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Asien

"Indikator für globale Expansion"

Offiziell spricht Peking nicht vom Aufbau einer "Militärbasis" im ostafrikanischen Dschibuti, lediglich von einem "Logistikzentrum". Die USA sehen das als militärische Expansionen. Bernt Berger erklärt Chinas Strategie.

Vor zehn Tagen (12.07.) ist ein chinesisches Kriegsschiff ins ostafrikanische Dschibuti aufgebrochen. Wahrscheinlich wird dort bald die erste chinesische Militärbasis im Ausland ihre Arbeit aufnehmen. Chinas Staatsmedien berichten, dass der Überseestützpunkt humanitäre Hilfe und Blauhelmeinsätze im Rahmen der UN koordinieren soll. Die Rede ist außerdem von Militärkooperationen, Marineübungen und Rettungseinsätzen im Golf von Aden, der für den Welthandel und strategisch von großer Bedeutung ist.

In einem im Juni veröffentlichten Bericht des US-Verteidigungsministeriums hieß es, dass die Besuche chinesischer Kriegsschiffe im Ausland den "zunehmenden Einfluss Chinas reflektieren". Der Versorgungsstützpunkt Chinas in Dschibuti liegt in unmittelbarer Nachbarschaft vom Camp Lemonnier, der einzigen permanenten US-Militärbasis in Afrika.

In einem Interview mit der Deutschen Welle sagt Bernt Berger vom Berliner Zentrum für Sicherheits- und Konfliktanalyse, welche strategischen Ziele China in Dschibuti verfolgt.

Bernt Berger (ISDP)

Bernt Berger

Deutsche Welle: Herr Berger, warum ist es für China so wichtig, einen Stützpunkt in Dschibuti aufzubauen?

Bernt Berger: Dieser Schritt ist ein Indikator für die globale Expansion chinesischer Streitkräfte und wirtschaftlicher Interessen. Internationale Investitionen durch Chinas Firmen bringen mehr Bürger im Ausland mit sich, die geschützt werden müssen, etwa in Libyen oder im Jemen.

China baut konsequent seine Rolle bei den internationalen Friedensmissionen aus und braucht für diesen Zweck ein Logistikzentrum. Peking ist seit 2008 an der Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika und im Golf von Aden beteiligt. Eine große Exportnation wie China mit einer der größten Reedereien, dem Staatsunternehmen COSCO, muss seine Handelsrouten schützen. Das liegt im Interesse Chinas.

Um dieses Ziel zu erreichen, will China sich nicht mehr auf ausländische Infrastruktur und Unterstützung verlassen. Geografisch gesehen ist Dschibuti dafür idel.

Indischer Ozean Piraten überfallen chinesisches Schiff (picture-alliance/dpa/J. Zalasky)

(Archiv) 2008 wurde ein chinesisches Schiff im Indischen Ozean überfallen

Warum spricht China nicht von einer "Militärbasis", sondern nur von einem "Logistikzentrum"?

Peking will auf jeden Fall den Eindruck vermeiden, dass China eine Militärpräsenz in der Region aufbaut. Das hat zwei Gründe: Erstens, eine Militärpräsenz ist in der Tat nicht der ausschlaggebende Grund für die Einrichtung des Stützpunktes. Die Basis soll lediglich Chinas laufende Operationen in Region unterstützen, etwa beim Kampf gegen Piraterie, Friedensmissionen oder der Evakuierung eigener Landsleute.

Zweitens ist China spätestens nach der Krise um Irans Atomprogramm verstärkt in die regionalen Angelegenheiten und in die Rivalitäten im Nahen Osten involviert. China will dort aber nicht als Hegemonen wahrgenommen werden, der irgendwann Partei ergreifen müsste. 

Natürlich ist nicht ausschließen, dass China den Stützpunkt zur militärischen Überwachung nutzt.

Aber egal, welche Sprachregelung jetzt gilt, ist die wichtige Botschaft Pekings: Chinas Militärpräsenz und Interessen sind global und werden sich in Stützpunkten wie Dschibuti auch manifestieren. Auch das gemeinsame Manöver mit Russland im Mittelmeer 2015 sorgte für große Schlagzeilen. (Chinas Marine soll Ende Juli 2017 mit Russland noch ein Manöver in der Ostsee durchführen. Anm. d. Red.)

Somalia Piraten (picture alliance/AP Photo/F. Abdi Warsameh)

China und die USA bekämpfen Piraterie zusammen

Die USA betreiben in Dschibuti auch einen Stützpunkt. Muss sich Washington um den neuen Nachbarn sorgen?

Die USA werden sich langsam daran gewöhnen, dass zivile und militärische Einrichtungen Chinas zukünftig noch häufiger in der Nähe von US-Einrichtungen installiert werden. Dschibuti ist ein guter Standort für solche Basen. Die Meeresenge vor der Küste ist ein Nadelöhr für internationalen maritimen Verkehr.

Die US-Regierung kann momentan nichts gegen diese Entwicklung unternehmen. Abgesehen davon arbeiten China und die USA im Kampf gegen die Piraterie gutzusammen. Die Frage ist nur, wie beide Länder jetzt mit ihren Rollen klarkommen: In Ostasien Rivalen und im Rest der Welt Alliierte.

Bernt Berger ist Gründer des Berliner Zentrums für Sicherheits- und Konfliktanalyse (Engagement Policy Centre). Seit mehr als zwei Jahrzehnten forscht er über die Außen- und Sicherheitspolitik in Asien.

Das Interview erschien zuerst in Englisch und wurde von Li Shitao geführt.