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Wissen & Umwelt

Industriepflege im Zeichen des Panda?

Kooperiert der WWF mit "den größten Umweltsündern des Planeten"? Das sagt Wilfried Huismann in seinem Buch. Der Streit mit dem WWF wie man Naturschutz und Industrienähe vereinen kann, ist eskaliert.

WWF-Logo (Foto: picture-alliance/dpa)

WWF-Logo

Panda auf dem Joghurtbecher, Panda auf der Fischtüte - das Markenzeichen der Umweltorganisation WWF steht für Umweltverträglichkeit und gilt als eine der "vertrauenswürdigsten Marken der Welt", so Wilfried Huismann in seinem "Schwarzbuch WWF - Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda". Gerade deswegen hatte sich der Dokumentarfilmer aufgeregt, als das WWF-Siegel auf der Lachspackung einer norwegischen Firma entdeckt wurde, die seinen Recherchen zufolge für "eine Riesenschweinerei in ökologischer Hinsicht" verantwortlich ist. Ausgegraben hatte er die Informationen als er 2009 für einen Film über die Lachszucht in Chile war, erzählt Huismann im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Buchautor und Filmemacher Wilfried Huismann (Foto: Roderick Aichinger)

Schwarzbuch-Autor Wilfried Huismann

Dort würden "tonnenweise Antibiotika und Chemikalien ins Meer gekippt und auch die Fischbestände leer gefischt, um daraus Futter für die Lachse in den Käfigen zu machen". "Da werden Naturschutzprinzipien aufgegeben", sagt Huismann, wenn der WWF-Panda auf Produkten von Firmen erscheint, die nicht durchweg umweltbewusst agieren. Seitdem steht der Autor mit der Umweltschutzorganisation auf Kriegsfuß.

Kooperation mit großen Umweltzerstörern?

Im vergangenen Jahr löste Huismanns Film "Pakt mit dem Panda" eine heftige Kontroverse aus. In diesem Jahr wiederholte Huismann seine Vorwürfe in Buchform. Der WWF kooperiere mit "großen Umweltzerstörern wie zum Beispiel Monsanto, dem größten Gentechnikkonzern der Erde, oder mit British Petroleum und Shell" und verleihe ihnen dadurch ein "grünes Image", summiert Huismann im Interview.

Gegen solche Behauptungen im Buch wie auch damals im Film protestiert der WWF heftig. Der Autor habe ein Recht, seine Meinung über den WWF zu äußern, sagte WWF-Sprecher Jörn Ehlers im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Wo er darüber hinaus geht und falsche Tatsachenbehauptungen in die Welt bringt - da reagieren wir natürlich empfindlich."

"Aussage gegen Aussage"

Die Umweltorganisation beantragte beim Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen das "Schwarzbuch WWF". Das Gericht konnte einige der Einwände nachvollziehen, betonte aber gleichzeitig, der WWF müsse sich Kritik gefallen lassen. Seit Juni dieses Jahres bemühen sich die streitenden Parteien um eine außergerichtliche Einigung. Wenn es darum geht, genaue Nachweise zu erbringen, die Huismanns Vorwürfe widerlegen, wird es problematisch, gibt Ehlers zu.

Als Beispiel zitiert er Huismanns Äußerungen über die Arbeit des WWF in Indonesien. Dort gilt es, Wälder vor der Abholzung für Palmölplantagen zu schützen. Der WWF gebe sich mit dem Schutz eines kleinen Teils zufrieden und gebe den Rest der Abholzung preis, lautet Huismanns Kritik. Damit würde auch der Lebensraum der Orang-Utans zerstört, mit denen der WWF so effektiv um Spenden werbe. Der WWF legte im Gegenzug Satellitenbilder vor, die dies widerlegen sollen. Im Endeffekt sei es aber schwierig, das so detailliert nachzuweisen, sagt Ehlers. "Da steht dann Aussage gegen Aussage."

Zweifelhafte Zertifizierung

Ein weiterer Streitpunkt ist die Mitwirkung des WWF an runden Tischen mit Vertretern der Industrie, beispielsweise beim "Round Table Palm Oil". Diese Runde soll Kriterien und Standards für die Zertifizierung von "nachhaltigem Palmöl" erarbeitet. "Reiner Etikettenschwindel", sagt Huismann. Palmöl ohne Waldrodung gebe es nicht.

Orang-Utan Mutter mit Kind (Foto: picture-alliance/dpa)

Wenn Wälder gerodet werden, verlieren Orang-Utans ihren Lebensraum

Andere Umweltschutzorganisationen lehnen die Kooperation mit Industrievertretern an solchen runden Tischen ab. Dass es dabei um eine "Zusammenarbeit mit Naturzerstörern" gehe, wie von Huismann behauptet ", akzeptiert WWF-Sprecher Ehlers nicht. Es gehe bei den Gesprächen darum, Mindeststandards festzulegen, um die Natur zu entlasten, "nicht um irgendwelche Persilscheine auszustellen, Natur abzuholzen." Das Gleiche gelte für den Dialog mit der Sojaindustrie in Lateinamerika, auch wenn sie stark auf Gentechnik setze.

Greenwashing?

Die Gefahr, dass den Firmen durch die Teilnahme einer Umweltorganisation wie dem WWF an solchen runden Tischen ein grünes Image verpasst wird, sieht allerdings auch Ehlers. "Wir sind uns dieser Risiken bewusst. Wir diskutieren auch intern sehr intensiv darüber, ob uns das etwas nützt. Wir glauben, dass wir mit diesem Weg mehr erreichen, als wenn wir uns zurückziehen", meint der WWF-Sprecher. Wenn andere Organisationen zu einem anderen Schluss kommen, sei das legitim, "da müssen wir abwarten, mit welcher Strategie man letzten Endes am erfolgreichsten sein wird."

Im andauernden Streit liegen die Nerven zeitweise blank, der Ton ist rau. "Blödsinn, ein typischer Huismann", entfährt es dem routinierten Pressesprecher Ehlers bei der Frage, ob die Erstellung eines globalen Landnutzungsplans durch den WWF eine "Dienstleistung für die Industrie" darstelle. Huismann verdrehe die Tatsachen immer so, "als würde der WWF für alle Umweltzerstörung der Welt verantwortlich sein", kommentiert Ehlers.

Einigung geplatzt

Soja-Plantage in Paraguay (Foto: Friends of the Earth)

Soja-Plantagen in Lateinamerika liefern Viehfutter für die EU

Trotz der Differenzen standen die Streitparteien in den vergangenen Tagen kurz vor einem Kompromiss - bis der WWF eine mit der Verlagsgruppe Random House nicht abgesprochene Presseinformation über eine Einigung verschickte. Darin besteht der WWF unter anderem darauf, dass auch die Neuauflage des Buches "ein Zerrbild aus falschen Aussagen" zeichne. Daraufhin beendete der Verlag vorerst die Gespräche. Hätte das Buch, wie vom WWF behauptet, tatsächlich Falschaussagen und Diffamierungen enthalten, wären die entsprechenden Passagen vom Gericht direkt untersagt worden, so eine Stellungnahme des Verlags.

Prinzipienstreit

Die Eskalation des Streits belegt die Bedeutung der Kontroverse für die "größte und einflussreichste Umweltschutzorganisation Deutschlands", wie es im WWF-Leitbild heißt. Die Glaubwürdigkeit und das Image des Panda-Unternehmens stehen auf dem Spiel und damit auch Einnahmen. Bei der Auseinandersetzung zwischen Huismann und dem WWF geht es aber auch um grundsätzlich unterschiedliche Ansätze im Umweltschutz.

Während Greenpeace und andere Umweltorganisationen auf Protest und Opposition setzen, bleibt der WWF überzeugt, dass die Umwelt nur im Dialog mit der Industrie geschützt werden kann. Dies habe die Organisation in der Öffentlichkeit bis jetzt unzureichend begründet, sagt Ehlers. Das habe man aus der Schwarzbuch-Kontroverse gelernt: "Wir haben entschieden, diesen Weg zu gehen, weil wir glauben, dass wir damit am meisten erreichen können. Wir müssen vielleicht noch offensiver sagen, warum wir diese Dinge tun, damit die Leute das auch verstehen."

Mit dem "Schwarzbuch WWF" wollte Autor Huismann nach eigenen Angaben eine lebhafte Debatte in der Naturschutzbewegung auslösen. Diese scheint in vollem Gange zu sein - innerhalb und außerhalb des WWF. Wenigstens darin sind sich Autor und Umweltschutzorganisation einig. WWF-Spender und Verbraucher, die sich gerne auf das Pandazeichen verlassen würden, bleiben verunsichert. Während die Gespräche zwischen Verlag und WWF nach dem "Kommunikationsgau", wie Verlagsjustitiar Rainer Dresen die voreilige Presseinformation des WWF beschreibt, ausgesetzt sind, wird das Buch unverändert weiter verkauft - bereits in der zweiten Auflage.