1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Integration der arabischen Sunniten entscheidend für Zukunft des Irak

Die Zeit der Übergangsregierungen soll vorbei sein, die Iraker haben erstmals über ein reguläres Parlament abgestimmt. Rückt damit der Frieden im Land näher? Nahost-Experte Ferhad Ibrahim antwortet in einem Gastbeitrag.

default

Die Frage der Legitimation des politischen Systems im Irak wird nicht mehr gestellt. Kein vernünftiger Mensch wird die Schritte, die seit 2003 gegangen worden sind, als illegitim betrachten. Das liegt vor allem daran, dass es keine Alternative zur neuen Ordnung gibt. Dies ist letztendlich auch das Motiv der arabischen Staaten, vertreten durch die Arabische Liga, die neue Ordnung im Zweistromland im vergangenen Oktober anzuerkennen.

Ihr Vorhaben alle Iraker an den Verhandlungstisch zu bringen, fand ein großes Echo in Bagdad. Der "nationale Dialog“, der auch den "legitimen Widerstand“ einschließen soll, soll nach den Wahlen fortgesetzt werden. Lediglich die Gruppe El-Kaida in Mesopotamien, also jene Gruppe, die von dem Jordanier Abu al-Masab al-Zarqawi angeführt wird, wird ausgeschlossen. Al-Zarqawi, der seinen Heiligen Krieg regionalisieren will, denkt sowieso nicht daran, mit den "Ungläubigen“ und "Abtrünnigen“ und deren amerikanischen Freunden Verhandlungen zu führen.

Sehnsucht nach Sicherheit

Was werden die Wahlen nun für die Iraker bringen? Sie erhoffen sich vor allem Sicherheit. Dabei gibt es eine Sehnsucht nach der Vergangenheit, nach jener Zeit, als man in Bagdad, Mosul oder Kirkuk wagte, auf die Straße zu gehen. Diese Nostalgie bedeutet jedoch in keinster Weise, dass sich die Iraker nach der Wiederherstellung des Status quo ante, also nach der Restauration der Diktatur der Baath-Partei, sehnen.

Tatsächlich haben die amerikanischen Truppen und die neue irakische Armee und Polizei - sie werden bereits seit zwei Jahren für die Sicherheitsaufgaben intensiv vorbereitet - ihr Ziel, die Anschläge der Jihadisten zu reduzieren und die gefährlichen Gruppen, wie die El-Kaida, auszumerzen nicht erreicht. Die Jihadisten drangen sogar schon bis in die Grüne Zone von Bagdad vor, jene Hochsicherheitszone, in der die amerikanischen und irakischen Schaltstellen untergebracht sind. Die Bush-Regierung gerät immer mehr unter Druck: Die Debatten über den Irak-Einsatz erinnerten in den USA inzwischen an die Debatten während des Vietnam-Krieges, stellt das Magazin Newsweek in seiner jüngsten Ausgabe fest. "Bloß keine Panik“, ruft deshalb Fareed Zakaria, Kolumnist beim genannten Magazin.

Mitwirkung der Sunniten entscheidend

Als Beobachter der Entwicklung des Irak kann man feststellen, dass die Parlamentswahlen im Irak ein notwendiger Schritt sind, um das System demokratisch zu legitimieren und den Aufbau der Institutionen zu vervollständigen. Wichtig ist dabei eine Teilnahme der arabischen Sunniten: Sie scheinen sich nun aus der politischen Isolation bewegen zu wollen, in die sie geraten waren, als sie die Wahlen im Januar sowie das Verfassungsreferendum im August boykottiert hatten. Eine angemessene Beteiligung der arabischen Sunniten in den Institutionen könnte den Aufständigen den Boden unter den Füßen wegziehen.

Es ist kein Geheimnis, dass der Widerstand arabisch-sunnitisch ist. Der schiitische "Widerstand“ um den geistlichen Muqtada al-Sadr hat andere Motive als der sunnitische Widerstand. Die Sunniten fürchten Machtverlust und Marginalisierung im neuen Irak. Diese Angst ist berechtigt, denn die Sunniten – sie stellen rund 20 Prozent der Bevölkerung – können heute im Gegensatz zur Zeit vor 2003 kaum führende Positionen für sich beanspruchen; den Widerstandskämpfern um al-Sadr, der sich inzwischen aber auch am politischen Leben des Landes beteiligt, ging es vor allem darum, die Position in der schiitischen Gemeinschaft zu stärken.

Lesen Sie im zweiten Teil, welche politischen Bündnisse bei den Wahlen die größten Chancen haben und welchen Herausforderungen sie sich künftig stellen müssen.

Die Redaktion empfiehlt