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Politik & Gesellschaft

Indische Priester in deutschen Kirchen

Der katholischen Kirche in Deutschland gehen die Priester aus. Vielerorts werden die Gottesdienste von ausländischen Pfarrern geleitet. Die Kirche muss Nachwuchs aus dem Ausland holen, beispielsweise aus Indien.

Johny Paulose beim Gottesdienst (Foto: privat)

Pfarrer Johny Paulose ist einer von rund 300 indischen Priestern in Deutschland

Die Matthäus-Kirche in Alfter bei Bonn: Hier versammelt sich regelmäßig die katholische Gemeinde des 23.000-Einwohner-Ortes. Die meisten Gläubigen hören sich die Predigt über die Kopfhörer an, die an den Bänken angebracht sind. Denn der Mann auf der Kanzel spricht mit starkem indischen Akzent. Pfarrer Johny Paulose kam vor fünf Jahren aus dem südindischen Bundesstaat Kerala nach Deutschland, weil die Kirche mehr Priester brauchte.


Deutsche Kultur und Mentalität verstehen


Bevor die ausländischen Priester wie Johny Paulose den Gottesdienst übernehmen, werden sie im Bistum Köln in die Mentalität und Kultur der deutschen Gläubigen eingewiesen. Offenbar mit Erfolg. "Die Menschen lieben uns, und ich fühle mich als Teil der Gemeinde. Ich bin von der Gemeinde aufgenommen worden", so Pfarrer Paulose.

Symbolbild: Kirche und Person mit Kreuz, beides transparent dargestellt, davor eine nach unten gehende Kurve (Foto: Donatella Giagnori/dpa/DW-Montage)

Sowohl die Anzahl der Kirchen-Mitglieder als auch die der Pfarrer gehen in den letzten Jahren drastisch zurück

Er ist einer von mehr als 300 indischen Priestern, die derzeit in Deutschland arbeiten. Denn der gesellschaftliche Wertewandel und das Festhalten der katholischen Kirche an der Verpflichtung zur Ehelosigkeit für Priester haben dazu geführt, dass sich immer weniger Deutsche für den Priesterberuf entscheiden. In den vergangenen 30 Jahren sank die Zahl der Priester von rund 25.000 auf 16.000. Vielen Kirchengemeinden - insbesondere auf dem Land - droht die Schließung. Die Kirche rekrutiert daher viele Pastoren im Ausland. Sie kommen überwiegend aus Indien, Polen und Lateinamerika.

Drei Gemeinden im Bonner Stadteil Beuel werden vom Pfarrvikar Josey Thamarassery betreut, der zugleich dem Orden der Indischen Karmeliter vorsteht. Diesem Orden gehören mittlerweile 110 der Priester in Deutschland an. Die deutsche Sprache, das deutsche Essen und der lange kalte Winter machen dem indischen Priester zu schaffen.

Die größte Herausforderung für ihn stellt jedoch die alltägliche Arbeit mit Gemeindemitgliedern dar, besonders bei Trauerfällen. Anfangs habe er einfach nicht die richtigen Worte gefunden, um Angehörigen Trost zu spenden, erinnert er sich. Sein Wortschatz sei einfach nicht gut genug gewesen, um wirklich mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Auch die Tatsache, dass er aus einer anderen Kultur stammt, war für Thamarassery ein Problem. "Anfangs war es sehr schwer für mich. Aber mit der Zeit wurde es besser."

Vorbereitungskurse für Priester in Indien geplant


Kreuz vor Himmel-Hintergrund (Foto: dpa)

Nach ihrer Ankunft in Deutschland absolvieren indische Priester einen zweijährigen Seelsorger-Kurs. Die Kirche will die Einarbeitung beschleunigen und plant ein Vorbereitungsprogramm im südindischen Bangalore. Dominik Schwaderlapp, Generalvikar des Erzbischofs von Köln, ist an der Entwicklung dieses Programms beteiligt. Neben den sprachlichen Schwierigkeiten sieht er die Landeskunde als Pflichtfach für seine Glaubensbrüder aus Indien. "Die Priester müssen unsere kirchliche Situation und die Besonderheiten in Deutschland kennen, was auch sehr anderes ist als in Indien." Das rechtfertige das vorbereitende Propädeutikum in Bangalore, so Schwaderlapp. Die Vorbereitungskurse sind dafür da, dass Priester wie Paulose und Thamarassery künftig ihren Job bereits unmittelbar nach der Ankunft souverän ausüben können.

Diese Vorbereitungskurse sollen dafür sorgen, dass es Priester künftig leichter haben als die Pfarrer Paulose und Thamarassery, die nach ihrer Ankunft erst einmal Deutsch lernen, einen Führerschein machen und die westlichen Etikette studieren mussten. Doch so selbstkritisch sie hinsichtlich ihrer Arbeit sind – ihre Gemeinden sind mit ihnen zufrieden. Für Angela Hoffmann beispielsweise, eine regelmäßige Besucherin der Gottesdienste in der Bonner Marien-Kirche, ist der indische Akzent von Pfarrer Thamarassery praktisch das I-Tüpfelchen. "Ich finde es herrlich", schwärmt sie. Denn genau dieser Akzent sorge dafür, dass sie seinen Predigten immer besonders aufmerksam zuhöre.

Autorin: Preeti John

Redaktion: Hao Gui