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Asien

Indonesiens radikaler Prediger Bashir in Haft

Ein indonesisches Gericht hat den radikalen Abu Bakar Bashir zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Bashir gilt als geistiger Drahtzieher vieler Terroranschläge in Indonesien.

Portrait Abubakar Bashir (Foto: EPA/BAGUS INDAHONO)

Islamistenführer Bashir wollte die Welt unter einem radikalen Islam vereinigen - mit Terrormethoden

Im Visier indonesischer Terrorfahnder ist der kleine Mann mit dem weißen Bart, der sich seinem Publikum gerne lächelnd präsentiert, seit langem. Als 2002 auf der Urlaubsinsel Bali eine Bombe vor einer hauptsächlich von Ausländern besuchten Diskothek in die Luft ging und mehr als 200 Menschen in den Tod riss, ging der Name des heute 71-jährigen zum ersten Mal durch die Weltpresse.

Bashir gilt als Mitbegründer und Vordenker des südostasiatischen Al Kaida-Ablegers "Jemaah Islamiyah". Die kurz "JI" genannte Organisation strebt einen pan-islamischen Gottesstaat in ganz Südostasien von Malaysia im Norden bis hin zu den Philippinen an und setzt dabei auch auf Gewalt. Bashir hat das stets abgestritten, aber gleichzeitig nie ein Geheimnis aus seiner Unterstützung für diese Ideen gemacht. Auch seine Sympathie für Al Kaida-Chef Osama bin Laden äußerte er freimütig vor laufenden Kameras: "Osama bin Laden gebührt Lob. Hinter dem 11. September stecken die Juden, alles war ein Vorwand, um uns anzugreifen. Nicht nur Südostasien, sondern die ganze Welt soll unter dem Islam vereinigt werden. Das ist unser Traum. Es steht doch in den Geschichtsbüchern: die Kalifen haben einst die halbe Welt regiert."

Verschwörung und Terroranschläge

Portrait Osama Bin Laden(Foto: AP)

Osama Bin Laden war Wegweiser für den Al-Kaida Sympathisanten Bashir

Solche Sympathiebekundungen reichten allerdings nicht, um ihn langfristig hinter Gitter zu bringen. Zwar wurde er mehrfach der Verschwörung angeklagt, doch es war jedes Mal schwer, die direkte Verbindung vom Wort zur Tat juristisch haltbar nachzuweisen. Etwas länger als zwei Jahre saß er nach den Anschlägen von Bali in Haft – wurde aber wegen guter Führung entlassen.

An seiner Überzeugung hatte die Haft nichts geändert. Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass bei den unterschiedlichen Terroranschlägen, die Indonesien in den Folgejahren erschütterten, auch Bashir immer wieder ganz oben auf der Liste der indonesischen Terrorfahnder stand.

Zuletzt ging es um die Vorbereitung eines Anschlags auf den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono am bevorstehenden Nationalfeiertag im August dieses Jahres. Bashir soll - so die Anklage - umgerechnet rund 100 000 Euro gesammelt haben, um entsprechende Planungen einer Terrorgruppe in der Provinz Aceh zu unterstützen.

Gegen radikale Tendenzen vorgehen

Polizisten patrouillieren nach dem Anschlag (Foto: AP)

Terroranschlag auf Bali 2005

Dass es diesmal der Justiz gelungen ist, Bashir wohl bis zu seinem Lebensende hinter Gitter zu bringen, zeigt, dass die Regierung im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt fest entschlossen ist, gegen radikale Tendenzen vorzugehen. Indonesiens Sicherheitskräfte machen seit Jahren Jagd auf Terroristen. Einige wurden bei der Festnahme erschossen. Doch der Sicherheitsapparat leidet unter den allgegenwärtigen Schwächen des Landes: Korruption, Vetternwirtschaft und Ineffizienz.

Auch in der Bevölkerung hat Bashir nur wenige Freunde. Viele Indonesier haben wirtschaftlich unter den Folgen der Bali Anschläge gelitten. Einige Unterstützer gibt es aber doch. So macht in letzter Zeit verstärkt eine "Front zur Verteidigung des Islam" von sich reden.

Wenige aber lautstarke Unterstützer

Bashir, eskortiert von zwei Anhängern (Foto: AP)

Kein Grund zum Lachen: Bashir wird wohl den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen

Die radikale Gruppe gefährdet das Zusammenleben der Religionen im traditionell toleranten Indonesien. Gezielte Aktionen gegen andere Religionen, aber auch gegen das, was die Organisation für westliche Dekadenz hält, wie beispielsweise die indonesische Ausgabe des Playboy, sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Auch bei der Urteilsverkündung kam es zu lautstarken Protesten: „Unser Lehrer wurde von einem ungerechten Gericht verurteilt", riefen Bashirs radikale Anhänger. "15 Jahre Strafe ist unmenschlich. Doch der Kampf um die Scharia in unserem Land ist nicht zu Ende, nur weil unser Lehrer im Gefängnis sitzt!"

Dieser kleinen radikalen Splittergruppe stehen allerdings zwei große Muslimorganisationen mit insgesamt mehr als sechzig Millionen Mitgliedern gegenüber, die für einen gewaltfreien und spirituellen Islam eintreten.

Bashir ist der in Indonesien noch üblichen Todesstrafe entgangen. Er wird das Urteil gleichwohl anfechten. Für ihn stecken die USA und Australien hinter der Anklage. Das Ganze sei eine Verschwörung, verkündete er. Die indonesischen Behörden müssen nun sicherstellen, dass Bashir seine Brandpredigten nicht weiter aus dem Gefängnis heraus halten und sich seiner Gemeinde als Märtyrer präsentieren kann. Während seiner letzten Haft war ihm das immer wieder gelungen.

Autorin: Sybille Golte-Schröder
Redaktion: Ana Lehmann