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Top-Thema – Podcast

Insolvenz als Chance

Durch die Finanzkrise wurden 2009 viele Firmen in die Insolvenz getrieben. Insgesamt gab es 35 000 Firmenpleiten. Dies ist ein Zuwachs von 16 Prozent. Doch eine Insolvenz muss nicht immer das Ende bedeuten.‎

Das Wort Insolvenz mit Scrabble-Steinen dargestellt

Manchmal können Betriebe trotz Insolvenz gerettet werden

Kaum ein Jahr dauerte es vom Insolvenzantrag der Kaufhauskette Hertie bis zum endgültigen Aus. Dabei hatten die Eigentümer von Hertie alles besser machen wollen, als sie 2007 den traditionsreichen Namen neu belebten. Doch die Enttäuschung folgte schnell: Bereits 2008 wurde der Hauptinvestor Dawnay Day Opfer der Finanzkrise und nahm Hertie mit sich. Die deutsche Kaufhauskette musste Insolvenz anmelden.

Der Düsseldorfer Anwalt Biner Bähr hat sich auf Insolvenzen spezialisiert. Hunderte Fälle hat er schon bearbeitet. Bei Hertie war er anfangs optimistisch. Die Einsicht, dass es für Hertie keine Zukunft mehr gab, kam ihm erst viel später, erzählt der Insolvenzverwalter. Auch andere deutsche Unternehmen wurden von der Finanzkrise hart getroffen. Doch anders als Hertie konnten einige der Unternehmen trotz Insolvenz überleben und wenigstens einen Teil ihrer Arbeitsplätze behalten.

Die Insolvenz – ein Todesurteil oder eine Chance? Frank Kebekus, Sprecher des Gravenbrucher Kreises, in dem sich die wichtigsten deutschen Kanzleien zusammengeschlossen haben, erklärt: "Ich sage nicht, dass eine Insolvenz immer das richtige Mittel ist. Aber es ist zumindest immer eine Option". Das zeigt auch der Fall des Düsseldorfer Malerbetriebs Josef Kenning. Die Firma ist ein ganz normaler Familienbetrieb. Bis auf eines: Das Sagen hat der Insolvenzverwalter. Und das schon seit 2002.

"Es war ein schlimmes Gefühl", erinnert sich Malermeister Michael Kenning. "Zum Amtsgericht hinzugehen und diesen Antrag zu stellen, ist schon eine schlimme Sache". Viele grundlegende Veränderungen waren nötig, um den Malerbetrieb zu retten. Die Zahl der Mitarbeiter wurde von mehr als 50 auf gut 20 reduziert, die Arbeitszeit flexibilisiert. Die Veränderungen haben sich ausgezahlt: Die Geschäfte bei dem Düsseldorfer Malerbetrieb sind inzwischen wieder so stabil, dass das Unternehmen nun saniert werden kann.

Glossar

Insolvenz, die – die Tatsache, dass eine Firma kein Geld mehr hat (dazu: Insolvenz anmelden)

Pleite, die – hier: die Tatsache, dass kein Geld mehr da ist

Insolvenzantrag, der – der Antrag einer Firma auf Hilfe bei Zahlungsunfähigkeit (dazu: einen Insolvenzantrag stellen)

Aus, das – das Ende

traditionsreich – so, dass etwas eine bedeutende Vergangenheit hat und sehr bekannt ist

Investor, der – hier: eine Firma, die eine andere Firma finanziert

Finanzkrise, die – die sehr schwierige wirtschaftliche Situation auf dem Finanzmarkt

sich auf etwas spezialisieren – sich mit etwas ganz bestimmtem beschäftigen

optimistisch – so, dass man etwas positiv sieht

Einsicht, die – das Erkennen und Akzeptieren von etwas

Kanzlei, die – das Büro eines Anwalts

Option, die – die Möglichkeit

jemand hat das Sagen – jemand ist der Chef; jemand trifft die Entscheidungen

grundlegend – sehr wichtig

gut 20 – hier: ein bisschen mehr als 20

etwas flexibilisieren – hier: etwas so machen, dass man es schnell anpassen oder ändern kann

etwas zahlt sich aus – etwas lohnt sich; etwas bringt Erfolg

etwas sanieren – hier: etwas (z. B. ein Unternehmen) wieder konkurrenzfähig machen

Fragen zum Text

1. Die Kaufhauskette Hertie musste Insolvenz anmelden, weil …

a) die Besitzer alles besser machen wollten.

b) Hertie nicht genügend Geld hatte, um den Markennamen zu erhalten.

c) der Investor Dawnay Day von der Finanzkrise schwer getroffen wurde.

2. Welche Aussage über den Düsseldorfer Anwalt Biner Bähr stimmt nicht?

a) Biner Bähr war zuerst optimistisch, dass Hertie gerettet werden kann.

b) Der Düsseldorfer Anwalt hat sich auf Familienbetriebe spezialisiert.

c) Der Anwalt hat schon an über 100 Fällen gearbeitet.

3. Wie beurteilt Frank Kebekus Insolvenzverfahren?

a) Frank Kebekus hält die Insolvenz in fast allen Fällen für die richtige Lösung.

b) Er sagt, dass eine Insolvenz auch eine Chance sein kann.

c) Die Insolvenz wird von ihm als das endgültige Aus bezeichnet.

4. Wie kann man diesen Satz anders sagen? "Für Unternehmen kann es sich dennoch lohnen, Insolvenz anzumelden".

a) Es hat immer schlechte Folgen für Unternehmen, Insolvenz anzumelden.

b) Das Anmelden von Insolvenz kostet in der Regel Geld.

c) Es kann sich trotz allem auszahlen, Insolvenz anzumelden.

5. Eine Person, die alle wichtigen Entscheidung trifft, hat …

a) gut reden.

b) das Sagen.

c) das Nachsehen.

Arbeitsauftrag

Verbinden Sie die Wörter und Wendungen, die eine ähnliche Bedeutung haben.

1. pleite sein

2. sich auszahlen

3. optimistisch sein

4. etwas einsehen

a) etwas positiv sehen

b) etwas akzeptieren

c) kein Geld mehr haben

d) sich lohnen

Autor: Frank Wörner/ Lukas Völkel

Redaktion: Shirin Kasreian

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