1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Indischer Überschwemmungsstaat Bihar bittet Ausland um Hilfe

'Land unter für Monate' meldet die Regierung Bihars. Die internationale Gemeinschaft soll finanziell aushelfen. Sorge bereitet den Behörden der mögliche Ausbruch von Seuchen.

Reisausgabe an Flutopfer (ap)

Kinder bekommen etwas Reis in der Nähe von Chiddva

"Was immer zur Verfügung steht, wir brauchen es." Diesen dringenden Hilferuf richtete Bihars Katastrophenschutzminister Nitish Mishra am Mittwoch (03.09.2008) an die internationale Gemeinschaft. Die Hilfe müsse den Umfang haben, wie 2004 nach der Tsunami-Katstrophe oder wie 2001 nach dem Erdbeben im Bundesstaat Gujarat. Die Regierung alleine, so Mishra, sei nicht mehr in der Lage, alleine mit der Katastrophe fertig zu werden.

Rettung von Überschwemmungsopfern per Boot (ap)

Rettung per Boot: Etwa 350.000 Menschen warten noch darauf

Große Teile des Bundesstaates im Norden Indiens stehen unter Wasser, seit stromaufwärts der Fluss Kosi in Nepal über die Deiche trat und seinen Lauf änderte. Etwa 600.000 Menschen wurden bereits gerettet, schätzungsweise 350.000 warten noch auf ihren Dächern oder in höher gelegenen Ebenen darauf.

Nationale und internationale Hilfsorganisationen sind vor Ort, auch private Initiativen helfen. So werden in einem Hindu-Tempel in der Stadt Singeshwar täglich Mahlzeiten für rund 5.000 Menschen ausgegeben, finanziert durch Spenden der Stadtbewohner. So lange die Menschen kämen, würden sie auch etwas zu essen bekommen, so der Verwalter des Tempels. Deutschland hatte am Dienstag angekündigt, Hilfsorganisationen vor Ort 500.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung zur stellen.

Seuchen drohen

Flüchtlinge suchen Schutz unter einem Baum (ap)

Überfüllte Auffanglager

Nicht nur Nahrungsmittelknappheit und Hungerproteste drohen, sondern auch der Ausbruch von Seuchen und Krankheiten. Sämtliche Brunnen und Süßwasserquellen sind überschwemmt. In den Auffanglagern drängen sich die Flüchtlinge. Derzeit leben 500.000 Menschen in 37 Lagern, Tendenz: steigend. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF sind besonders Kinder und Schwangere von ansteckenden Krankheiten wie Masern, Durchfall und Lungenentzündung bedroht. In den Lagern müssten dringend Latrinen und Wasserpumpen installiert werden.

Die Hilfsorganisation HELP kündigte am Mittwoch an, 20.000 Euro aus ihrem Nothilfefonds zur Versorgung der Flutopfer bereitzustellen. In der Region würden in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen Ratna Nidhi Charitable Trust und Veeraytan "Familienpakete" verteilt. Diese bestehen aus Wasserreinigungstabletten, Hygieneartikeln und Kleidung.

Die Hilfsorganisation CARE verteilt nach eigenen Angaben Güter von Booten aus. Viele Hilfsgüter, die aus der Luft abgeworfen wurden, verfehlten ihr Ziel und landeten im Wasser. Die ärztliche Versorgung versucht CARE mit mobilen Einsatzkräften zu gewährleisten. Die Hilfsorganisation ActionAid gibt an, der Mangel an Medizinern sei ein großes Problem, was die Regierung Bihars nicht so sieht. Es seien mehr als 200 Gesundheitszentren eingerichtet worden, so der Verantwortliche für das Katastrophenmanagement, Prataya Amrit. Etwa 900 Ärzte würden von geschulten Hilfskräften unterstützt.

Nach der Katastrophe

Die Behörden rechnen damit, dass die Deiche erst nach Ende der Regenzeit im Oktober repariert und der Fluss Kosi in sein Bett zurückgeleitet werden kann. Überlegt wird jetzt bereits, was dann kommt. UNICEF geht davon aus, dass mindestens eine Million Menschen obdachlos sein werden. Das bedeute eine riesige Wiederaufbauleistung, so Mukesh Puri von UNICEF.

Riesige Gebiete des ohnehin schon bitterarmen Bundesstaates werden noch monatelang unter Wasser stehen. Nahrungsmittelknappheit droht, da der Boden nach Ansicht von Experten frühestens in sechs bis sieben Monaten wieder bestellt werden kann.

Umgestürzte Boote nach der Tsunami-Katastrophe 2004 (ap)

Tsunami-Katastrophe: Alleine 220.000 Tote in Indien

Bei der Tsunami-Katastrophe 2004 kamen in Indien rund 220.000 Menschen ums Leben. Der wirtschaftliche Schaden betrug nach UN-Schätzungen 2,5 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der Toten (etwa 100) ist dieses Mal niedriger - der wirtschaftliche Schaden aber vergleichbar. (hy)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema