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Ostmitteleuropa

Institut für Nationales Gedenken ermittelt in Nazi-Mord an polnischen Professoren 1943 in Lemberg

Warschau, 17.07.2003 RECZPOSPOLITA, poln.

Die Abteilung des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) in Rzeszow hat Ermittlungen im Mord an polnischen Professoren in Lemberg aufgenommen. Im Juli 1941 ermordeten die Faschisten auf den Wulecki-Hügeln 23 Professoren Lemberger Hochschulen sowie 22 Mitglieder ihrer Familien, Freunde und Bekannte.

"Wir haben über das Verbrechen von Lemberg bereits eine große Menge von Unterlagen gesammelt. Es ist uns auch gelungen, Zeugen für dieses Verbrehen zu finden, deren Namen bisher nicht bekannt waren", sagt Elzbieta Barnat-Lubas, Staatsanwältin bei IPN in Rzeszow.

Der Mord an den Professoren war - nach Krakau, Warschau und Posen - eine weitere vorsätzlich geplante Etappe der Ausrottung polnischer Intelligenz. Die Deutschen hatten Lemberg am 30.6 1941 besetzt und verfügten bereits über eine Liste mit Namen polnischer Professoren. Sie wurde im Umfeld ukrainischer Studenten in Krakau erstellt.

Alles begann am 2. Juli 1941 mit der Verhaftung von Professor Kazimierz Bartel von der Technischen Hochschule in Lemberg, der in der II. Republik Polen dreimal den Posten des polnischen Premierministers bekleidet hatte. In der Zeit vom 2. bis 11. Juli 1941 wurden insgesamt 24 Professoren von Offizieren des Ersatzkommandos, von Polizisten und der Gendarmerie verhaftet. Manche von ihnen wurden zusammen mit ihrer Familie und ihren Bediensteten festgenommen. Festgenommen wurden auch einige Dozenten und Doktoren sowie ein Priester. Insgesamt wurden 52 Personen verhaftet. Überlebt haben nur sieben, darunter Prof. Franciszek Groer, der Leiter der Pädiatrischen Klinik an der Jan Kazimierz-Universität.

Unter den Festgenommenen befand sich u.a. Professor Tadeusz Boy-Zelenski, Leiter der Fakultät für französische Literatur an der Universität Lemberg

Alle Festgenommenen wurden in die Abrahamowicz-Burse oben auf den Wulecki- Hügeln gebracht. Am frühen Morgen des 4. Juli 1941 wurden die meisten von ihnen auf dem Hang neben der Burse ermordet. An jenem Morgen wurden 20 Professoren sowie 20 weitere Personen, die in Häusern der Professoren festgenommen worden waren, erschossen. Innerhalb der nächsten Tage wurden weitere fünf Personen erschossen, darunter drei Professoren. Der letzte von ihnen war Professor Bartel. Er wurde am 26.7. hingerichtet.

Die Grundlage für die Einleitung der Ermittlungen durch IPN stellen vor allem Dokumente dar, die über viele Jahre hindurch ein Neffen des ermordeten Professors Boy-Zelenski, Wladyslaw Zelenski, gesammelt hat. Von außergewöhnlicher Bedeutung sind aber auch die Unterlagen der Gräfin Karolina Lanckronska.

Ende der Sechzigerjahre fand in Münster in der Bundesrepublik Deutschland ein Prozess gegen Hans Krüger statt, der wegen der Ermordung von Juden in dem Ort Stanislawowo angeklagt wurde. Während dieses Prozesses wurde auch die Gräfin Lanckronska gehört, die aussagte, dass sie im Jahre 1942 von Hans Krüger persönlich verhört worden sei, der sich damit "gebrüstet" habe, die Professoren selbst ermordet zu haben.

Weder das Gericht in Münster noch die Staatsanwaltschaft Hamburg haben die Schuldigen an dem Verbrechen auf den Wulecki-Hügeln gefunden. Hans Krüger bekam zwar lebenslänglich, aber nicht wegen der Verbrechen an den Professoren.

Auf den Wulecki-Hügeln in Lemberg stehen heute nur ein Kreuz aus Metall und eine illegal angebrachte Gedenktafel, die an den Tod der Professoren erinnert. Einst stand hier zwar ein Denkmal, allerdings nur kurz. In den Siebzigerjahren wurde es zerstört.

Weitere Jahrestage des Verbrechens vergehen und die Ukrainer erlauben die Errichtung eines neuen Denkmals nicht. Ähnlich wie im Fall des polnischen Friedhofes "Junge Adler" geht es bei der Auseinandersetzung um die Inschrift. Die Behörden von Lemberg sind dagegen, dass dort geschrieben steht, dass die Ermordeten polnische Professoren waren. (Sta)

  • Datum 22.07.2003
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