türkeistudien jedes Jahr die Integrationsbereitschaft der Türken in Nordrhein Westfalen. Die Ergebnisse der Vorjahre machten eines deutlich: Türkische Zuwanderer haben generell einen höheren Grad an Integrationsbereitschaft, als in der Öffentlichkeit angenommen. Doch dieses Mal hat sich das Blatt gewendet. Pöbeleien und Anfeindungen auf der Straße oder am Arbeitsplatz haben offenbar auch Auswirkungen auf die Integrationsbereitschaft. Nach den Ergebnissen der neuen Studie ist der Integrationswille bei türkischen Migranten leicht zurückgegangen. "Dies ist mit den Ereignissen vom 11. September zu erklären, die das Zusammenleben zwischen den muslimischen Migranten und der deutschen Mehrheitsgesellschaft erschwert hat", meint Faruk Sen. Parallel dazu wollten sich im Untersuchungszeitraum weniger Türken einbürgern lassen und somit die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Der Einbürgerungswille ging um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen. Nach der Studie geben Türken mehr Geld für neue Häuser oder Grundstücke in Deutschland aus. Dies sei ein positives Zeichen im Hinblick auf die Bereitschaft, sich in Deutschland niederzulassen und sich zu integrieren.

Deutsch besser als die Muttersprache

Türken bei einem Picknick mit Grill im Tiergarten, Berlin

Als die türkischen Migranten vor über 40 Jahren nach Deutschland kamen, ahnten sie nicht, dass sie Jahre später ihren Lebensmittelpunkt immer noch im Gastland haben würden. Viele wollten nach ein paar Jahren wieder zurück in die Türkei. Doch statt dessen kamen ihre Familien nach. Mittlerweile sind viele der Kinder in der zweiten und dritten Generation in Deutschland geboren und aufgewachsen. Viele von ihnen beherrschen die deutsche Sprache besser als ihre Muttersprache. Im Vergleich zu ihren deutschen Schulfreunden und Spielkameraden ist dies jedoch bei vielen nicht ausreichend.

Die aktuelle Studie lässt in diesem Punkt allerdings hoffen. In den drei Untersuchungen seit 1999 "verschlechterten sich die Sprachkenntnisse. Aber bei der letzten Untersuchung in diesem Jahr war eine leichte Besserung festzustellen", erklärt Faruk Sen.

Verbesserte Schulsituation

Besorgt sind Experten häufig über die Bildungssituation der türkischen Kinder und Jugendlichen. Nach Angaben von Faruk Sen sind Zuwanderer inzwischen besser ausgebildet als früher und machen häufiger beruflich Karriere. Ein Viertel der 18- bis 29-jährigen Türken (26 Prozent) hat Abitur, knapp jeder fünfte türkische Jugendliche (19 Prozent) einen Realschulabschluss. Nur noch zehn Prozent der 18- bis 29-jährigen Türken sind ohne Schulabschluss. Damit habe sich der Bildungsstandard der jüngeren Gruppe im Vergleich zu den vorherigen Untersuchungen verbessert. Allerdings "stellen wir fest, dass die jungen Türken sich mehr und mehr abkapseln und ihre eigene Infrastruktur in Anspruch nehmen", erklärt Faruk Sen. Indikatoren dafür sind verstärkte Nutzung eigener Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender. Ihre Freizeit verbringen sie häufiger unter sich, in eigenen Jugendzentren und Diskotheken.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links