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Kultur

Indonesiens Homo-Filmfest provoziert Muslime

In Indonesien findet derzeit ein vielbeachtetes Filmfestival statt. 150 Filme aus zwanzig Ländern werden an verschiedenen Orten gezeigt. Thema ist ausschließlich Homosexualität - für viele Muslime eine Provokation.

Filmplakat Madame X (Foto: Kalyana Shira Films)

Solche Filme wollen einige Muslime in Indonesien nicht sehen

In seinem Film "Toto Forever" erzählt der spanische Regisseur Roberto F. Canuto von einer homosexuellen Beziehung eines jungen Postboten. In der Eröffnungsszene versinken zwei junge Männer in einen langen Kuss. Ein Bild, das in manchen Ländern wohl kaum auf größeres Interesse stoßen würde. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta, im Herzen des bevölkerungsreichsten muslimischen Landes der Welt, ist das für viele eine offene Provokation.

Die konservative Front zur Verteidigung des Islam hat zur Demonstration vor europäischen Kulturinstituten wie dem niederländischen Erasmus-Haus und dem deutschen Goethe-Institut aufgerufen, um dort gegen das gemeinschaftliche Kulturprojekt, das Gay-Film-Festival zu protestieren. "Wir sehen, dass die Veranstalter hier beabsichtigen, die junge Generation Indonesiens – vor allem islamische Jugendliche zu verderben und dazu zu bringen, freie Sexualität und Homosexualität zu leben", sagt ein Demonstrant.

In Hollywood kein Tabu mehr

Auch wenn das Thema Homosexualität in Hollywood längst kein Tabu mehr ist, was Filme wie Brokeback Mountain zeigen, ist ein solches Festival in der muslimischen Welt einzigartig und obendrein das größte seiner Art in Asien. Es findet zum siebten Mal statt und ist das zweitgrößte internationale Filmfestival Indonesiens. Es wird organisiert von indonesischen Homosexuellengruppen und hat die Unterstützung verschiedener europäischer und asiatischer Kulturinstitute, wie des deutschen Goethe-Instituts.

Szene aus Madame X (Foto: Kalyana Shira Films)

Lucky Kuswandi, Regisseur des Films 'Madame X' meint: das Festival zeigt die Vielfalt in einem pluralistischen Land

Ebenso wie der Festival-Leiter John Badalu weisen die Filmemacher selbst die Vorwürfe der konservativen Muslimorganisationen zurück. Lucky Kuswandi, der Regisseur des Streifens Madam X, betont, dass das Festival die Vielfalt in einem pluralistischen Land zeigen will. "Es ist eine Form der Wertschätzung gegenüber Minderheiten, die bisher eine Randexistenz führten. Das Festival wirbt nicht für Pornografie. Das ist ein sehr subjektiver Vorwurf."

Nicht verboten aber ein Tabu

Zwar ist Homosexualität in Indonesien nicht gesetzlich verboten – gesellschaftlich ist sie jedoch ein Tabuthema. Es gibt eine offizielle Genehmigung des indonesischen Informationsministeriums. Verschiedene Kulturinstitute haben ihre Räumlichkeiten, darunter das deutsche Goethe-Institut, für die Veranstalter zur Verfügung gestellt. Die Demonstranten nutzen das zu heftiger Kritik an westlichen Ländern und fordern die Kulturinstitute auf, das Festival abzubrechen. Zornig schreien sie vor dem Goethe-Institut: "Dieses Haus hier gehört der deutschen Regierung. Das heißt, Deutschland beteiligt sich an der Zerstörung der jungen Generation. Wenn die Filme hier weiter gezeigt werden, kann es sein, dass die Muslime zornig werden und dieses Haus verbrennen."

Goethe-Institut bedroht

Das Goethe-Institut indes hat schon im Vorfeld klargestellt, dass solche Drohungen nicht ankommen. "Wir sind nicht bereit, uns einschüchtern zu lassen", sagte die stellvertretende Institutsleiterin Sulochana Giesler gegenüber der Deutschen Presseagentur und steht damit im Einklang mit den indonesischen Teilnehmern. Das internationale Festival sei gut für Indonesien, meint auch der Regisseur Lucky Kuswandi. Die Vielfalt und Kreativität zeige, dass Indonesien ein demokratisches Land ist.

Autor: Anggatira Gollmer

Redaktion: Ana Lehmann