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Asien

Inselstreit zwischen Japan und seinen Nachbarn eskaliert

Neue Spannungen mit China und Südkorea haben in Japan das Gedenken an die Kapitulation im 2. Weltkrieg überschattet. Japans Polizei nimmt Aktivisten aus Hongkong fest.

Immer wieder kommt es zwischen Japan, der Volksrepublik China und Südkorea zu Konflikten wegen der Kriegsvergangenheit des Kaiserreichs  und wegen rivalisierender Ansprüche auf kleine Inseln im Pazifik. Zum Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg am 15. August 1945 ist der Streit jetzt eskaliert.

Die japanische Polizei nahm auf einer umstrittenen Inselgruppe im Ostchinesischen Meer (Artikelbild) fünf chinesische Aktivisten fest. In der Umgebung der Inseln, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt werden, werden große Rohstoffvorkommen vermutet. Nach japanischen Angaben wurden die von Hongkong mit dem Schiff angereisten Aktivisten wegen der Verletzung von Einreisebestimmungen festgenommen. Das Außenministerium in Peking protestierte gegen das Vorgehen der japanischen Polizei.

Das Hauptgebäude des Yasukuni-Schreins in Tokio (Foto: picture alliance/dpa)

Das Hauptgebäude des Yasukuni-Schreins in Tokio

Empört reagierte die Volksrepublik auch auf den Besuch des umstrittenen Yasukuni-Schreins durch zwei japanische Kabinettsmitglieder und 55 Abgeordnete. Der Schrein ist ein Denkmal für die 2,5 Millionen während des Kriegs getöteten japanischen Soldaten, allerdings werden dort auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Es war der erste Besuch von Ministern in dem Schrein seit dem Wahlsieg der Demokratischen Partei im Jahr 2009.

Chinas Außenministerium erklärte, die Frage sei, ob Japan zu seiner Geschichte "imperialer Aggression" stehe und die "Gefühle der Opfer in asiatischen Ländern wie China respektieren" könne. Die Regierung in Tokio müsse "konkrete Schritte unternehmen, um die chinesisch-japanischen Beziehungen zu bewahren".

Seoul will Entschädigungen

Auch Südkorea forderte Japan auf, sich intensiver mit seinen Kriegsverbrechen auseinanderzusetzen. Präsident Lee Myung Bak verlangte Entschädigungen für die Koreanerinnen, die in japanische Soldatenbordelle verschleppt worden waren. Historiker schätzen, dass 200.000 Frauen aus Korea, China und anderen Ländern von den japanischen Streitkräften während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsprostituierte missbraucht worden sind. Im zynischen Jargon der Militärs wurden sie "Trostfrauen" genannt. Die Regierung in Tokio müsse endlich Verantwortung übernehmen, sagte Lee zum 67.Jahrestag der Befreiung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft (1910 bis 1945).

Erst am Freitag hatte Lee bei der Regierung in Tokio für Empörung gesorgt, als er die von Südkorea kontrollierte Dokdo-Inselgruppe besucht hatte. Japan beansprucht die Inseln ebenfalls und nennt sie Takeshima. Aus Protest gegen Lees Aktion hatte Japan seinen Botschafter aus Seoul zurückgerufen.

An den offiziellen Feiern zum Gedenken an die Kapitulation Japans nahmen in Tokio Tausende Menschen teil, unter ihnen das Kaiserpaar. Ministerpräsident Yoshihiko Noda erinnerte an die Angriffe Japans und sprach den Opfern in Asien sein Bedauern aus. Zugleich kritisierte er die Forderung aus Südkorea, Kaiser Akihito solle sich vor einem Besuch für Japans Kolonialherrschaft entschuldigen.

wl/hp (dpa, afp, rtre)