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Fußball

Indisches Duo mit großer Hoffnung

Zwei indische Fußballer absolvieren ein Probetraining beim Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Sie sehen sich als Pioniere, denn kein indischer Fußballer hat es bislang zu internationalem Ruhm gebracht.

Wenn Enthusiasmus das entscheidende Kriterium wäre, hätten die indischen Fußballer Nirmal Chettri und Godwin Franco den Profi-Vertrag bei Fortuna Düsseldorf schon in der Tasche. Denn Chettri und Franco gehen mit Feuereifer an ihre Aufgabe beim Probetraining. Es ist ihre große Chance. Eine Woche lang trainieren sie in der Düsseldorfer Arena mit den Profis von Fortuna, und sie sehen sich als Pioniere für den indischen Fußball. Beide sind mit maximaler Lernbereitschaft und auch mit ein paar Mantras im Gepäck nach Düsseldorf gekommen. Aber sie sind realistisch genug zu wissen, dass es noch nicht klar ist, ob dies mehr als eine Stippvisite bei Fortuna sein wird. Vielleicht wissen sie mehr, wenn das Transferfenster im Januar schließt, oder vielleicht auch erst am Ende der Bundesliga-Saison. Aber nichts kann den Eifer der beiden indischen Fußballer dämpfen, weder die sportlichen Probleme der Fortuna nach dem Sturz von der ersten in die untere Tabellenhälfte der 2. Liga, noch die frostigen Temperaturen im winterlichen Rheinland.

Eine Bresche schlagen

Mit 1,2 Milliarden Menschen ist Indien hinter China das bevölkerungsreichste Land der Erde. Dennoch hat es noch kein einziger indischer Fußballer je zu internationalem Ruhm gebracht. Indien steht nur auf Platz 154 in der FIFA Weltrangliste, und indische Fußballer haben in ihrer Heimat den Ruf, einfach nicht gut genug zu sein, um im internationalen Geschäft zu reüssieren. Die fruchtlosen Bemühungen der indischen Fußballgrößen Baichung Bhutia und Sunil Chettri haben die Kritiker bestätigt. Es scheint, dass der indische Fußball sich noch an demselben Punkt befindet, an dem er war, als Mohammed Salim 1936 bei Celtic Glasgow unter Vertrag kam - nachdem er barfuß ein Probetraining absolviert hatte. Er war der erste indische Spieler bei einem europäischen Club.

Nirmal Chettri and Godwin Franco posieren vor der Düsseldorfer Arena. (Foto: DW/Chris Punnakkatt​u Daniel)

Chettri (l) und Franco (r) träumen vom Profifußball

Da verwundert es nicht, wenn Chettri und Francos Reisepläne zuhause eher Skepsis auslösten. Aber die beiden sind fest entschlossen, ihre Chance so gut wie möglich zu nutzen: "Ein Mensch kann nur fremde Ozeane entdecken, wenn er sich traut, die Küste aus dem Blick zu lassen," sagt der 27-jährige Mittelfeldspieler Franco lächelnd. "Das ist eine alte indische Weisheit, an die ich fest glaube. Du musst Mut haben und dich so weit rauswagen, dass du die wirklich großen Fische sehen kannst. Egal, ob du am Ende ein kleiner Fisch bleibst, oder mit den wirklich großen Fischen schwimmst." Etwas weniger poetisch fährt er fort: "Indische Fußballer sollten solche Chancen nutzen. Wenn wir es nicht tun, werden auch andere nicht kommen. Wir haben so viele Anrufe bekommen, von jungen Fußballern, die so aufgeregt sind bei der Vorstellung, dass sie vielleicht auch mal so eine Chance bekommen. Manche hatten bislang nicht den Mut etwas zu riskieren. Wir haben die Gelegenheit ergriffen und werden unser Bestes geben."

Es lastet also ein immenser Erwartungsdruck auf dem Duo. Der 23-jährige Verteidiger Chettri, der bislang neunmal in die indische Nationalmannschaft berufen wurde, sieht sich als wichtigen Wegbereiter: "Manchmal müssen wir uns durch unbekanntes Gelände einen Weg bahnen und das ist eine neue Reise für den indischen Fußball. Wir glauben, dass wir hier spielen können. Die Zeit muss reif sein und wir brauchen ein bisschen Glück. Wenn wir es schaffen, dann werden andere uns bestimmt nachfolgen."

Kicken wie Zidane

Franco trainiert schon zum dritten Mal in Deutschland. Zweimal war er beim Landesligisten Borussia Lindenthal-Hohenlind in Köln, da ist Zweitligist Fortuna Düsseldorf schon ein gewaltiger Sprung nach oben. Selbstbewusst vergleicht er seinen eigenen Spielstil mit dem des legendären französischen Fußballstars Zinédine Zidane und könnte gut damit leben, nach seinem Probetraining zu Dempo SC in die indische Liga zurückzukehren.

Chettri hingegen ist vereinslos, hat aber einige Angebote indischer Clubs. Er gibt zu, dass er mit einer Körpergröße von 1,77 Metern etwas klein geraten ist für einen Innenverteidiger. Aber er sagt selbstbewusst, dass er auf "jeder Position" der Verteidigung einsetzbar sei. Was seine Chancen auf einen Vertrag bei der Fortuna anbetrifft, so ist er realistisch. "Wenn es nichts wird, habe ich wenigstens etwas gelernt," sagt er. "Es wird mich auf jeden Fall als Fußballer weiterbringen. Fußballspielen ist ein immerwährender Lernprozess. Man lernt jeden Tag dazu und ich bin sicher, wenn ich aus Deutschland zurückkomme, nehme ich etwas mit, das mir in Indien helfen wird." "Zum Probetraining hierher zu kommen ist schon eine große Auszeichnung und ein Grund, stolz zu sein," fügt Franco hinzu.

Nirmal Chettri (L) und Godwin Franco (R) mit den Spielern von Fortuna Düsseldorf. (Foto: DW/Chris Punnakkatt​u Daniel)

Das Duo sagt, es hat viel von den Fortuna-Spielern gelernt

Erste Schritte

Fußball wird wohl in Indien niemals den Stellenwert erreichen, den dort Cricket hat. Aber auch wenn nicht die gleiche Begeisterung zu erwarten ist, so nimmt das Interesse doch zu, meint Franco. Nicht zuletzt auch wegen der Erfolge von Bayern München und Dortmund in der Champions League. Der internationale Triumphzug des deutschen Fußballs habe in Indien dazu geführt, dass sogar der Name Fortuna Düsseldorf kaum einer Erklärung bedürfe, erzählt Franco. Chettri hat seine eigenen Erfahrungen gemacht: Er spielte 2007 in einer indischen Auswahl gegen deutsche Jugendmannschaften und 2012 sogar gegen den FC Bayern München in einem Freundschaftsspiel in Neu Delhi.

Fußball mag zwar nicht Nationalsport in Indien sein, aber die Spieler der Mannschaften von Mohun Bagan und East Bengal müssen beim Derby in Kalkutta auch vor 120.000 Zuschauern im Salt Lake-Stadion ihre Leistung abrufen. Das ist laut Franco ein Erwartungsdruck, der durchaus mit einem Bundesliga-Einsatz vergleichbar ist. Und so findet er wiederum ein Beispiel, um seinen Hoffnungen auf eine Chance in Deutschland Ausdruck zu verleihen: "Man sagt, wenn Du in Kalkutta Auto fahren kannst, dann kannst Du überall fahren."