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Kultur

Initiative für den Frieden: Gründung eines Jugendorchesters für die Ukraine

In der Ukraine wird ein nationales Jugendorchester gegründet. Jugendliche aus dem Osten und Westen des Landes werden gemeinsam musizieren. Das Bundesjugendorchester leistet dabei wichtige Unterstützung.

Kateryna Movchan Jugendorchester Ukraine (DW/Y.Dankevich)

Aus Luhansk: Flötistin Kateryna Movchan

Wenn Kateryna Movchan ihre Flöte in die Hand nimmt, gibt es für sie weder einen Krieg noch einen stressigen Alltag, sondern nur Mozart und ihr Instrument. Kateryna kommt aus Luhansk und wohnt seit zwei Jahren mit ihren Eltern in Kiew. "Ich bin lange nicht mehr zu Hause gewesen und will erst mal nicht wieder hin", sagt die 19-jährige. "Die tragischen Ereignisse im Osten unseres Landes belasten mich sehr." Die Musik hilft, die Traumata zu verarbeiten: "Ich war vier, als meine Eltern mir meine erste Flöte schenkten. Schon sehr bald habe ich gemerkt, dass beim Spielen alles andere zweitrangig wird. So ist es auch heute noch", erzählt sie.

Kateryna ist eine von 98 jungen Musikern, die am 11. und 12. Dezember 2016 aus dem ganzen Land nach Lviv in der West-Ukraine anreisten, um bei der Aufnahmeprüfung für das neue Jugendorchester des Landes vorzuspielen. Sie wurden aus über 300 Bewerbern ausgewählt und von einer internationalen Jury beurteilt.

Fünf junge Musiker mit unserem Spitzencellisten Konstantin (DW/Y.Dankevich)

Entspannt: Fotoshooting nach dem Vorspielen

Die Musiker kommen aus der ganzen Ukraine

In den repräsentativen Räumen des Palastes der Fürsten Potocki, die von der Stadt Lviv (Lemberg) für den zweitägigen Vorspielmarathon zur Verfügung gestellt wurden, herrscht Aufregung: "Die Orchestergründung ist eine tolle Sache", sagt der Hornist Bogdan Schajnjuk aus Odessa. Zum ersten Mal kämen junge Menschen aus der ganzen Ukraine zusammen. Sonst bliebe man eher unter sich. 

Genau das ist das Ziel: Neben der Förderung begabter junger Menschen soll das nationale Jugendorchester helfen, gegenseitige Ressentiments abzubauen. "Die West- und Ostukrainer haben oftmals ein eher distanziertes Verhältnis zueinander", sagt Oksana Lyniv. Darin liege der Kern vieler Probleme, mit denen die Ukraine heute zu tun habe. "Nur durch persönliche, enge Kontakte und vor allem durch die kreative Zusammenarbeit finden Menschen einen gemeinsamen Nenner", sagt sie.

Unterstützung kommt aus Deutschland

Unter den Jurymitgliedern waren, neben namhaften ukrainischen Musikern, auch Vertreter der deutschen Musikwelt. Das Bundesjugendorchester und das Beethovenfest Bonn stehen Pate bei der Gründung des neuen ukrainischen Orchesters.

Ukraine Dirigentin Oksana Lyniv mit A.Boutsko und S.Lentz (DW/Y. Dankevich)

Ein Orchester wird gegründet: Dirigentin Lyniv (Mitte) mit Kollegen

"Es ist uns eine Freude und eine Ehre, diese wunderbare Initiative der ukrainischen Kollegen unterstützend zu betreuen", sagt Albrecht Holder. Der Professor für Klarinette von der Musikhochschule Würzburg ist vom Deutschen Musikrat nach Lviv (Lemberg) delegiert worden.

Er ist begeistert von der Leistung der jungen Musiker – aber auch vom Land, das er zum ersten Mal sieht: "Es ist ein totaler Unterschied! Wir werden von den Medien beeinflusst, die von Krieg und Krisen berichten, aber wenn man etwas hier ist, in Lviv, so erlebt man eine westliche Stadt mit einem fröhlichen kulturellen Leben. Es müssen einfach viel mehr Leute hierher kommen, um den Eindruck selbst zu bekommen."

Neues Orchester tritt auch in Bonn auf

Der erste große Auftritt des neugegründeten Orchesters steht schon an: Im September 2017 sollen die ukrainischen Musiker nach Bonn reisen und dort zusammen mit ihren Altersgenossen vom Bundesjugendorchester ein Programm erarbeiten. Dieses wird im Rahmen des Campus-Konzerts der DW und des Beethovenfestes am 14. September präsentiert.

Kateryna Movchan ist von der Idee begeistert: "Deutschland ist mein großer Traum. Ich liebe die Berliner Philharmoniker. Ich lade oft aus dem Internet die Aufnahmen der Konzerte herunter. Es ist einmalig, wie die spielen… Ich kann mich natürlich mit denen nicht vergleichen, aber irgendwie ist man stolz, den gleichen Beruf auszuüben – ich bin ja schließlich auch Musikerin."

 

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