1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Indonesiens Fußball versinkt im Chaos

Indonesiens Fußball taumelt schon lang von Skandal zu Skandal. Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie: Die Liga startete in die neue Saison, obwohl noch gar nicht klar ist, aus welchen Vereinen sie eigentlich besteht.

Indonesische Fußballfans im Nationalstadion von Jakarta (Foto:ap)

Trotz zahlloser Skandale ist die Fußballbegeisterung in Indonesien ungebrochen

Als der Schlusspfiff im Jalak Harupan-Stadion in Bandung ertönt, feiern die Fans ihre Mannschaften frenetisch. Dabei war es ein eher müder Kick: 1:1 heißt es am Ende im Eröffnungsspiel der neuen indonesischen Fußballsaison zwischen Persib Bandung und Semen Padang. Für die Fans spielt das Ergebnis aber nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind froh, endlich endgültig zu wissen, dass ihre Mannschaften dieses Jahr in der ersten Liga spielen werden. Und damit haben sie fast allen anderen indonesischen Fußball-Anhängern einiges voraus.

Denn eigentlich ist noch nichts klar in Indonesien: Das Eröffnungsspiel hat der Verband nur angesetzt, damit das Land einer dreijährigen internationalen Sperre entgehen konnte. Der Fußball-Weltverband FIFA hatte Indonesien ein entsprechendes Ultimatum gesetzt. Welche Klubs aber sonst noch in Zukunft erstklassig spielen, wie der Spielplan aussieht, nach welchem Modus gespielt wird, all das steht noch völlig in den Sternen.

"Depperte" Funktionäre

Der ehemalige indonesische Nationaltrainer Alfred Riedl (Foto:ap)

14 Monate lang war Alfred Riedl indonesischer Nationaltrainer

Währenddessen sitzt 300 Kilometer weiter nordwestlich ein österreichischer Altnationaler in einem Cafe in Jakarta und versteht die Welt nicht mehr. "Die san a bisserl deppert. Die san wirklich deppert", wettert Alfred Riedl im breitesten Wiener Schmäh gegen Indonesiens Fußballfunktionäre. In den 1970er Jahren war Riedl ein erfolgreicher österreichischer Fußballer. Er wurde zweimal Meister mit Austria Wien und zweimal Torschützenkönig in der ersten belgischen Liga. Im Mai 2010 wurde er Nationaltrainer von Indonesien. Seit Juli 2011 ist er es nicht mehr. Und das, obwohl er sehr erfolgreich gearbeitet hat.

Unter Riedl kam die indonesische Nationalmannschaft Ende 2010 sogar ins Finale der letzten Südostasien-Meisterschaften. Aber kurz darauf ist Riedl zwischen die Fronten eines besonders schmutzigen Machtkampfes um die Vorherrschaft im indonesischen Fußball geraten – und darüber gestürzt. Fristlos entlassen, ohne Angabe von Gründen. "Eine ordentliche Kündigung", sagt er verbittert, "habe ich bis heute nicht bekommen."

Staatsgelder für Fußballklubs

Szene aus einem Fußballspiel Indonesien-Malaysia im Dezember 2010 (Foto:ap)

In den Finalspielen der Südostasienmeisterschaften2010 unterlag Indonesien Malaysia mit 0:3 und 2:1.

Riedl ist nur das prominenteste Opfer eines beispiellosen Chaosjahres im indonesischen Fußball. Der wird schon seit langem von Korruptionsskandalen erschüttert. Immer wieder gab es Gerüchte um abgesprochene Ergebnisse, bestochene Schiedsrichter, verschobene Spiele. Die ganze Struktur, erzählt Sandy Premuji, Sportjournalist bei der indonesischen Tageszeitung "Jakarta Globe", sei anfällig für Korruption. Denn Indonesiens Fußballvereine sind nicht etwa Privatunternehmen, sie gehören vielmehr mächtigen Provinzgouverneuren, die sie immer wieder für ihren Wahlkampf missbrauchen.

"Die meisten indonesischen Klubs wurden mit Staatsgeldern gegründet und finanziert", erklärt Premuji. In vielen Provinzen sei der Haushaltsposten für die Fußballklubs größer als der Bildungs- oder der Gesundheitsetat. "Es gibt sogar Provinzen, die haben überhaupt keinen Etat für Bildung oder Gesundheit, geben aber 25 Milliarden Rupiah (umgerechnet rund 2 Millionen Euro) im Jahr für Fußball aus." Stehen Provinzwahlen an, dann werden die betroffenen Vereine plötzlich besser, erzählt Pramuji. Und auch das Lizenzierungsverfahren wurde in Indonesien bisher eher lasch gehandhabt. "2007 hat einer der Fussballklubs seine Jahresbilanz auf einem einfachen Zettel vorgelegt. Da stand nur: Einnahmen, Ausgaben, fertig."