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Projekt Zukunft

Innovationen für die Solartechnologie - wie viel Energie spendet die Sonne?

Studiogespräch mit Prof. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg.

Video ansehen 04:01

DW: Herr Weber, Sie sind ja eigentlich ein klassischer Halbleiter-Solarzellenbauer, das was man heute auf den Dächern eben findet. Und jetzt erfahren wir von organischen, von Kunststoff-Solarzellen. Sind Sie mit Ihrer Technologie schon abgehängt?

Eicke Weber: Wir forschen natürlich selber auch an diesen neuen Methoden. Das heißt, wir haben auch Arbeitsgruppen zu organischen oder auch Farbstoffsolarzellen, auch Solarzellen aus nanostrukturierten Materialien sind sehr interessant. Alle diese Konzepte sind im Moment für die Grundlagenforschung sehr aufregend, aber nur geeignet für Nischenanwendungen, zum Beispiel Solarzellen im Rucksack, in der Kleidung, wo man beim Wandern sein Handy aufladen könnte. Wir sind noch lange nicht so weit, dass wir da über Megawatt oder Gigawatt Leistung sprechen können.

Aber könnte das eines Tages soweit kommen, also wenn Sie weit in die Zukunft gucken. Was glauben Sie, wer wird da die Nase vorn haben?

Absolut, wenn es uns gelingt, organische Solarzellen zu machen, die zwanzig, dreißig, vierzig Prozent effizient sind und theoretisch ist das absolut denkbar. Wir brauchen nur die richtigen Moleküle, die die richtigen Lichtwellenlänge einfangen. Und wenn wir diesen Strom effizient rausholen können, kann das die allerbilligste Solartechnologie werden, aber wir brauchen dafür echte Durchbrüche in der Forschung. Und das ist eben das Problem. Bei Durchbrüchen in der Forschung kann man nie vorhersagen, wann sie kommen und ob sie kommen. Aber die Forschung ist auf jeden Fall sehr, sehr spannend und macht auch wirklich viel Spaß.


Nicht in der Forschung, sondern bei der Produktion von Solarzellen erleben wir momentan in Deutschland ja Dramatisches. Unternehmen gehen Pleite. Und man war ja einmal führend in Deutschland. Woran liegt denn das, dass vor allem die Chinesen momentan jetzt die Nase vorn haben?

Im Prinzip ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung. Denn der Grund dieser Entwicklung ist der enorme Preisverfall, während Strom aus Solarenergie früher vierzig, fünfzig Cents pro Kilowattstunde kostete, kostet er heute in Deutschland etwa fünfzehn bis achtzehn Cent pro Kilowattstunde. Das ist weniger als der Haushaltsstrom aus der Steckdose. Das Problem ist nur, mit diesem Preisverfall konnten die deutschen Solarzellenhersteller, die kleinere Anlagen haben, die etwa  fünf Jahre alt waren nicht mit den Chinesen mithalten, die ihre Anlagen erst in den letzten zwei bis drei Jahren gekauft haben -zum großen Teil aus deutscher Produktion - die deutschen Anlagenbauer sind immer noch weltweit führend. Die Chinesen haben einfach die besseren Preise. Die Frage ist, schaffen wir es in Deutschland auch, eine solche kostengünstige Produktion aufzubauen. Dazu bräuchte man erhebliche Investitionskredite, die die chinesische Regierung ihren Industriellen zur Verfügung stellt, oder geben wir das auf.

Das klingt ja als seien die Hersteller hierzulande etwas faul geworden. Haben die den Anschluss sozusagen verschlafen, weil sie einfach wahnsinnig viel Förderung bekommen haben?

Das ist nicht richtig. Die Hersteller haben überhaupt keine Förderung bekommen. Die Förderung fließt ja nur an die Leute, die sich Solaranlagen aufs Dach setzen. Und dadurch hat es natürlich den Markt angeregt und dadurch konnten auch die Hersteller gutes Geld verdienen.

Trotzdem hat man die Entwicklung verschlafen, sonst hätte man jetzt die Nase noch vorne.

Das ist völlig richtig. Man hat zu lange gesetzt auf das, was man schon hatte und hat sich zu wenig auf die neuen Technologien konzentriert, die uns zum Beispiel in unserem Institut zur Verfügung stehen. Das heißt, wir wissen schon wie man es besser, schneller und billiger machen kann.

Wenn wir 40 Jahre in die Zukunft gucken, wie sieht dann die Energieversorgung aus? Wie groß ist der Anteil der Sonne?

Also, ich glaube, wir könnten ohne weiteres  einhundert Prozent unseres Stroms erneuerbar herstellen. Meine Voraussage ist ein Drittel des Stroms aus Wind, ein Drittel aus der Solarenergie und ein Drittel kommt aus Wasser, Geothermie und den anderen Quellen, Biomasse natürlich auch der erneuerbaren Energien. So können wir ein stabiles Stromversorgungsnetz zu einhundert Prozent aus erneuerbaren Energien aufbauen.

Wir drücken Ihnen und damit auch uns die Daumen, dass das so klappt. Vielen Dank, Herr Weber.

Vielen Dank, gerne.

(Interview: Ingolf Baur)