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Wirtschaft

Insider: Lufthansa erhält Großteil von Air Berlin

Nach dem Treffen des Gläubigerausschusses scheint sich abzuzeichnen, dass Lufthansa den Hauptanteil der insolventen Fluglinie übernimmt. EasyJet und Condor haben offenbar auch gute Chancen auf Teile der Airline.

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Bodenpersonal überflüssig?

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin soll Insidern zufolge zu einem großen Teil an die Lufthansa verkauft werden. "Die Lufthansa bekommt den größten Teil", sagte ein mit dem Vorgang Vertrauter am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Weitere Teile gingen an den britischen Billigflieger EasyJet, ein weiterer Teil eventuell an die Thomas Cook-Tochter Condor. Darauf habe sich der
Gläubigerausschuss verständigt, wie auch ein zweiter Insider bestätigte. Die Verhandlungen gingen allerdings noch bis zum 12. Oktober weiter. Deshalb werde es am kommenden Montag noch keine abschließende Entscheidung im Air-Berlin-Aufsichtsrat über die Käufer geben, hieß es weiter.

Die Lufthansa hatte bereits mitgeteilt, dass sie sich trotz ihres hohen Marktanteils in Deutschland gute Chancen für eine Übernahme von bis zu 80 der insgesamt 144 Flugzeuge der insolventen Air Berlin ausrechnet. "Viel mehr werden wir kartellrechtlich gar nicht machen können", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwochabend in Frankfurt. Einschließlich aller Umsteigflüge habe die Lufthansa-Gruppe in Deutschland einen Marktanteil von 34 Prozent. Dieser Wert werde auch für die Kartellbehörden entscheidend sein. "Deshalb sind wir optimistisch, dass das, was wir uns vorstellen, genehmigungsfähig ist", sagte Spohr. 

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Luftfahrt-Berater Gerald Wissel zur Aufteilung von Air Berlin

Neben der Kranich-Airline gehören auch Easyjet, Condor, die British-Airways-Mutter IAG sowie die Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl und Niki Lauda zum Bieterkreis. Die Lufthansa hatte als erstes ihr Konzept für einen Teilkauf der Mitte August insolvent gegangenen Air Berlin vorgelegt, was der Erzrivale Ryanair als abgekartetes Spiel mit der Bundesregierung kritisiert hatte.

 

Kein Lufthansa-Gebot für Langstreckenflieger 

Spohr hatte erstmals am Mittwoch offiziell Details seiner Offerte genannt: Priorität habe für die Lufthansa, sich die 38 Maschinen von Air Berlin zu sichern, die schon für die Lufthansa-Tochter Eurowings geleast wurden. Dazu sollten 20 bis 40 weitere Maschinen für Kurz- und Mittelstrecken kommen. "Wir glauben, durch die Entwicklung in Berlin voraussichtlich bis zu 3000 neue Mitarbeiter begrüßen zu dürfen", sagte Spohr. Das sei angesichts der Belegschaft von derzeit rund 130.000 bei Lufthansa eine riesige Zahl. Für die mittlerweile schon größtenteils stillstehenden Langstreckenmaschinen der Air Berlin habe er nicht geboten, ergänzte Spohr. Die Langstrecke bei Eurowings solle in Düsseldorf und Berlin aus eigener Kraft wachsen. In den vergangenen zwölf Monaten seien im Konzern bereits 40 neue Flugzeuge angeschafft worden. Auch in den kommenden Jahren solle fast jede Woche eine Neuanschaffung zum Ausbau oder Ersatz alter Maschinen hinzukommen.

Deutschland Lufthansa stellt Quartalszahlen vor (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Der Dax-Konzern hat sich Spohr zufolge sowohl auf ein Gelingen als auch auf ein Scheitern des Air-Berlin-Verkaufs vorbereitet. "Diese 20 bis 40 Maschinen werden wir sowieso darstellen", sagte Spohr. "Wir werden unseren Marktanteil erweitern." Der Lufthansa-Chef bekräftigte, dass es in der "am stärksten zersplitterten Branche" eine Konsolidierung geben müsse. Dabei wolle die Lufthansa eine aktive Rolle spielen. Das Selbstbewusstsein des deutschen Marktführers ist nach zwei Jahren mit Rekordgewinnen gewachsen. Spohr ist auch für 2017 nach eigenen Worten zuversichtlich. An seiner guten Laune sei zu erkennen, "dass natürlich dieses Jahr noch deutlich besser läuft als schon die letzten beiden Rekordjahre."

Die Fusionswelle unter den Fluggesellschaften in Europa dürfte nach Spohrs Ansicht weitergehen. "Die Konsolidierung wird kommen, und Lufthansa will dabei eine Rolle spielen. Und Air Berlin wird dabei nicht der letzte Schritt sein." So steht derzeit auch die ehemalige italienische Staatsfluglinie Alitalia zum Verkauf. Die seit langem defizitäre Gesellschaft hatte schon vor Air Berlin Insolvenz angemeldet, nachdem die gemeinsame Haupteignerin Etihad die finanzielle Unterstützung entzogen hatte - ähnlich wie bei Air Berlin.

zdh/tko (rtr, dpa)

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