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Wissen & Umwelt

Insektizide stören Larvenaufzucht bei Honigbienen

Schon länger stehen sogenannte Neonikotinoide im Verdacht, das weltweite Bienensterben mit zu verursachen - auf welche Weise war aber unklar. Jetzt haben deutsche Forscher den Beweis geliefert.

Dass einige Insektizide den Bienen schaden können, vermuten Experten schon länger. Es geht um die Klasse der Neonikotinoide, hochwirksame Insektizide, die weltweit auf Feldern gegen Blattläuse, Schildläuse und andere Schädlinge ausgebracht werden. Sie verhindern die Weiterleitung von Nervenreizen in Insekten und töten die Tiere so.

Für Bienen sind die ausgebrachten Konzentrationen des Mittels zwar angeblich nicht tödlich - trotzdem steht die Insektizidklasse im Verdacht, mitschuld am Bienensterben zu sein. Die EU hat den

Einsatz von drei Neonikotinoiden daher vorsorglich eingeschränkt.

Ein konkreter Mechanismus, wie die Substanzen den Bienen in niedrigen Konzentrationen schaden können, war bisher nicht bekannt. Jetzt aber haben Forscher der Universitäten Mainz und Frankfurt einen solchen entdeckt.

Larvensterben

Offensichtlich stören Neonikotinoide die Larvenaufzucht bei Honigbienen. Selbst eine niedrige, nach Angaben der Forscher "feldrelevante" Dosis verminderte den Gehalt des Botenstoffs Acetylcholin im Futtersaft von Ammenbienen. Diese Bienen versorgen im Bienenstaat die Larven mit Nährstoffen. Dafür produzieren sie in speziellen Kopfdrüsen einen Nährstoffsaft.

Ist zu wenig Botenstoff Acetylcholin im Nährsaft, hat das für einige Larven tödliche Folgen, erklärt Ignatz Wessler vom Institut für Pathologie an der Universitätsmedizin der Universität Mainz: "In Laborversuchen haben wir Acetylcholin künstlich aus dem Futtersaft entfernt und machten die Entdeckung, dass die Bienenlarven früher sterben als in Anwesenheit von Acetylcholin."

Schlecht für Futtersaft und Bienen

Die Forscher hatten Bienenvölker vier Wochen lang unterschiedlichen Konzentrationen von Neonikotinoiden ausgesetzt. Anschließend untersuchten sie die Tiere und den Futtersaft, den sie produzierten.

Niedrige Dosen an Neonikotinoiden, wie sie auch auf dem Feld ausgebracht werden, verringerten den Acetylcholingehalt im Futtersaft auf die Hälfte. Höhere Dosen ließen den Gehalt noch weiter sinken und schädigten zudem die Drüsen der Ammenbienen. Die Larvenentwicklung war bei diesen Bienenvölkern "ernstlich gefährdet",

schreiben die Forscher im Fachjournal "Plos One".

Befürworter der Insektizide machen für das Bienensterben bislang einen Parasiten verantwortlich: die Varroamilbe, die sich in der Brut von Bienenvölkern vermehrt. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zeigten allerdings, so Wessler, dass Neonikotinoide Bienen tatsächlich schädlich beeinflussen: "Das muss bei der anstehenden Neubewertung dieser Substanzklasse bedacht werden."

Ab 1. Dezember 2013 sind die drei umsatzstärksten Neonikotonoide in der EU nur noch für gewerbliche Anwendungen und in bestimmten Kulturen gar nicht mehr erlaubt. Vor allem dürfen sie erst nach der Blüte ausgebracht werden, damit Bestäuber möglichst wenig mit den Substanzen in Kontakt kommen.

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