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Politik

Inhalte und Verpackung

Viel wurde geredet im Wahlkampf. Doch die Politiker haben in ihren Reden viel zu wenig gesagt, findet Wolter von Tiesenhausen. Auf die Verpackung kam es vielmehr an.

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Wolter von Tiesenhausen

Angeblich leben wir in einer nüchternen Welt. Alles liegt offen und ist von jedermann einzusehen. Transparenz ist geboten. Das gilt für den Beipackzettel der Pillenschachtel genauso wie für den Stempelcode des Hühnereis und natürlich ganz besonders für die hohe Politik. Programme der Parteien werden schon im Entwurfstadium öffentlich präsentiert, dann von der Basis diskutiert und auf nicht minder öffentlichen Parteitagen beschlossen. Jeder, der will, kann sich ausgiebig informieren.

Doch dann bricht über das Land ein Wahlkampf herein. Und plötzlich geht es nicht mehr um die Inhalte, sondern vor allem um die Verpackung. Nicht was Angela Merkel und Gerhard Schröder gesagt und gefordert haben, steht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, sondern wie sie es gesagt haben. "Wie kamen sie an", fragen die Demoskopen. "Wie kamen sie 'rüber", wollen die Gazetten wissen. Nicht der bunte Strauß der politischen Ideen interessiert, sondern das drum herum drapierte Flitterzeug.

Vielleicht liegt es daran, dass die Ideen so neu nicht sind. Schließlich mussten sie durch die Mühlen der öffentlichen Diskussion, wurden wieder und wider vorgetragen, geprüft, kritisiert oder belobigt. Das interessierte Publikum sollte sie kennen. Um dennoch dem Informationsbedürfnis genüge zu tun, schweift der Blick vom Inhalt auf die Verpackung, zumal über buntes Beiwerk sich leichter plaudern lässt als über trockene politische Fakten.