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Kultur

Informations-Puzzle über die Katastrophe in Nordkorea

Nur langsam und über Umwege formt sich ein Bild von dem Explosionsunglück, bei dem am Donnerstag (22.4) mehr als tausend Menschen getötet oder verletzt wurden. Anscheinend explodierte ein mit Dynamit beladener Zug.

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Bei dem schweren Zugunglück in Nordkorea sind nach Angaben des Roten Kreuzes 54 Menschen getötet worden. Weitere 1249 Menschen hätten in dem Unglücksort Ryongchon im Grenzgebiet zu China Verletzungen erlitten, teilte die Organisation am Freitag (23.4.) in Peking mit. Die Zahl der Toten könne noch steigen, hieß es, was bei 1850 völlig und 6350 teilweise zerstörten Häusern auch wahrscheinlich ist.

Ursache des schweren Zugunglücks vom 22.4. ist nach Angaben der Führung in Pjöngjang nicht eine Kollision, sondern Sprengstoff: Demnach kamen in der 120.000-Einwohner-Stadt Ryongchon zwei mit Dynamit beladene Eisenbahnwaggons auf einem Nebengleis mit elektrischen Leitungen in Berührung, wie ein UN-Vertreter in Peking nach nordkoreanischen Informationen berichtete. Ursprünglich war von einem Zusammenstoß zweier mit Treibstoff und Flüssiggas beladenen Züge berichtet worden. Die Detonation machte nach Augenzeugenberichten in einem Umkreis von 100 Metern alles dem Erdboden gleich. Südkoreanische Schätzungen gingen von bis zu 3000 Opfern aus. Der britische Fernsehsender BBC zeigte Satellitenaufnahmen, auf denen riesige Rauchwolken über der Stadt zu sehen waren.

Internationale Hilfe akzeptiert

Satellitenfoto von Ryongchon Nordkorea

Satellitenfoto von Ryongchon Nordkorea

Die nordkoreanische Führung blieb ihrer Informationspolitik treu - und schwieg. Bestätigt wurde die Katastrophe bisher nur indirekt. Die Regierung in Pjöngjang habe das Rote Kreuz gebeten, Mitarbeiter nach Ryongchon zu entsenden, teilte der Delegationschef der Rotkreuzgesellschaften in Peking, Alister Henley mit. Hilfsgüter wie Medizin oder Decken könnten aus den laufenden Programmen in Nordkorea genommen werden und seien auch nur 20 bis 30 Kilometer vom Unglücksort entfernt. Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe in Nordkorea bereiten ebenfalls Hilfsmaßnahmen für die Opfer des Zugunglücks im Norden des Landes vor. "Wir haben überraschend schnell die Genehmigung des staatlichen Komitees für Katastrophenhilfe", um uns ein eigenes Bild über die Lage am Unglücksort zu machen', erklärt Ralph Gust-Frenger, Regionalkoordinator der Deutschen Welthungerhilfe in Pjöngjang. Auch ein Hilfsangebot der Vereinten Nationen (UNO) akzeptierte die Führung Nordkoreas bereits. Eine Mission verschiedener UN-Hilfsorganisationen werde sich an den Schauplatz der Katastrophe begeben, sagte ein Sprecher des UN-Welternährungsprogramms (WFP) am Freitag in Genf. Wie die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mitteilte, sollte am Samstag auch ein Vertreter der Europäischen Union ins Unglückgebiet reisen. Mit Einverständnis der nordkoreanischen Führung solle er den Bedarf an Hilfsgütern ermitteln.

Aus Nordkorea selbst gibt es kaum offizielle Informationen, Nordkorea ist das am stärksten abgeschottete Land der Welt. Die Führung in Pjöngjang habe den Notstand über die Region und eine de-facto-Nachrichtensperre verhängt, indem sie die internationalen Telefonleitungen sowie Zugverbindungen nach China kappte, berichteten südkoreanische Medien. (sams)

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