Inflation auf Ideallinie | Wirtschaft | DW | 30.01.2017
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Wirtschaft

Inflation auf Ideallinie

Kräftig steigende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland zum Jahresbeginn auf den höchsten Stand seit Juli 2013 getrieben. Sie lag im Januar 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Das teilte das  Statistische Bundesamt am Montag anhand vorläufiger Daten mit. Damit zog die jährliche Teuerung im zweiten Monat in Folge deutlich an, für den Dezember hatten die Wiesbadener Statistiker 1,7 Prozent errechnet. Die Europäische Zentralbank strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an - Deutschland läge somit auf der Ideallinie. Treiber für den Preisanstieg waren erneut anziehende Preise für Heizöl, Kraftstoffe und Mieten. Energie war um 5,8 Prozent teurer als vor Jahresfrist.

Lange dümpelte die Inflation nahe der Nulllinie. Sprit und Heizöl wurden immer billiger. Doch inzwischen ziehen die Verbraucherpreise wieder an. Ökonomen sehen dennoch keinen Grund zur Sorge. Die Zeiten extrem niedriger Teuerungsraten nahe der Nullmarke sind jedoch vorerst vorbei.

Vor allem die Preisentwicklung bei Energie dämpfte lange Zeit den Anstieg der Teuerung. Seit Mitte 2014 wurde Rohöl vor allem infolge der weltweiten Überproduktion deutlich billiger. Ende vergangenen Jahres drehte der Trend. Der Ölpreis, der im Dezember 2015 noch bei 38 Dollar je Barrel (159 Liter) lag, stieg kräftig auf mehr als 50 Dollar. Das Ölkartell Opec und andere Förderstaaten hatten sich geeinigt, die Produktion zu verringern, um den Preis für das schwarze Gold nach oben zu treiben.

Kein Dämpfer für die Kauflaune

Indes: Einen kräftigen Ölpreisanstieg in den nächsten Monaten halten Beobachter für unwahrscheinlich. Die Erdöl exportierenden Länder hätten sich selten an ihre verringerten Förderquoten gehalten, argumentiert der Nürnberger GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Außerdem wollten die USA das Öl-Fracking wieder hochfahren. Ein größeres Öl-Angebot drückt in den Regel den Preis.

Erstmals seit Herbst 2013 mussten Verbraucher in Deutschland im Dezember jedoch für Tanken und Heizen wieder tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahresmonat. Die höheren Benzin- und Heizölpreise zehren an den Einkommen der Konsumenten und engen den Spielraum für andere Anschaffungen ein. Steigende Preise seien "Gift für das Konsumklima", sagt GfK-Experte Bürkl. 

Doch noch lassen sich die Verbraucher die Stimmung nicht verderben. Sie starteten mit großem Optimismus und ausgeprägter Kauflaune ins neue Jahr. Das liegt auch an der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Zudem haben die steigenden Energiepreise bisher noch nicht auf andere Bereiche durchgeschlagen. Die Kerninflation, aus der Nahrungsmittel und Energie herausgerechnet sind, lag zuletzt unter einem Prozent.

Wer spart, wird bestraft

Sparbuch, Tagesgeld und Co. werfen wegen der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum noch etwas ab. Bisher glich die niedrige Inflation diesen Effekt unter dem Strich aus. Das könnte sich nun ändern. "Die Nullzinspolitik bei steigender Inflation ist verheerend für den deutschen Sparer", sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) Anfang Januar dem "Handelsblatt".

Volkswirte trauen der Weltwirtschaft wieder etwas mehr Wachstum zu. Wenn die Konjunktur besser läuft, steigen tendenziell Löhne und Preise. Einen rasanten Anstieg der Lebenshaltungskosten erwarten Ökonomen indes nicht. Die Bundesbank rechnet in Deutschland für dieses Jahr mit einer moderaten Teuerungsrate von 1,4 Prozent, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 0,5 Prozent. "Es wäre aktuell falsch von einer Inflationsgefahr in Deutschland zu sprechen", mahnt Chefvolkswirt Otmar Lang von der Targobank zur Gelassenheit. 

Keine Zinswende in Sicht

Eine Zinswende im Euroraum zeichnet sich zum Leidwesen der Sparer vorerst nicht ab. EZB-Präsident Mario Draghi betont immer wieder, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben werden. Es gebe keine überzeugenden Anzeichen für einen Anstieg der Kerninflation, argumentiert Draghi. Er will vor allem eine mögliche Deflation bekämpfen.

Wenn die Preise für viele Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum kaum noch oder gar nicht mehr steigen, kann das die Konjunktur abwürgen. Verbraucher und Unternehmer könnten Investitionen aufschieben, weil es bald noch billiger werden könnte. Mit Nullzinsen und viel billigem Geld versuchen die Währungshüter im Eurotower dem gegenzusteuern. Die Geldflut soll die Konjunktur ankurbeln und die Inflation anheizen.

Mittelfristig strebt die EZB ein stabiles Preisniveau bei knapp unter 2,0 Prozent an. Aus Sicht der EZB zeigt die Geldschwemme zwar Wirkung. Deflationsrisiken seien weitgehend verschwunden, die Konjunktur sei auf dem Weg der Erholung. "Aber wir können uns nicht entspannen", argumentiert Draghi - und bittet um Geduld.

wen/ul (dpa)