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Politik

Indonesien kämpft gegen sich wandelnde Terrorgruppen

Nach dem 11. September 2001 ist Indonesien wiederholt von schweren Terrorangriffen heimgesucht worden. Auch dieses Jahr werden Anschläge befürchtet.

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Angst vor einer Wiederholung: Polizisten nach den Anschlägen auf Bali im Oktober 2005

Terroranschläge zu dieser Jahreszeit gehörten in Indonesien in den vergangenen Jahren fast schon zu einer Art traurigen Tradition. Und auch diesen Spätsommer und Herbst befürchten die indonesischen Behörden neue Anschläge. Und zwar nicht nur aufgrund der statistischen Regelmäßigkeit des indonesischen Terrors, sondern vor allem aufgrund von dessen fanatischer Führungsfigur Noordin Mohammed Top, einem der meistgesuchten Terroristen im südostasiatischen Raum, der sich noch nimmer auf freiem Fuß befindet. Er gilt als Kopf des Terror-Netzwerks Jemaah Islamijah, dem wiederum Verbindungen zu El-Kaida nachgesagt werden.

Anfang August erst hatten Anti-Terroreinheiten der indonesischen Polizei auf der Jagd nach Noordin Top drei Dörfer in Ost-Java umzingelt. Es gab zwar daraufhin einige Festnahmen – die Führungsfigur konnte dabei jedoch nicht gefasst werden.

"Die gefährlichste Person Indonesiens"

Bombenanschlag in Jakarta Polizeifoto

Der eine getötet, der andere radikalisiert: Bin Husin und Top

Experten schätzen, dass die Terrorzelle um Top in letzter Zeit noch gefährlicher geworden ist, weil sie in die Enge getrieben wurde. Im November 2005 töteten indonesische Sicherheitskräfte bei einer Schießerei den Malaysier Azahari Bin Husin, der bis dahin als

oberster Terroristenführer im südostasiatischen Raum gegolten hatte. Bin Husin soll für die Ausführung zahlreicher Anschläge in Indonesien verantwortlich gewesen sein, unter anderem auch für die tödlichen Bomben auf Bali. Mit dem Tod von Husin rückte Noordin Top an dessen Stelle. Nach Angaben von Sidney Jones von der Brüsseler Organisation International Crisis Group (ICG) agiert Noordin Top inzwischen allerdings unabhängig. "Er hat sich von der Jemaah Islamijah längst losgelöst und hat die drei Bombenanschläge in Jakarta selbst geplant. Er ist die gefährlichste Person Indonesiens."

Verurteilt aber freigelassen

Indonesien Islamistenführer Abu Bakar Bashi aus Haft entlassen

Beliebter Volksprediger: Bashir nach seiner Haftentlassung

Nach dem ersten Bali-Anschlag 2002 rückte die Gruppe Jemaah Islamijah mit ihrem ideologischen Führer Abu Bakar Bashir ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Bashir war bekannt für seine fundamentalistische und anti-amerikanische Haltung. Er versuchte zunächst jedoch, die Attentate den USA in die Schuhe zu schieben – die verhassten Amerikaner wollten Indonesien als Terrorsumpf darstellen und hätten deshalb die Anschläge selbst arrangiert.

Bashir wurde einige Male verhaftet und später wegen Beteiligung an einer kriminellen Verschwörung zu 30 Monaten Haft verurteilt. Eine direkte Verwicklung in den Bali-Anschlag konnte ihm aber letztlich nicht nachgewiesen werden, und so wurde er im Juni 2006 vorzeitig aus der Haft entlassen. Seitdem distanziert sich Abu Bakar Bashir indirekt von - wie er selbst sagt - "unsinnigen Gewaltakten und Bombenanschlägen". Als populärer Prediger reist er nun durch Indonesien und propagiert die Anwendung der Sharia, der islamischen Gesetzgebung, als einzigen Weg zum wahren Islam. Laut Sidney Jones spielt er als äußerst beliebter Prediger nun eine völlig neue Rolle als zu seinen Zeiten bei der Jemaah Islamija: "Er zieht Tausende von Anhängern an, wenn er irgendwo spricht, und er spricht im ganzen Land. Er will die islamische Gesetzgebung in Indonesien etablieren. Er wird von Parteien unterstützt, die genau das erreichen wollen, aber im Rahmen des demokratischen Systems."

Trotz Schwächung gewaltbereit

Neben der von Bashir offenbar verlassenen Gruppe Jemaah Islamijah - die von Experten als gefährlichste eingestuft wird - ist in Indonesien noch eine ganze Reihe anderer fundamentalistischer Gruppen zur Gewalt bereit und auch heute noch aktiv. Doch sind diese laut Ken Conboy, Sicherheitsberater und Experte für Terrorismusbekämpfung in Jakarta, nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren. "Sicherheitskräfte haben mehr oder weniger den Großteil ihrer Infrastruktur zerstört - das gilt auch für die Jemaah Islamijah."

Viel erreicht, doch nicht genug

Dennoch: Während Bashir und seine Anhänger sich also anscheinend für einen politischen Kampf entschieden haben, setzen andere, vor allem die Gruppe um Noordin Mohammed Top, weiterhin auf Terror und Destabilisierung. Deshalb konzentrieren sich die indonesischen Sicherheitskräfte auf die Verfolgung dieser radikalen Netzwerke. Mithilfe einer neu gegründeten Anti-Terroreinheit, der "Detasemen 88", ist es ihnen gelungen, in den vergangenen zwei Jahren viele Aktivisten zu verhaften. Ken Conboy, Sicherheitsberater und Experte für Terrorismusbekämpfung in Jakarta, bescheinigt der indonesischen Polizei gute Fortschritte bei der Terrorismusbekämpfung. Noch 2002 habe die indonesische Polizei fast bei Null angefangen müssen. Seitdem habe sie ihre Fähigkeiten bei der Beweissammlung aber deutlich verbessert und entziehe den radikalen Netzwerken durch zahlreiche Verhaftungen langsam den Boden. "Aber Noordin Top ist immer noch auf freiem Fuss. Das zeigt, dass sie noch besser werden müssen."

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