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Welt

Innehalten und Erinnern an Ground Zero

In einer bewegenden Zeremonie wurde in New York die Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags vom 11. September 2001 eingeweiht. Anwesend waren Familien der Opfer, Präsident Obama und sein Amtsvorgänger George W. Bush.

Obama vor der Gedenkstätte (Foto: dapd)

2983 Namen stehen auf den Bronzetafeln

"Cathy Smith – wir werden dich niemals vergessen" steht auf dem Plakat, das eine hübsche Frau mit kurzen dunklen Haaren zeigt. "Ich liebe Dich, Daddy", ist auf einem anderen Schild zu lesen und "Joyce Anne Carpeneto – Immer in unseren Herzen". Sie sind präsent, die Opfer des Anschlags vom 11. September, an diesem 10. Jahrestag der Anschläge, auf den Plakaten, Buttons und T-Shirts der Angehörigen, die gekommen sind, ihrer Liebsten zu gedenken und die offizielle Gedenkstätte einzuweihen.

Feuerwehrleute salutieren (Foto: dpa)

Hier entsteht bereits das neue "One World Trade Center"

Der Himmel ist bedeckt an diesem Tag, nicht so strahlend blau wie damals, als die beiden Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers rasten und Tausende in den Tod rissen. Die Zeremonie beginnt mit Dudelsackspielern und Trommlern. Sie begleiten die US-Flagge, die damals über den Trümmern des World Trade Centers wehte, auf die Tribüne, hinter der die Gedenkstätte liegt. Nachdem der Jugendchor aus Brooklyn die Nationalhymne gesungen hat, verliest US-Präsident Barack Obama Teile des 46. Psalms "Gott ist uns Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in allen Nöten. Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt." Der ehemalige Präsident George W. Bush zitiert aus einem Brief Abraham Lincolns an eine Mutter, die im Bürgerkrieg fünf Söhne verloren hatte: "Ich bete, dass der Himmlische Vater die Qualen Ihres Verlustes mindert und nur die schönen Erinnerungen an die Geliebten und Verlorenen erhält."

Hoffen auf Trost und Abschluss

Mary Beth Dougherty ist mit der ganzen Familie gekommen, insgesamt 24 Angehörige. Ihr Bruder Kevin James Murphy, der bei der Finanzfirma Marsh & McLennan arbeitete, starb im Nordturm, der als erster der beiden Türme in sich zusammenstürzte. "Ich hoffe, für meine Mutter ist es ein Abschluss", sagt die blonde Frau. Ihr Bruder habe auf dem Weg zum Büro immer ein besonderes Süßgebäck gekauft, und so hätten sie 24 dieser "black and white cookies" dabei, um sie nach der Zeremonie in Gedenken an Kevin gemeinsam zu essen.

Menschen pausen die Namen ab (Foto: dapd)

Angehörige an der Gedenkstätte

334 Angehörige verlesen die Namen von 2983 Opfern, die auch in die Bronzetafeln der Gedenkstätte eingraviert sind. Die Namen der Menschen, die im World Trade Center ums Leben kamen, im Pentagon, im Flug 93, der in Shanksville/Pennsylvania abstürzte, und bei dem ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993, bei dem sechs Menschen starben. Noch während der Zeremonie besuchen die Angehörigen die Gedenkstätte. Sie legen Rosen nieder und pausen mit Bleistiften die Namen ab. Ab Montag ist die Gedenkstätte auch für die Öffentlichkeit zugängig.

Gedenkstätte für alle Opfer

Dort, wo einst die Zwillingstürme des World Trade Centers standen, stürzt jetzt Wasser durch zwei Wasserbecken neun Meter in die Tiefe. Jedes Becken bedeckt eine Fläche von etwa 4000 Quadratmetern – es sind die "Fußabdrücke" der Türme. Hunderte von Eichen säumen den Platz. Sechs Schweigeminuten gibt es während der Zeremonie. Sie erinnern an die beiden Einschläge der Flugzeuge, an den Anschlag auf das Pentagon, den Absturz von Flug 93 und den Zusammensturz der Türme des World Trade Center. Es ist eine bewegende Zeremonie, die immer wieder von Musik untermalt wird. Der Cellist Yoyo Ma spielte Bachs Sarabande aus der Cello Suite Nummer 1, Paul Simon singt "Sounds of Silence". Im Hintergrund rauscht das Wasser der beiden Becken. Am Mittag, wenn alle Namen verlesen sind, endet die Gedenkfeier mit dem Zapfenstreich.

Blick ins Becken (Foto: dpa)

Der 'Fußabdruck' des zerstörten World Trade Centers

Die sterblichen Überreste von Kevin James Murphy wurden nie gefunden – wie von so vielen, die zusammen mit den Türmen verbrannten. Viele der Angehörigen sagen, dass sie jetzt wenigstens einen Platz zum Trauern haben. Für Mary Beth Dougherty ist dieser 10. Jahrestag ein besonderer Tag, vor allem wegen der beiden Kinder ihres Bruders. An ihnen sehe man, sagt sie, wie die Zeit vergeht. Sie ist in der Vergangenheit schon öfter hierher gekommen, an anderen Jahrestagen und als sie vom Tod Osama Bin Ladens erfahren hat. "Zu kommen ist nicht schwierig," sagt sie. "Schwierig ist es, wieder von hier wegzugehen, denn dann", fährt sie fort und ringt um Fassung, "habe ich das Gefühl, ihn zu verlassen."

Autorin: Christina Bergmann, New York
Redaktion: Sabine Faber

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