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Aktuell Asien

Insel-Streit: China holt tausende Landsleute aus Vietnam zurück

Die heftigen antichinesischen Proteste in Vietnam zeigen Wirkung: China brachte gut 3000 Staatsbürger zurück in die Heimat. Derweil rief Vietnams Regierungschef Nguyen Tan Dung seine Landsleute zur Zurückhaltung auf.

Mit der demonstrativen Aktion zog die Regierung in Peking die Konsequenzen aus den Krawallen in der vergangenen Woche. Dabei waren im südlichen Nachbarland zwei Chinesen getötet und etwa 200 verletzt worden, wie die Regierung in Hanoi mitteilte. Zwischenzeitlich hatte Peking seinen Bürgern bereits abgeraten, nach Vietnam zu reisen.

Nach Gewaltakten und Plünderungen waren landesweit bis zu 1000 Personen festgenommen worden. Aus Wut über eine chinesische Ölplattform vor der Küste Vietnams hatten Demonstranten Hunderte chinesische und auch taiwanesische Fabriken angegriffen. Einige Werke wurden angezündet. In Großstädten fanden Massendemonstrationen statt. Die vietnamesischen Behörden schwanken dabei zwischen der Auflösung derartiger Großkundgebungen, die ihre Autorität in Frage stellen könnten, und der Duldung der Proteste, um ein Signal an Peking zu senden. Am Samstag rief nun Ministerpräsident Nguyen Tan Dung per SMS an alle Handybesitzer seine Landsleute auf, ihren Patriotismus zu zeigen, sich aber nicht an "illegalen" Protesten zu beteiligen.

Hartnäckiger Inselstreit

Seit Jahrzehnten streiten China und Vietnam um Inseln im Südchinesischen Meer. In dem Gewässer kommt es deshalb immer wieder zu Zwischenfällen. China beansprucht für sich fast das gesamte Seegebiet, auf dessen Grund große Rohstoffvorkommen vermutet werden. Doch auch andere südostasiatische Länder, neben Vietnam vor allem die Philippinen, erheben Ansprüche. Auch auf den Philippinen gab es am Freitag antichinesische Kundgebungen.

Der Konflikt spitzte sich Anfang Mai zu, als Peking eine Tiefseebohrplattform vor die Paracel-Inselgruppe verlegte. Hanoi schickte Schiffe in die Gegend, die dort nach eigenen Angaben von chinesischen Schiffen angegriffen und gerammt wurden. China warf seinerseits Vietnam vor, seine Schiffe dutzende Male gerammt zu haben.

Erst am Donnerstag hatte China klargemacht, dass es trotz der Protestwelle an seinen Ölbohrungen im Südchinesischen Meer festhält. Der Generalstabschef der Volksbefreiungsarmee, Fang Fenghui, sagte in Washington, China werde die Sicherheit der Ölplattform gewährleisten und dafür sorgen, dass der Betrieb weiterlaufe.

USA sehr besorgt

China könne es sich "nicht leisten, auch nur einen Zoll von seinem Gebiet zu verlieren", sagte Fang, der sich zu Gesprächen mit US-Regierungsvertretern in Washington aufhielt. US-Vizepräsident Joe Biden zeigte sich "zutiefst besorgt wegen Chinas einseitiger Aktionen" in umstrittenen Gewässern. Zugleich betonte er, dass Washington keinerlei Partei ergreifen wolle - allerdings dürfe kein Staat seine Forderungen mit "provokanten Schritten" durchsetzen.

Das Weiße Haus rief beide Seiten dazu auf, zum Abbau der Spannungen beizutragen und die "Fragen der Souveränität auf friedliche Weise und unter Achtung des internationalen Rechts zu behandeln". Die Schiff- und Luftfahrt in und über dem umstrittenen Gebiet dürften nicht beeinträchtigt werden.

kle/det (afp, rtre, dpa)