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Wirtschaft

Indischer Tata-Konzern kauft Jaguar und Land Rover

Indien liefert Rohstoffe, Europa die High-Tech-Güter? Das war gestern. Indische Konzerne greifen nach den Kronjuwelen der europäischen Industrie. Tatas Übernahme der beiden Autohersteller ist das jüngste Beispiel.

Mann in Anzug vor Kleinwagen, beide vor dunklem Hintergrund (Quelle: AP)

Erst Anfang 2008 stellte Tata-Chef Ratan Tata das billigste Auto der Welt vor

Porträt eines Mannes (Quelle: AP)

Ratan Tata ist neuer Hausherr bei Jaguar und Land Rover

Wer an Indien denkt, dem fällt sehr schnell die große Armut auf dem Subkontinent ein; wer dagegen an die Automarken Jaguar und Land Rover denkt, der hat Luxus im Sinn. Nun werden die beiden Nobelmarken indisch, denn der schlingernde Ford-Konzern braucht Geld und will sich auf das Überleben seines Kerngeschäfts konzentrieren – und hat im indischen Tata-Konzern einen Käufer für Jaguar und Land Rover gefunden.

Der Kauf ist zwar riskant, aber auch mit einer großen Chance verbunden. Denn Tata war bislang vor allem mit Kleinwagen in Asien präsent und hat vor einigen Monaten mit dem Modell Nano das billigste Auto der Welt vorgestellt, nun kann der Konzern sich lange und teure Entwicklungsarbeit sparen und auf dem Weltmarkt auch in der Premium-Klasse mitmischen – quasi auf Augenhöhe mit Daimler, BMW und Audi.

Indische Industrie zieht zur Weltspitze

Fluß, auf der anderen Seite Industrieschlote (Quelle: AP)

Im Januar 2007 übernahm Tata bereits den europäischen Stahlriesen Corus

Die Übernahme der beiden noblen Automarken passt nicht nur in die Expansionsstrategie von Tata, sondern sie ist darüber hinaus ein herausragendes Beispiel für das zunehmende Gewicht von Schwellenländern auf dem Weltmarkt mit Produkten, die nicht dem Bild entsprechen, das viele sich noch von Entwicklungsländern machen. Ohne Zweifel ist Indien immer noch ein Entwicklungsland mit mehreren hundert Millionen Menschen in absoluter Armut. In keinem anderen Land gibt es mehr Elend als in Indien. Aber gleichzeitig mischt Indien bei Computer-Software an der Weltspitze mit; es werden dort Flugzeuge und Raketen mit atomaren Sprengköpfen gebaut.

Der Name Tata hat in Indien den gleichen Klang und der Industriellenclan die gleiche Bedeutung, die zu früheren Zeiten Krupp oder Thyssen in Deutschland hatten. Der Mischkonzern Tata Group erzielt über zwanzig Milliarden Euro Umsatz und vereint unter seinem Dach Stahlwerke, Lebensmittelhersteller, Hotels und Mobilfunk – und eben auch Autos. Bei LKW und Bussen zählt Tata zu den sechs größten Herstellern weltweit; bei PKWs wird von Süd-Korea bis Europa und Amerika expandiert. Mit dem britisch-niederländischen Stahlkonzern Corus ist Tata in der Stahlproduktion seit Jahren in Europa präsent, nun auch mit hochpreisigen Autos.

Schwellenländer überzeugen mit Qualität

Frontansicht eines Jaguar-Wagens (Quelle: AP)

Jaguar wird indisch

Früher gab es in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern eine klare Aufgabenteilung: Die Entwicklungsländer exportierten Rohstoffe und tropische Nahrungsmittel, die Industriestaaten lieferten Infrastruktur, Autos, Maschinen, Arzneimittel usw. Doch mehr und mehr verwischt sich diese Arbeitsteilung. Große Entwicklungsländer – vor allem China, Indien, Brasilien, Süd-Korea – sind zumindest in Teilen zu Industriestaaten aufgestiegen und nicht nur mit billigen Preisen, sondern zunehmend auch mit guter Qualität und hoher Finanzkraft wettbewerbsfähig.

Computer-Hardware kommt aus China und Taiwan, Brasilien exportiert Flugzeuge, Süd-Korea Fernseher mit Flachbildschirm. Mehrere hundert europäische Firmen befinden sich bereits in chinesischer Hand; der Inder Lakshmi Mittal gebietet über den größten Stahlkonzern der Welt, der große Tata-Konzern investiert in Europa in großem Stil, andere werden folgen. Natürlich ist dagegen nichts einzuwenden, zumal im Falle Jaguar und Land Rover nur der Eigentümer wechselt, die Produktion in Europa bleibt und die Firmen ihren Absatz in Asien mit Sicherheit steigern können.

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