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Amerika

Ingrid Betancourt empört Kolumbien

Über sechs Millionen Euro Entschädigung für ihre Entführung durch die Guerilla verlangte Ingrid Betancourt vom kolumbianischen Staat. Nach einer Welle heftiger Kritik zog sie ihre Forderung zurück.

Ingrid Betancourt (Foto: AP)

Ingrid Betancourt

Ingrid Betancourt rudert zurück: Angesichts einer Welle des Protests verzichtet die frühere kolumbianische Politikerin auf eine millionenschwere Entschädigungs-Forderung. Gegenüber Medien in Bogotá bedauerte Betancourt ihre Ende Juni an den kolumbianischen Staat gerichtete Forderung. Umgerechnet 6,5 Millionen Euro hatte sie über ihre Anwälte als Kompensation für ihre Entführung durch die Guerilla und anschließende sechsjährige Geiselhaft verlangt.

Die Summe bezeichnete Betancourt in einem Fernsehinterview nun selbst als "absurd und symbolisch". Auch habe sie nie ernsthaft vorgehabt, das Geld gerichtlich einzuklagen. Vielmehr wollte sich die wohl prominenteste Ex-Gefangene der Guerilla durch ihre Forderung nur mit anderen Ex-Geiseln solidarisch zeigen.

Ehemalige Leidensgenossen, die ebenfalls Entschädigungs-Verhandlungen mit dem Staat führten, hätten sie um Hilfe gebeten, sagte die am 2. Juli 2008 medienwirksam vom Militär befreite frühere Präsidentschaftskandidatin. Außerdem habe sie die Forderung gestellt, um endlich über die Umstände ihrer Entführung sprechen zu können. Allerdings sagte sie nicht, warum sie das nicht auch in den zurückliegenden zwei Jahren hätte tun können.

Videoaufnahme der Befreiung Ingrid Betancourts (Foto: AP)

In einer spektakulären Aktion wurde Betancourt 2008 medienwirksam vom Militär nach sechs Jahren Geiselhaft befreit

Alter Streit neu entfacht

Mit ihrer Entschädigungs-Forderung hat Betancourt einen seit Jahren gärenden Streit neu entfacht. Es geht um die Frage nach der Verantwortung für ihre Entführung durch die FARC-Guerilla im Februar 2002. Betancourt wirft dem Staat vor, sie als damalige Präsidentschafts-Kandidatin nicht ausreichend vor den Gefahren einer Autofahrt durch das Rebellengebiet gewarnt zu haben. "Niemand hat mich zurückgehalten", klagte sie im Interview von New York aus mit dem Fernsehsender Caracol.

Die Regierung widersprach Betancourt auch hinsichtlich der Umstände ihrer Entführung. Sie sei sehr wohl mehrmals gewarnt worden und habe sogar eine Erklärung unterschrieben, dass sie die Fahrt auf eigene Gefahr unternehme, so der damalige Friedensbeauftragte der Regierung, Camilo Gómez. An die Unterschrift unter ein solches Dokument könne sie sich nicht mehr erinnern, sagte dagegen Betancourt.

In Kolumbien nicht unumstritten

Betancourt nach ihrer Freilassung in Paris 2008 (Foto: AP)

In Kolumbien nie so beliebt wie in Europa: Betancourt nach ihrer Freilassung in Paris

Mit ihren jüngsten Äußerungen dürfte die Popularität Ingrid Betancourts in ihrer Heimat kaum gestiegen sein. In Kolumbien war die aus vermögendem Hause stammende ehemalige Politikerin nie so beliebt wie im fernen Europa. Auf ihre hohe Geldforderung reagierte die kolumbianische Öffentlichkeit nun empört. Staat, Kirche und auch Ex-Geiseln äußerten scharfe Kritik. Vizepräsident Francisco Santos geißelte das Verhalten Betancourts als Ausdruck von "Undankbarkeit und Habgier". Auch das Verteidigungsministerium reagierte pikiert. Angesichts der Mühe der Streitkräfte bei ihrer Befreiung, sei man überrascht und erschüttert über die genannten Forderungen.

Betancourt, die neben der kolumbianischen auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, lebt inzwischen in Frankreich. Dort will sie im September ihre Memoiren veröffentlichen. Nach Angaben des Wochenmagazins "Semana" sind der prominenten Ex-Geisel dadurch bereits jetzt Einnahmen in Höhe von 5,4 Millionen Euro garantiert.

Autor: Sven Töniges (epd, dpa)

Redaktion: Mirjam Gehrke