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Wirtschaft

Inflation statt Deflation

Mit der Finanzkrise endete der Traum vom hohen Wachstum bei dauerhaft niedriger Inflation. Für das neue Jahrzehnt erwartet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ein niedrigeres Wachstum und höhere Inflation.

Dr. Thomas Mayer, seit Januar Chefvolkswirt der Deutschen Bank (Foto: Deutsche Bank)

Dr. Thomas Mayer, seit Januar Chefvolkswirt der Deutschen Bank

Die gute Nachricht: die Rezession ist überwunden; die weniger gute: der Aufschwung fällt bescheiden aus und wird von größeren Schwankungen begleitet. Konkret sieht es für die kommenden zwei Jahre so aus, "dass wir im ersten Halbjahr 2010 ein Wachstumshoch sehen können in allen Industrieländern, das sich dann aber gegen Ende des Jahres wieder abschwächen wird", sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank seit dem 1. Januar 2010. Im Laufe des ersten Halbjahres 2011 würde die Wirtschaft in der Phase niedrigeren Wachstums verharren, um in der zweiten Jahreshälfte wieder nach oben zu gehen, so Mayer weiter.

Symbolbild Aufschwung

Rezession ist überwunden

Für die Eurozone würde ein "Wachstumshoch" lediglich zwei Prozent bedeuten. Auch für das gesamte Jahrzehnt erwartet Mayer für die USA und Europa ein durchschnittliches Wachstum von ein bis zwei Prozent. Hingegen rechnet er mit einem höheren Tempo von bis zu fünf Prozent jährlich für die Schwellenländer. Die "sanfte Abkoppelung" von den Industrieländern, die seit dem Platzen der Internetblase zu beobachten ist, wird sich nach der Meinung von Thomas Mayer im neuen Jahrzehnt fortsetzen.

"Eine kontrollierte Anhebung des Renminbi wäre hilfreich"

China beispielsweise hat sich als erste große Volkswirtschaft von der Krise erholt. Trotz bereits überhitzter Entwicklung in manchen Regionen sieht der neue Chefvolkswirt der Deutschen Bank keine flächendeckende Blasenbildung im Reich der Mitte: "Risiken sind da, wir sehen aber noch nicht, dass sie so gefährlich sind, dass man vor einem Crash der chinesischen Wirtschaft warnen muss." Allerdings wäre es sehr hilfreich, wenn die chinesische Regierung etwas offener gegenüber dem Wechselkurs sein würde und zumindest eine kontrollierte Anhebung des Renminbi zulassen würde, meint Thomas Mayer. Das würde helfen, die überschäumende Konjunktur und die Inflation in China etwas abzukühlen.

Stichwort Inflation: Noch ist das Thema für die Industrieländer nicht akut. Doch auf eine mittlere Sicht von fünf Jahren rechnet Thomas Mayer mit einer deutlichen höheren Inflationsrate als zwei Prozent, dem offiziellen Inflationsziel der Eurozone. Im Moment liegt sie knapp unter einem Prozent. Der wichtigste Grund für diese Annahme liegt in der hohen Staatsverschuldung, die durch die Bekämpfung der Wirtschaftskrise massiv ausgeweitet wurde. Entsprachen die Defizite vor der Krise 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Industrienationen, werden sie bis 2020 Richtung 140 Prozent tendieren. Zum Vergleich: In den Schwellenländern betrugen die Staatsschulden 2009 circa 40 Prozent ihres BIP, bis 2020 wird diese Quote nach Berechnung der Deutschen Bank auf 36 Prozent sinken. Das ist übrigens auch ein Grund, warum die Schwellenländer den Industrienationen davon ziehen werden, denn eine Verschuldungsrate ab 90 Prozent wirkt wachstumshemmend.

"Es wird alles getan, um eine Deflation zu vermeiden"

Die Euro-Skulptur und Europaeische Zentralbank (Foto: AP)

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Geldschleuse geöffnet

Das enorme Zentralbankgeld, das für die Rettung des Bankensystems in die Märkte geflossen ist, erzeugt zusätzlichen Druck für die Inflation. Doch die Gefahr einer höheren Inflation wird nicht von allen Experten gesehen. Gerne wird das Schreckensszenario der Deflation an die Wand gemalt, also fallende Preise. Das mag für die Konsumenten auf den ersten Blick attraktiv sein. Doch würde eine Deflation dazu führen, dass sich die Bürger in Spekulation auf weiter fallende Preise mit dem Konsum zurückhalten und schließlich die ganze Wirtschaft erlahmt, siehe Japan der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Thomas Mayer erklärt, warum er das Risiko einer Inflation höher bewertet als das Risiko einer Deflation: "Weil die Zentralbanken, weil die Wirtschaftspolitik die Deflation als viel gefährlicher ansieht als eine kontrollierte Erhöhung der Inflation und deshalb alles tut, um Deflation zu vermeiden und dabei durchaus in Kauf nimmt, dass es vielleicht zu etwas höherer Inflation kommt." Das sei eine durchaus verständliche und gewissermaßen auch berechtigte Risikoabwägung, die aber dazu führen würde, dass das System mittel- bis langfristig eher zur Inflation hin tendiert.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Andreas Becker

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