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Kultur

Ingmar Bergman gestorben

Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman ist tot. Bergman prägte mit Filmen wie "Lächeln einer Sommernacht", "Wilde Erdbeeren" und "Das Schweigen" das Kino in den Jahren nach 1950.

Ingmar Bergman im Jahr 2000, Quelle: AP

Ingmar Bergman im Jahr 2000

Der schwedische Filmregisseur Ingmar Bergman ist in seinem Haus auf der Ostseeinsel Farö gestorben. Die schwedische Nachrichtenagentur TT meldete am Montag (30.7.07) unter Berufung auf Bergmans Schwester Eva, der Filmemacher sei im Alter von 89 Jahren friedlich eingeschlafen.

"Wirklichkeiten außerhalb der Wirklichkeit"

Auf Farö vor der Nordspitze von Gotland hat Bergman die letzten Jahrzehnte zurückgezogen gelebt. Auch für eine große Ehrung wollte der am 14. Juli 1918 geborene Pastorensohn aus Uppsala sein Domizil auf der kleinen Ostseeinsel nicht verlassen: Er schickte, auch mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, seine Ex-Gefährtin Liv Ullmann nach Cannes im fernen Südfrankreich, als er von den berühmtesten Regisseuren der Welt beim 50. Filmfestival in Cannes zum "größten Filmregisseur aller Zeiten" gewählt wurden.

In seiner langen Karriere drehte er etwa 40 Filme, darunter das mit vier Oscars gekrönte autobiographisch geprägte Werk "Fanny und Alexander" (1982). Über den innersten Kern seine Filmarbeit meinte er selbst einmal: "Ich weiß nämlich, dass wir mit Hilfe des Films in bisher nie gesehene Welten eindringen können. In Wirklichkeiten außerhalb der Wirklichkeit."

Bis zuletzt geschrieben

Bergman 1998 bei einer Pressekonferenz in Stockholm, Qulle: AP

Bergman 1998 bei einer Pressekonferenz in Stockholm

Auf Farö sah sich Bergmann in seinem Heimkino täglich Filme an, schrieb bis zuletzt Texte für Bücher und für sich selbst, empfing Besuch von seiner nach fünf Ehen und acht Kindern weit verzweigten Familie. Auch seinen Abschied von der Filmarbeit zelebrierte Bergman hier, als er 2003 auf Farö mit alten Weggefährten seinen endgültig letzten Spielfilm "Sarabande" drehte, die Fortsetzungsgeschichte von "Szenen einer Ehe" (1973).

Ullmann spielte wie auch ihr damalige Partner Erland Josephson 30 Jahre zuvor die Hauptrolle und meinte danach: "Die Art, wie Bergman am letzten Tag war und sich verabschiedet hat, das war nicht nur ein Abschied, weil der Film abgedreht war. Er verabschiedete sich in einer Weise, dass ich wusste, er wollte sagen, nun habe ich das letzte Mal ein Filmset als Regisseur verlassen."

Vergebliche Suche nach Sinn

Wie es früher gewesen war, als der Schwede in Filmen wie "Lächeln einer Sommernacht" (1955), "Jungfrauenquelle" (1959) oder "Persona" (1966) traumatische Kindheitserlebnisse zu höchst schmerzhaften Leinwanderlebnissen über Verlassenheit, Schuld und Sühne verarbeitete, beschreibt Liv Ullmann so: "Beim Frühstück hat er mir seinen letzten Albtraum erzählt. Ich dachte, oh Gott, in dem Film werde ich dann demnächst mitspielen."

Bergmans Filme wurden vor allem in 60er-Jahren zum Inbegriff von - vergeblicher - Suche nach Sinn im Leben, Vergebung und göttlicher Gnade. Der unvergleichliche Sinn des Schweden für eindrückliche Bilder in Schwarzweiß machte dabei zunächst weit weniger Schlagzeilen als die für die damalige Zeit äußerst gewagten Sexszenen.

Bergmann wurde weltberühmt, nahm Oscars in Empfang, liierte sich gerne mit schönen Schauspielerinnen und wurde im eigenen Land immer mehr zu einer Art unangreifbarem Kulturpapst. Das Stockholmer Nationaltheater Dramaten leitete er nach Meinung seines Dramatikerkollegen Lars Norén wie der "despotische Chef eines kapitalistischen Freudenhauses".

Erfolglos in München

Bergman ist Streit nie aus dem Weg gegangen. Als ihn Polizisten wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung 1976 aus einer Theaterprobe heraus zeitweise festnahmen, verließ der weltberühmte Regisseur sein Land unter lautem Protest und ließ sich einige Jahre in München nieder. Großen künstlerischen Erfolg allerdings hatte er dann erst wieder nach seiner Rückkehr in die Heimat mit dem großen Familienepos "Fanny und Alexander" 1983, der ihm noch mal einen Oscar einbrachte.

Danach war, bis auf "Sarabande", Schluss mit der Filmarbeit. Bergman inszenierte weiter fleißig im Dramaten, schrieb viel und mischte sich von Farö aus immer mal wieder munter ein. Etwa, als er eine Gerichtsklage gegen Werbeunterbrechungen im Fernsehen unterstützte: "Wenn ein Film im TV von Empfehlungen für Mahlzeiten, Motorräder und Damenbinden unterbrochen wird, gerate ich in Zorn, mein Blutdruck steigt, und mich trifft ein emotionaler Schock. Ich fühle mich beleidigt und misshandelt."

Bergman berichtete als sehr hager gewordener und zu Tränen neigender alter Herr mit klarem Verstand, er sehe sich in seinem legendären Privatkino am liebsten alte Filme an. "Meinen Kindern schmeckt das überhaupt nicht, wenn sie zu mir zu Besuch kommen. Die wollen lieber den letzten Streifen von Clint Eastwood sehen." (stu)