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Deutschlehrer-Info

Integration als Kinderspiel mit „Paaraby“

Deutsche sind pünktlich, Araber sind gastfreundlich: Das deutsch-arabische Memory-Spiel „Paaraby“ kokettiert mit Klischees, bietet aber auch viel Wissenswertes und lockert Integrations- und Sprachkurse spielerisch auf.

Auf 64 Memory-Karten werden bei „Paaraby“ Kultur, Traditionen und auch so manche Besonderheit der Deutschen beleuchtet. Die Spieler müssen die Karte mit der arabischen Entsprechung finden. So erfahren Deutsche unter anderem, dass Araber gerne „Hummus“, ein Kichererbsenmus, essen; die dazu passende Karte weist Kartoffeln als Leibgericht der Deutschen aus. Der unbeliebteste Beruf ist hierzulande die „Politesse“, in arabischen Ländern steht der „Gesundheitsexperte“ ganz oben auf der Liste. Und das hat einen Grund, erklärt der Syrer Kassam El Laham: Diesen Beruf übe in seiner Heimat keiner gern aus, weil er in dieser Funktion die Einrichtung schließen müsse, in der er Missstände entdeckt. „In einem Land, in dem die medizinische Versorgung ohnehin problematisch ist, gehört das zu den schwierigsten Aufgaben.“

Miteinander ins Gespräch kommen

El Laham hält das Smartphone mit der App Paaraby hoch (Lachs von Achtern GmbH & Co.)

Kassam El Laham hat das Spiel entwickelt, demnächst bekommt er einen Ausbildungsvertrag bei der Agentur

El Laham ist als Flüchtling nach Deutschland gekommen und hat das Gesellschaftsspiel „Paaraby“ entwickelt. Als der gelernte Grafiker trotz fehlender Deutschkenntnisse ein Praktikum bei einer Kommunikationsagentur in Wismar erhielt, stellte er sich nämlich die Frage, wie er „spielend“ zur Integration beitragen könnte. Ein halbes Jahr ist das jetzt her. Mittlerweile spricht der Syrer fast fließend Deutsch – und hat der Agentur mit seiner Idee zu landesweiter Bekanntheit verholfen. Es sei wichtig, überhaupt miteinander ins Gespräch zu kommen, so Geschäftsführerin Franka Severin, die Kassem El Laham bei der Entwicklung von „Paaraby“ unterstützt hat.

Gut im Sprachunterricht einsetzbar

Immer mehr Menschen sind mittlerweile auf das Memory-Spiel aufmerksam geworden. Rund 1.500 Exemplare wurden seit August 2016 ausgeliefert, Tendenz steigend. „Paaraby“ könne den Sprachunterricht ergänzen und sehr gut eingesetzt werden, um bei Begegnungen ins Gespräch zu kommen, erklärten die Flüchtlingsbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises Mecklenburg, Sibylle Gundert-Hock.

Die Agentur selbst will an dem Spiel nicht verdienen, sondern zur Integration beitragen. So berechnet sie lediglich die Druckkosten und bietet Firmen an, die Packung mit ihrem Logo zu versehen. „Wenn es genug Interesse gibt und sich eine Mindestauflage von 1.000 Stück lohnt, können die Kartenpaare auch in anderen Landessprachen wie etwa Persisch zugeschnitten werden“, sagt Franka Severin.

Schülerinnen sitzen in einem Integrationskurs (DW/S. Pöhle)

Mit „Paaraby“ kann man den Standardunterricht auflockern - und gleichzeitig Wissenswertes aus Deutschland und Arabien vermitteln


Kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Es gibt sogar schon Ideen für weitere Spiele. Geplant ist unter anderem, mit provokanten Thesen und Stammtisch-Vorurteilen zu arbeiten und diesen dann Fakten entgegenzusetzen. Dazu gehört das deutsche Vorurteil, Araber seien unhöflich, weil sie einem nicht in die Augen schauen. Das In-die-Augen-Schauen gilt in der arabischen Welt jedoch als Provokation, erfährt der Spieler. Aber es werden auch viele Gemeinsamkeiten zwischen der muslimisch-arabischen und der christlich-europäischen Welt aufgedeckt, und bei keiner Karte wird das so deutlich wie beim Thema „Lieblingssport“. Für die Deutschen ist es „Fußball“. Für die Syrer auch. 

suc/am (mit epd)

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