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Aktuell Europa

Inhaftierte türkische Journalisten kritisieren Merkel

Ihre Verhaftung führte zu einem Sturm der Entrüstung. Jetzt legen die beiden türkischen Redakteure nach, die wegen eines Zeitungsartikels im Gefängnis sitzen - mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel.

Das Redaktionsgebäude der Zeitung Cumhuriyet in Istanbul (Archivbild: OZAN KOSE/AFP/Getty Images)

Das Redaktionsgebäude der Zeitung "Cumhuriyet" in Istanbul (Archivbild)

Kurz vor dem EU-Sondergipfel mit der Türkei haben die verhafteten türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül die deutsche Bundeskanzlerin um Unterstützung gebeten. Sie hofften, dass der Wunsch nach einer Lösung in der Flüchtlingskrise Angela Merkel nicht davon abhalten werde, "weiterhin die westlichen Werte wie Bürgerrechte, Meinungs- und Pressefreiheit hoch zu halten und zu verteidigen", schreiben die Redakteure. In ihrem offenen Brief aus der Untersuchungshaft kritisieren sie zudem Merkels Verhandlungen mit der Türkei. Die türkische Regierung lasse "jede Achtung und jeden Respekt für die Meinungs- und Pressefreiheit vermissen".

Ein Sprecher der Bundesregierung wollte den Brief nicht kommentieren. Merkel trifft am Sonntag in Brüssel auch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu zusammen. Am gleichen Tag soll das Schreiben der Journalisten in der Zeitung "Cumhuriyet" veröffentlicht werden.

Can Dündar (rechts) und Erdem Gül (Archivbild: Vedat Arik/Cumhuriyet via AP)

Damals noch frei: Can Dündar (rechts) und Erdem Gül (Archivbild)

Enthüllungsstory wurde zum Verhängnis

Die türkische Polizei war am Freitag in Ankara

gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen,

die gegen die Festnahmen protestierten. Auch zahlreiche Menschenrechts- und Journalistenorganisationen im In- und Ausland hatten mit Empörung auf die Inhaftierung reagiert. Sie verlangen die umgehende Freilassung der beiden "Cumhuriyet"-Redakteure.

Dündar, der Chefredakteur des Blattes, und Gül, der Hauptstadtkorrespondent, waren am Donnerstag verhaftet worden. Ihnen werden unter anderem Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Spionage vorgeworfen. Hintergrund ist ein von Dündar und Gül verfasster Bericht vom Sommer über angebliche Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Extremisten in Syrien. Kritiker unterstellen der türkischen Regierung schon länger, radikal-islamische Gruppen in Syrien im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad mit Waffen zu unterstützen.

jj/pg (dpa, afp, rtr)