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Wirtschaft

Indonesien auf dem Weg zur Wirtschaftsmacht

Das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt drängt auf die Weltbühne. Indonesien ist demokratisch, dynamisch und voller Potenzial - und könnte Deutschland in 15 Jahren überholen.

Ein indonesischer Arbeiter fährt in Jakarta auf seinem Fahrrad an Ölfässern entlang (Foto: dpa)

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Im Windschatten von China und Indien wächst eine Wirtschaftsmacht, die Ökonomen auf dem besten Weg zu einer Wachstumslokomotive der Weltkonjunktur sehen. Indonesien, mit 240 Millionen Einwohnern das viertgrößte Land der Welt, ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 599 Milliarden Euro die größte Volkswirtschaft Südostasiens. Das McKinsey-Institut wagt jetzt eine kühne Prognose: "Indonesien hat gewaltiges Potenzial, bis 2030 die siebtgrößte Wirtschaftsnation der Welt werden", heißt es da - hinter China, den USA, Indien, Japan, Brasilien und Russland - und vor Deutschland.

Die überwiegende Mehrheit in dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt ist gemäßigt. Seit den Terroranschlägen auf Bali vor zehn Jahren mit 202 Toten haben die Regierungen die militante Extremistenszene praktisch ausgetrocknet. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat viele Weichen gestellt, um die Lage im Herzen der dynamischsten Wirtschaftsregion der Welt, zwischen Asien und Australien und dem Indischen und dem Pazifischen Ozean zu nutzen. Die Exporte in die Region wachsen jedes Jahr um zehn bis 20 Prozent.

Binnenkonsum mit großem Potential

Das größte Potenzial liegt aber im heimischen Markt. "Indonesiens Konsumklasse umfasst heute 45 Millionen Menschen, bis 2030 dürften es 135 Millionen sein", schreibt McKinsey. Die Wirtschaft lebt zu fast 60 Prozent vom privaten Verbrauch. "Unsere Wirtschaft stützt sich auf die hohe heimische Kaufkraft, unterstützt von niedrigen Zinsen und der Tatsache, dass wir den Inflationsdruck unter Kontrolle haben", sagt Wirtschaftsminister Hatta Rajasa in einem Interview mit "Sorotan", der Zeitschrift der deutsch-indonesischen Handelskammer Ekonid.

"Wir teilen eine sehr optimistische Einschätzung für Indonesien", sagt Ekonid-Hauptgeschäftsführer Jan Rönnfeld. Das BIP stieg zwischen 2000 und 2010 real um 5,2 Prozent im Jahr - nur China mit 11,5 und Indien mit 7,7 Prozent waren stärker. Indonesien war nach Angaben von McKinsey die am stabilsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend in den nächsten zehn bis 15 Jahren fortsetzt", sagt Rönnfeld. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt dem CIA-World Factbook zufolge 28,5 Jahre (Deutschland: 45,3). Bis 2030 dürfte die Zahl der Facharbeiter laut McKinsey von 55 auf 113 Millionen steigen.

Bürokratie und Korruption

Der Weg nach oben ist allerdings steinig. "Die Hauptprobleme sind Rechtsunsicherheit, bürokratische Hürden und Korruption", sagt Rönnfeld. "Es gibt Unzulänglichkeiten in allen Bereichen der Infrastruktur, die zu relativ hohen Transportkosten führen." Die Regierung hat das Infrastruktur-Budget von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2007 mittlerweile auf heute 13,6 Milliarden Euro erhöht.

In den nächsten zehn Jahren sollen sechs Wirtschaftskorridore mit Flughäfen, Straßen und Häfen entstehen, verbunden durch Glasfaser. In der Zehn-Millionen-Metropole Jakarta wird an einer U- und Hochbahn gearbeitet. Jakartas Tanjung Priok-Hafen, über den 60 Prozent der Exporte abgewickelt werden, platzt aus allen Nähten. Die erste Ausbauphase soll 2014 fertig sein, mit 4000 Metern neuen Anlegeplätzen.

Risiken und Chancen im Energiesektor

Der Energiebedarf ist ein Problem - und eine Chance. "Das Land verfügt über die größten ungenutzten Erdwärme-Ressourcen der Welt", heißt es bei Ekonid. Die Windenergie ist auf den 17.500 Inseln, die sich über 5000 Kilometer am Äquator erstrecken, vielversprechend. Bis 2025 will das Land 17 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen schöpfen. Ein Problem ist die Vernichtung des Regenwaldes. Dadurch werden Unmengen Kohlendioxid frei und machen Indonesien zu einem der größten Klimasünder der Welt. Zudem leben nach wie vor 30 Millionen Menschen in Armut.

Rund 250 deutsche Unternehmen sind in dem Land vertreten, vor allem aus der Chemie- und Pharmaindustrie, dem Automobilbau und der Elektronikindustrie. "Seit Anfang 2011 steigt das Interesse deutscher Unternehmen sprunghaft an", sagt Rönnfeld. "Großes Potenzial gibt es grundsätzlich für alle Unternehmen, die für den stark wachsenden lokalen Konsummarkt produzieren", sagt Rönnfeld. "Der zweite Bereich ist die Verarbeitung von mineralischen und natürlichen Rohstoffen."

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