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Kultur

Ingenieursleistung zum Weltkulturerbe gekürt

Die Oberharzer Wasserwirtschaft ist von der UNESCO zur Weltkultur- und Naturerbestätte erklärt worden. Das Wassersystem ist vor 800 Jahren zur Energieversorgung des Bergbaus entwickelt worden.

Teich mit Striegelhaus in Clausthal-Zellerfeld (Foto: dpa)

Dieser idyllische Teich gehört künftig zum Weltkulturerbe

107 historische Teiche und Gräben in einer Gesamtlänge von 310 Kilometern, dazu 30 Kilometer unterirdische Wasserläufe und etwa 100 Kilometer Stollen. Die Oberharzer Wasserwirtschaft ist eine weltweit einzigartige Anlage, angelegt von Zisterziensermönchen zur Energieversorgung des Bergbaus. Die Ingenieursleistung hat die Experten der Unesco überzeugt. Das Welterbekomitee setzte sie am Samstag (31.07.2010, Ortszeit) in Brasilia auf die Liste der besonders schützenswerten Kultur- und Naturerbestätten. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Mönche als findige Ingenieure

Die Harzer Wasserwirtschaft war vom Mittelalter bis ins Industriezeitalter der einzige Energielieferant für den dortigen Bergbau. Mönche des Klosters Walkenried hatten im frühen 13. Jahrhundert erste Teich- und Grabensysteme konstruiert, Bergleute bauten sie über die Jahrhunderte aus. Da es in dem Gebiet keine Flüsse oder Bäche gab, sammelten die Bergleute über diese Anlage Wasser in Speichern. Von dort wurde es zu den Bergwerken und Hütten geleitet, wo es unzählige Wasserräder über- und untertage antrieb. Damit wurde die Energie gewonnen, um mit hölzernen Pumpen eingesickertes Wasser aus den Gruben zu befördern.

"Etwas Vergleichbares gibt es nirgendwo", sagt der niedersächsische Landesdenkmalpfleger Reinhard Roseneck, der den deutschen Antrag an die UNESCO vorbereitet hat. Ähnliche Systeme seien zwar in der Slowakei, Norwegen und bei Freiberg in Sachsen-Anhalt zu finden, doch alle drei seien längst nicht so ausgeklügelt und vor allem weitaus kleiner.

Geld und Ruhm und viele Touristen

Dem Weltkulturerbekomitee lagen bei seiner 34. Jahrestagung in Brasilien insgesamt 39 Aufnahmeanträge vor. Wer auf die begehrte Liste gesetzt wird, kann auf Fördergelder hoffen und mit mehr Touristen rechnen. Mit der Ernennung der Harzer Wasserwirtschaft ist nach dem Bergwerk Rammelsberg im Harz, der Völklinger Hütte und der Zeche Zollverein in Essen ein viertes Denkmal der Industriegeschichte als international einzigartig ausgezeichnet worden. Zu den 33 UNESCO-Welterbestätten in Deutschland gehören u.a. auch der Kölner Dom, die Altstädte von Wismar und Stralsund und das Wattenmeer.

Computeranimation von der geplanten Brücke (Foto: photomontage Archimation for Heneghan Peng Architects pixel)

Die geplante Brücke über das Obere Mittelrheintal

Auch das Obere Mittelrheintal mit der Loreley gilt als Weltkulturerbe. Die Unesco musste allerdings zuletzt darüber entscheiden, ob eine geplante Brücke mit dem Welterbestatus vereinbar ist und gab grünes Licht. Die Region bleibt trotz dieser einschneidenden Baumaßnahme weiter auf der Liste.

Keine Entscheidung für die Ewigkeit

Das Komitee prüft auch immer wieder, ob frühere Auszeichnungen noch ihre Berechtigung für das Weltkulturerbe haben. So strichen die Experten in einer nicht unumstrittenen Entscheidung die Galápagos-Inseln von der Roten Liste der bedrohten Welterbestätten. Zwei Denkmäler in Georgien dagegen, die Bagrati-Kathedrale und das Gelati-Kloster, sehen die Welterbe-Schützer durch Restaurierungsarbeiten gefährdet und setzten sie auf die Rote Liste. Auch der Nationalpark Everglades im US-Staat Florida erhielt wegen sinkender Wasserpegel und Verschmutzung die Gelbe Karte. Eine Mahnung erhielt die Inka-Ruinenstadt Machu Pichu in Peru – hier sollen die Touristenströme besser kontrolliert werden.

Autorin: Sabine Faber (dpa, afp)

Redaktion: Ulrike Quast

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