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Fußball

Integration an der Fußball-Basis

In Köln sind drei Amateurvereine mit dem Julius-Hirsch-Preis geehrt worden. Der Deutsche Fußball-Bund zeichnet damit vorbildliches Engagement im Fußball gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit aus.

Fans von Roter Stern Leipzig mit Antirassismus-Banner (Foto: Roter Stern Leipzig)

"Ein moderner Sportverein von heute muss sich auch an der Würde des Menschen orientieren und helfen, die demokratische Entwicklung zu stützen", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, bei der Verleihung des Julius-Hirsch-Preises in Köln. Bereits zum sechsten Mal wurde die Auszeichnung vergeben. Sie erinnert an den jüdischen Nationalspieler, der 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet wurde. Der DFB will nach den Worten Zwanzigers dazu beitragen, "die Menschen in Deutschland, die Sportler und die Fußballer, ein Stück wach zu halten - über das rein Fußballerische hinaus."

Der SV Sedlitz und die Asylbewerber

Die Träger des vom DFB vergebenen Julius-Hirsch-Preises 2010 in Köln (Foto: DW)

Die Julius-Hirsch-Preisträger

75 Vereine aus Deutschland hatten sich in diesem Jahr um die Auszeichnung beworben. Die Jury vergab den ersten Preis an den SV Sedlitz Blau Weiß 90, "der seit 1990 genau das macht, was sicherlich in der Zeit vor 1945 vergessen worden ist: Er zeigt Menschlichkeit, Widerspruch und Zivilcourage", so Zwanziger. Der Kreisligaklub aus dem brandenburgischen Senftenberg pflegt unter anderem einen intensiven Kontakt zu einem örtlichen Asylbewerberheim, wie Vereinschef Heinz Maintok erläuterte. "Der Zufall wollte es, dass nach der Wende ein Asylbewerberheim in unserem Ortsteil errichtet wurde. Da sind wir hingegangen und haben geschaut, ob die nicht aktiv Sport treiben wollen." Mit Erfolg: Schon bald spielten zwei Rumänen beim SV Sedlitz. Seither hat der 58-jährige Fliesenleger immer wieder Bewohner des Übergangslagers zum Fußball gebracht.

Maintoks Verein beteiligt sich regelmäßig auch an Projekten gegen Rechtsextremismus. "Dadurch sind aus unserer Sicht in der Region wenige Vorkommnisse entstanden hinsichtlich Menschenfeindlichkeit oder Rassismus. Und darauf sind wir Stolz." Dennoch: Die Mannschaft wurde bei Auswärtsspielen immer wieder auch mit rechtsradikalen Parolen beschimpft. "Es gibt nach wie vor Aktivitäten, die da sagen: Ausländer wollen wir nicht in unserem Verein. Und da wollen wir unsere Vorbildwirkung zeigen", betonte Maintok.

Roter Stern Leipzig und SV Lehrte

Spieler des Vereins Roter Stern Leipzig feiern (Foto: Roter Stern Leipzig)

Spieler des Vereins Roter Stern Leipzig in Feierlaune

Den zweiten Preis erhielt Roter Stern Leipzig. Der sächsische Amateurverein tritt für gewaltfreie Konfliktlösung, demokratische Grundwerte, Toleranz und Integration für Jugendliche ein. Der dritte Preis ging an den SV 06 Lehrte aus Niedersachsen für sein Engagement beim Werben für die Organspende und der Integrationsarbeit "Nicht gegeneinander, nicht nebeneinander - endlich miteinander". Angelika Ribler, Diplom-Psychologin und Sportwissenschaftlerin aus Hamburg, wurde schließlich mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. "Meine Aufgabe ist es, Vereine und Gemeinden für Vielfalt und Demokratie und gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt starkzumachen", sagte Ribler, die im Auftrag der Sportjugend Hessen das Projekt "Mobile Interventionsteams gegen Rechtsextremismus im Sport" leitet.

"Eifert dem nach!"

Plakat mit Julius-Hirsch zur Preisverleihung 2010 in Köln (Foto: DW)

Julius Hirsch wurde von den Nationalsozialisten verfolgt

"Was die Preisträger leisten, soll die Öffentlichkeit wahrnehmen. Wir müssen die Menschen an der Basis motivieren, gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vorzugehen", sagte der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily in seiner Laudatio. Und für DFB-Präsident Zwanziger haben alle Julius-Hirsch-Preisträger Vorbildfunktion. "Wenn es Vereine gibt, die über das normale Fußballspiel hinaus sich Gedanken machen um das Zusammenleben der Menschen, dann ist das eine Auszeichnung wert." Gleichzeitig sie dies auch eine Aussage in die Öffentlichkeit: "Eifert dem doch nach!"

Mit dem Julius-Hirsch-Preis zeichnet der DFB seit 2005 vorbildliches Engagement im Fußball gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit aus. Der Jury gehören unter anderem DFB-Präsident Zwanziger, die Bundesvorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, sowie Vertreter der Familie Hirsch an.

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Wolfgang van Kann

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