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Politik

Indonesische Gratwanderung

Die Armeen zahlreicher Länder helfen Indonesien, die Folgen der Flutkatastrophe zu bewältigen. Aber sie sind nicht gern gesehen. Obendrein bewegen sie sich in politisch sensiblem Gebiet: der Provinz Aceh.

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Fremdes Kriegsschiff vor der Küste von Sumatra


Anfangs wurde die Hilfe von den Indonesiern und der Regierung dankbar angenommen: Nahrung, Wasser und Medikamente sind knapp in der Provinz Aceh, wo tausende Menschen Not leiden. Dann aber machte der indonesische Vizepräsident Jussuf Kalla am 12. Januar deutlich, dass die Präsenz ausländischer Truppen nur für kurze Zeit erwünscht sei.

Hilfe für Indonesien: US-Hubschrauber bringen Hilfsgüter nach Aceh

Hilfe für Indonesien: US-Hubschrauber bringen Hilfsgüter nach Aceh

"Eine Periode von drei Monaten ist ausreichend", hatte der Präsident wissen lassen. "Je eher sie wieder abziehen, umso besser." Helfer und Journalisten müssen sich künftig registrieren lassen, wenn sie außerhalb der Städte Banda Aceh und Meulaboh arbeiten. "Sie [die Gebiete, Red.] sind nicht frei zugänglich. Jeder, der dorthin möchte, muss dies mit dem Militär abstimmen", sekundierte Militärsprecher Ahmad Yani Basuki. Die Armee habe jedoch nicht ausreichend Personal, um jeden zu schützen.

Die Vereinten Nationen warnten angesichts der verschärften Vorschriften vor möglichen Verzögerungen bei der Verteilung der Hilfsgüter. Eileen Burke, Sprecherin von "Save the Children", sagte, solche Maßnahmen ließen die Unterscheidung zwischen militärischen Einsätzen und Hilfsaktionen verschwimmen. Ihre Organisation sei bislang auch ohne Eskorte auf keinerlei Probleme gestoßen. Ähnlich äußerte sich ein Mitarbeiter des Kinderhilfswerks CCF. Militäreskorten erhöhten die Gefahr von Anschlägen eher, vermutet er.

Zwischen Ausländerfeindlichkeit und Dankbarkeit

Inzwischen hat der indonesische Außenminister Hassan Wirajuda die Drei-Monats-Frist relativiert: Es hänge "vom Fortschritt der Hilfsmaßnahmen" ab, wie lange die ausländischen Helfer und Soldaten im Lande bleiben würden, sagte er nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne). Die Regierung in Jakarta bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Dankbarkeit für die Hilfen und tief verwurzeltem Nationalstolz.

Nationalismus stehe hinter den Aussagen von Vize-Präsident Kalla, vermutet auch der Politologe Asjumardi Asra von der Islamischen Universität in Jakarta. Die Regierung werde von Abgeordneten unter Druck gesetzt. Vor allem Angehörige der Golkar-Partei des ehemaligen Machthabers Suharto hätten auf eine Abzugsfrist für die Ausländer gedrungen. Dabei werde aber ausgeblendet, dass Indonesien ohne fremde Hilfe nicht mit der Lage zurecht komme, betont Asra.

Flutkatastrophe in Asien Indonesien Banda Aceh Flutopfer Soldaten entladen Hilfsgüter

Soldaten entladen Hilfsgüter

Auch die "Jakarta Post" warnte die Indonesier bereits vor zunehmender Ausländerfeindlichkeit. "Wir akzeptieren die Hilfe der Ausländer, aber zugleich misstrauen wir ihnen und schätzen nicht, was sie tun", heißt es in dem Blatt. Doch nur Menschen, die weit weg wohnten von den betroffenen Regionen, stellten die Präsenz der ausländischen Truppen in Frage. "Für die Opfer aber sind sie Retter."

Kommt Bewegung in den Langzeitkonflikt in Aceh?

Das bevölkerungsreichste islamische Land der Welt hat grundsätzlich kein gutes Verhältnis zu vielen westlichen Armeen: Australien wird die Parteinahme im Unabhängigkeitskampf Ost-Timors 1999 nicht verziehen. Die US-Truppen sind nicht zuletzt wegen des Irak-Kriegs ohnehin unbeliebt bei den Indonesiern. Viele Beobachter staunten deshalb, als US-Soldaten plötzlich in der bisher völlig abgeriegelten Provinz Aceh standen, um dort den Opfern zu helfen.

Die Provinz ist sensibles Gebiet: Seit knapp drei Jahrzehnten herrscht dort Bürgerkrieg. Die Regierung bekämpft Islamisten, die das an der Nordspitze von Sumatra gelegene Gebiet abspalten wollen. Doch nun hatte Jakarta im Angesicht der Katastrophe keine Wahl, als die Region dem fremden Militär zu öffnen. "Wie viele Herkules-Transportmaschinen oder Hubschrauber haben wir denn schon, die wirklich fliegen können?", fragt der frühere indonesische Menschenrechtsmininster Hasballah Saad.

Bereits unmittelbar nach der Flutwelle hatte die islamische Rebellen-Organisation GAM eine einseitige Waffenruhe erklärt. Diese solle nun "bedingungslos und unbegrenzt bestätigt werden", heißt es in einer Botschaft von Rebellenführer Malik Mahmud, der in Schweden im Exil lebt. Damit sollen die internationalen Hilfsaktionen in der von den Fluten am 26. Dezember völlig verwüsteten Provinz unterstützt werden. Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla begrüßte die Erklärung grundsätzlich. Wann und wo es zu Gesprächen kommt, war aber noch völlig offen. "Wichtig ist, dass wir gemeinsam den Frieden und den Wiederaufbau meistern", sagte er. (arn)

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