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Welt

Insel-Präsidenten in schwieriger Mission

Die Staats- und Regierungschefs von acht südpazifischen Inselstaaten suchen Verbündete. Die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf zwei Grad reiche nicht, um das Meer zu stoppen, verkünden sie auch in Berlin.

Angela Merkel im Kanzleramt mit den Präsidenten südpazifischer Staaten vor den Fahnen der Gäste und Deutschlands (Foto: AP)

Seltene Gäste im Kanzleramt

Die bunten Fahnen beim Bildtermin mit der deutschen Kanzlerin verbreiten Exotik und bei manchem Fotografen im kalten Berlin werden Urlaubswünsche wach. Doch was acht Staatsmänner aus dem Südpazifik nach Europa führt, ist eine ernstere Angelegenheit als Tourismuswerbung. "Die Wissenschaft ist sehr laut und klar. Wir sollten auf die Wissenschaft hören", sagt Anote Tong, Präsident von Kiribati. Die Wissenschaft sagt seinem Inselstaat im Südpazifik den Untergang voraus, wenn die Klimaerwärmung nicht aufgehalten wird.

Die Angst vor dem Untergang

Überspülter Strand mit Palmen auf einem Atoll von Kiribati (Foto: DW-TV)

Land unter auf Kiribatis Atollen

Präsident Tong macht auf dem Weg zur Kopenhagener Klimakonferenz Station in Deutschland, zusammen mit seinen Kollegen Emanuel Mori aus Mikronesien, Johnson Toribiong aus Palau und Jurelang Zedkaia von den Marshallinseln. Allesamt sind sie Nobodys in der großen Weltpolitikpolitik, ebenso wie die Premierminister von Samoa, Tuvalu, Vanuatu und Tonga. Doch sie werden in Berlin mit großem Protokoll empfangen. Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Außenminister und Entwicklungshilfeminister nehmen sich Zeit für das Anliegen der seltenen Gäste aus dem Südpazifik.

Deren wichtigste Sorge ist, dass es beim Weltklimagipfel nicht zu konkreten Ergebnissen kommt oder diese zu mager ausfallen. Dann könnte Anote Tongs bildschöner Staat, der 32 zwischen Hawai und Australien verstreute Atolle umfasst, schon in 50 oder 60 Jahren im Meer verschwunden sein.

Das Zwei-Grad-Ziel rettet die Inseln nicht

Die meisten Gebiete Kiribatis liegen nicht einmal zwei Meter über Meeresspiegel, wenn man von der Vulkaninsel Banaba absieht, die stolze 81 Meter aus dem Meer ragt. 1999 seien bereits zwei unbewohnte Korallenriffe Kiribatis überflutet worden, heißt es. Am Potsdamer Institut für Klimaforschung hörten und sahen die acht Staats- und Regierungschefs und ihre vielköpfige Begleitung die jüngsten Prognosen und Szenarien. Es sei alles noch viel schlimmer als vom Weltklimarat in seinem vierten Sachstandsbericht von 2007 vorausgesagt, meint Anote Tong. Die von den Industriestaaten - auch Deutschland - angestrebte Begrenzung des Temperaturanstiegs auf zwei Grad reiche für seine Insel nicht aus. Um Kiribati vor dem Meer zu retten, dürfte es auf der Erde höchstens 1,5 Grad wärmer werden. Diese Forderung wollen die Abgesandten aus dem Südpazifik in Kopenhagen mit allem Nachdruck vertreten.

Kein Kompromiss im Überlebenskampf

Kiribatis Präsident gibt sich kämpferisch: Kompromisse seien in vielen Punkten möglich, aber nicht, wenn es um das Überleben seines Volkes gehe. Er lobt, Angela Merkel habe sehr eindeutig die deutsche Unterstützung für die "verwundbarsten Länder" bekundet, doch es klingt etwas wie Pfeifen im Walde. Man hoffe, dass Deutschland die Führung übernehme unter den entwickelten Ländern, setzt Tong hinzu. Die Inselstaaten selbst wollten vor allem unter den Entwicklungsländern Werbung machen für die südpazifische Sache. Ob diese Arbeitsteilung funktioniert ist allerdings fraglich.

Kiribatis Präsident Anote Tong im Kreise anderer Konferenzteilnehmer (Foto: DW-TV)

Anote Tong (links), Kiribatis Präsident, in schwieriger Mission

Deutschland hält, wie die meisten anderen Länder, das 1,5-Grad-Ziel in den ohnehin schwierigen Klimaverhandlungen nicht für realistisch. Am gleichen Tag, als die Staats- und Regierungschefs der acht Inselstaaten in Berlin weilen, erklärt der deutsche Regierungssprecher, die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad sei der entscheidende Maßstab für die Festlegung der CO2-Reduktionsziele.

Taucherausrüstung oder Umsiedeln?

So mag es für die Gäste nur ein schwacher Trost sein, dass Deutschland seine Hilfen für die "Anpassung an den Klimawandel in der pazifischen Inselregion" um 10 Millionen Euro aufstocken will. Denn wie passt man sich der Überflutung durch das Meer an? Auf den Malediven hielt der Präsident jüngst demonstrativ eine Kabinettssitzung mit Taucherausrüstung unter dem Meeresspiegel ab. Wird man eines Tages die Inselbevölkerung nach Australien oder Neuseeland umsiedeln müssen?

"Was wären wir für Führer unserer Völker, wenn wir die Zukunft unserer Kinder und Urenkel opferten?", fragt der achtfache Vater Anote Tong. "Wir brauchen eine absolute Garantie, dass wir als Volk überleben".

Autor: Bernd Gräßler
Redaktion: Dеnnis Stutе

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