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Wirtschaft

Industrie der scharfen Gegensätze

Während die deutschen Premiumhersteller von Rekord zu Rekord eilen, erleiden Franzosen und Italiener verheerende Umsatzeinbrüche. In Europas Autoindustrie wird die Kluft immer tiefer.

Ein Mann arbeitet an einem BMW der 6er Reihe. (Foto: dpa)

BMW Werk in Dingolfing Automontage

Die Gegensätze könnten kaum größer sein: Audi, Daimler und BMW beherrschen mittlerweile die automobile Oberklasse fast nach Belieben. Mit rund 80 Prozent Anteil am weltweiten Premiummarkt lassen sie die Konkurrenz weit hinter sich. Der Audi-Mutterkonzern Volkswagen will bis zum Jahr 2018 sogar größter Autoproduzent der Welt werden.

Während deutsche Hersteller Milliarden in neue Produktionsstätten und innovative Technik investieren, kündigt der französische PSA-Konzern mit seinen Marken Peugeot und Citroën Werksschließungen und Massenentlassungen an. Der italienische Autobauer Fiat steht auch mit dem Rücken zur Wand und fordert besonders strenge EU-Vorgaben für den Schadstoff-Ausstoß, weil er sich damit Vorteile für sein Kleinwagensortiment verspricht.

Harte Rabattschlachten

Zwischen Europas Fahrzeugherstellern verläuft die Front mittlerweile wie in der Schuldenkrise und beim Kampf um den Euro – nämlich zwischen Nord und Süd. Schon toben auch in Deutschland, dem wichtigsten europäischen Automarkt, die härtesten Rabattschlachten aller Zeiten.

"Das macht deutlich, dass nicht nur Südeuropa von der Schuldenkrise stark gezeichnet ist", sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit der DW.

Beschäftigte des Autobauerkonzerns PSA Peugeot-Citroen protestieren gegen die Schließung ihres Werks in Aulnay-sous-bois, Frankreich. (Foto: Xavier De Torres/MAXPPP)

Protest gegen Werksschließung: Beschäftigte des Autobauerkonzerns PSA Peugeot-Citroën

Märkte in Südeuropa brechen weg

Den französischen und italienischen Herstellern brechen krisenbedingt ihre wichtigsten Märkte weg, denn die liegen im Süden Europas. Anders die deutschen Autobauer: Sie sind weltweit aufgestellt. In den USA geht es wieder aufwärts. Dort sind deutsche Luxuskarossen sehr beliebt. Und vor allem China bleibt ein Wachstumsmarkt. Alleine VW verkauft dort 30 Prozent seiner Fahrzeuge.

Durch die Erfolge in Asien und Nordamerika sind die deutschen Autobauer einigermaßen unempfindlich gegenüber den Problemen in Europa – und die werden sich in Zukunft eher noch verschärfen.

Schlechte Aussichten

"In Europa muss man sich darauf einstellen, dass die Kapazitäten abgebaut werden", so Dudenhöffer, "dass Fabriken geschlossen werden, dass Zulieferer in Schwierigkeiten kommen werden - insbesondere in Südeuropa. Also die Aussichten sind alles andere als rosig."

In Frankreich versucht die neue sozialistische Regierung mit Subventionen gegenzusteuern. Mit hohen Prämien für den Kauf von Hybrid- und Elektroautos aus französischer Produktion will sie die kriselnde Autoindustrie unterstützen: Für Elektroautos soll die Prämie von 5000 auf 7000 Euro erhöht, für Hybridautos auf 4000 Euro verdoppelt werden.

Subventionen und Protektionismus

Außerdem will der Staat für den Stadtverkehr nur noch Elektrofahrzeuge kaufen. Zudem sollen Autobauer und Zulieferer in Schwierigkeiten günstige Kredite erhalten. Die französische Regierung will auch eine Überprüfung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Südkorea verlangen. Aus dem asiatischen Land kommen preisgünstige Fahrzeuge etwa vom Autobauer Hyundai.

Auch in Italien will man die EU zur Lösung der Probleme mit ins Boot holen. So fordert die Konzernspitze von Fiat, Geld aus der EU-Kasse bei der dringend notwendigen Stilllegung von Überkapazitäten – eine Art Abwrackprämie für ganze Autofabriken auf Kosten auch der deutschen Steuerzahler.

Abgase kommen aus dem Auspuff eines Fahrzeugs in Frankfurt. (Foto: ap)

Schärfere Klimarichtlinien: Rotes Tuch für deutsche Premiumhersteller

Schärfere Schadstoffregeln

Außerdem macht sich Fiat bei der EU für schärfere Klimaauflagen stark. Vor allem für die deutschen Hersteller ist dieses Thema ein rotes Tuch. Denn ihre schweren Fahrzeuge verbrauchen verhältnismäßig mehr Sprit als italienische Kleinwagen und stoßen deshalb auch mehr CO2 aus.

Dabei sind die Grenzwerte, die von der EU in den nächsten Monaten festgesetzt werden sollen, bereits ziemlich streng: Danach darf ein Neuwagen im Jahr 2020 im Durchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft blasen, was einem Benzinverbrauch von nur 3,7 Liter pro 100 Kilometer entspricht.

Gestritten wird aber noch um die Strafe, die Hersteller für jedes verkaufte Fahrzeug bezahlen müssen, wenn sie die Grenzwerte überschreiten. Für die Deutschen könnten höhere Strafen teuer werden, während Fiat verschont bliebe.

Innovationen aus Deutschland

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: Die deutschen Hersteller könnten mehr Kompaktwagen ins Sortiment nehmen und so ihren durchschnittlichen Flottenverbrauch senken. Gleichzeitig würde damit der Konkurrenzkampf auf dem Markt für kleinere Fahrzeuge weiter verschärft, was Fiat eventuell gar nicht gut bekommen würde.

Ferdinand Dudenhöffer verweist darauf, dass verschärfte Richtlinien seitens der EU bereits in der Vergangenheit große Innovationswellen bei den deutschen Herstellern in Gang gebracht hätten. Deshalb ist er auch im Hinblick auf die neuen Schadstoff-Grenzen nicht wirklich besorgt.

"Ich bin absolut sicher", so der Auto-Experte, "dass erstens die Regulierungen gut umsetzbar sind. Zweitens die Autos nicht unendlich teuer werden. Und drittens die deutsche Automobilindustrie einer der großen Profiteure sein wird, denn Spritspar-Technik kann man international verkaufen."

Vieles spricht dafür, dass die deutschen Autohersteller auch zukünftig in Europas Schlüsselindustrie den Ton angeben werden.

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